Jahrhundertprojekt zur Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011

In Garmisch-Partenkirchen laufen die Baumaßnahmen für die Ski-WM 2011 auf Hochtouren. Für die Neugestaltung der Rennstrecken werden 10 ha Pistenfläche komplett neu angelegt und 5 ha auf bestehendem Gelände adaptiert. Dadurch wird u. a. die berühmte Kandahar-Abfahrt noch schwieriger, zugleich aber auch für die Zuschauer im Zielbereich durch das sichtbare Steilstück am Ende der Strecke attraktiver. Parallel wird die Beschneiungsanlage massiv ausgebaut, so dass künftig 5 Talabfahrten in 70 Stunden beschneibar sein werden – eine Einzigartigkeit in Mitteleuropa. Für die Gesamtplanung und Oberbauaufsicht erhielt das Ingenieurbüro Klenkhart&Partner Consulting ZT GmbH den Zuschlag als Bestbieter bei den zwei EU-weiten Ausschreibungen (Kandaharabfahrtsstrecke und Slalomhang), bei der Schneitechnik fiel die Wahl auf LENKO mit 88 Schneeerzeugern.

Klenkhart-Projektleiter DI Christian Weiler (r.) mit Heinz Mohr, Chief of Sports der FIS Alpine Ski WM 2001 in Garmisch, an der Talstation der Kreuzeckbahn beim MM-Lokalaugenschein. Im Hintergrund das neue Steilstück der Kandahar-Abfahrt. Foto: mak

Der Mountain Manager konnte sich am 28. Mai, dem Tag des offiziellen Baubeginns in diesem Jahr auf dem Garmischer Hausberg, von den gigantischen Ausmaßen dieses Jahrhundertprojektes „Ski WM 2011“ überzeugen. Man hat es hier mit 7 getrennten Baustellen zu tun, die man in einem Tag gar nicht alle anfahren kann, über 100 (!) Baumaschinen sind gleichzeitig im Einsatz. Die Koordination ist eine große logistische Herausforderung für das Ingenieurbüro Klenkhart, die Projektleiter DI Christian Weiler bravourös managt. Dabei kommt ihm die Tatsache zugute, dass das Ingenieurbüro Klenkhart nun das 13. Jahr durchgehend in Garmisch tätig ist und sozusagen jedes verlegte Kabel und jeden Ansprechpartner kennt. Davon abgesehen müssen auch sehr gute Professionisten beauftragt werden, um die gesteckten Ziele ohne größere Probleme zu erreichen. Weiler hat hier in einer EU-weiten Ausschreibung, die aufgrund der zugeschossenen Fördermittel notwendig war, die bestmögliche Wahl getroffen: für den Pistenbau eine 4er ARGE bestehend aus den Firmen HTB/TEERAG-ASDAG AG/Plattner/Gebrüder Haider, für den Speicherteich die ARGE Haider/ TEERAG-ASDAG AG (Folie AGRU, verlegt von IAT), für die Pumpstation Demac (Hydraulik + Elektrotechnik) und für die Schneitechnik LENKO bzw. Saint Gobain für die Guß-Rohre.

Nahaufnahme Steilstück neue Kandahar-Abfahrt mit 85 % Gefälle. Foto: Klenkhart

Fünf beschneite Talabfahrten„Jedenfalls ist in den letzten 20 Jahren in Bayern nicht soviel passiert im Pistenbau kombiniert mit Beschneiung, wie hier bei diesem Projekt“, verrät Weiler. „Auch in Österreich gibt es kaum ein solch intensives Projekt – am ehesten ist es noch mit den WM-Aktivitäten in St. Anton am Arlberg zu vergleichen. Garmisch hat durch die Maßnahmen eine 5. Talabfahrt gewonnen, und alle 5 werden maschinell beschneibar sein; das ist einmalig in Mitteleuropa! 4 Talabfahrten hat es bisher schon gegeben, darunter aber nur eine beschneite. Dafür wird eine Pumpleistung von 1 000 l/s zur Verfügung stehen, die aus einem bestehenden Speicherteich mit 45 000 m3 und einem neuen mit 75000 m3 gespeist wird. Diese Wassermenge reicht aus, um bis zu einer Temperatur von – 6° C auf voller Stufe Schnee produzieren zu können. Erst dann muss man regulieren“, so Weiler.

Talseitige Böschungssicherung mit rückverankerter Holzstützwand im Bereich der FIS-Schneise. Foto: Klenkhart

Der alte Schneitech Bödele befüllt übrigens den neuen. Die hier bereits bestehende Hauptpumpstation (AGB/Berchtold) soll deutlich vergrößert werden und künftig eine Pumpleistung von rund 330 l/s aufweisen (derzeit 140 l/s). Gemeinsam mit den bestehenden Pumpstationen am Hausberg und bei der Kreuzwankl-Talstation wird somit ab dem Winter 2008/2009 wie o. a. eine Gesamtpumpleistung von rund 1 000 l/s erreicht. „Im Bereich Kandahar soll alles bis Ende 2008 fertig sein, zumal dann eine Junioren WM + 4 Weltcup- Rennen stattfinden. Nächstes Jahr geht es am Slalomhang Gudiberg noch weiter.“

Verbreiterung der FIS-Schneise (ausführende Firma: Arbeitsgemeinschaft HTB/TEERAG-ASDAG AG/Gebr. Haider). Foto: Klenkhart

Touristische Attraktivität erhöhtDer Grund für die getätigten Investitionen lag einerseits in der Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Skigebietes und somit Zukunftssicherung, andererseits in einer touristischen Stärkung der Region mit dem Ziel der Nachhaltigkeit und Attraktivierung. Demnach wurde die Streckenführung der neuen Kandahar-Abfahrt so gewählt, dass das Live-Publikum im Zielhang davon profitieren wird. „Die neue Kandahar-Abfahrt wird noch schwieriger werden als die Kitzbüheler Streif! Denn das letzte Stück entspricht der Mausefalle – nur auf der Streif ist die nach 15 Fahrsekunden, wo die Rennläufer noch Kraft haben, hier ist das Steilstück mit Sprung am Schluss“, erklärt Weiler. Die alte Herrenabfahrt dient nun den Damen als Abfahrt! Daran sieht man, wie sich das Niveau verschoben hat.

Firma HTB, Innsbruck, bei den Rohrverlegungsarbeiten.

Maßnahmen im PistenbauEinige Beispiele, wie sich die Pisten verändert haben : Im Bereich der „FIS-Schneise“ wurde die bestehende Pistenbreite verdreifacht. Dabei wurden u. a. eine Skibrücke mit einer Spannweite von 25 m und einer Breite von 10 m sowie Böschungssicherungen mit rund 700 m2 rückverankerter Holzstützwand errichtet (HTB). Beim „Tröglhang“ wird derzeit ein Skitunnel errichtet, um künftig unabhängig vom Trainings- und Rennbetrieb eine gefahrlose Querung der Skitouristen zu gewährleisten. Dazu ist es auch notwendig, den vorhandenen mittleren Skiweg, welcher einen der Hauptzubringer in das Skigebiet darstellt, mit aufwendigen Stützmaßnahmen deutlich zu verbreitern.

Der Speicherteich Hausberg mit 75000 m3 Volumen war bereits in der Saison 2007/2008 im Einsatz. Foto: Klenkhart

Auch am Slalomhang „Gudiberg“ werden die im Vorjahr begonnenen Umbauarbeiten fortgesetzt. Durch den Ausgleich von stark exponierten Geländestrukturen wird künftig mit einer deutlich geringeren Schneemenge das Auslangen gefunden werden. Die Verlängerung des Slalomhanges bis in das neue Ziel im Sprungstadion wurde ja bereits im Jahr 2007 umgesetzt. 2009 wird auch noch eine 4er-Sesselbahn auf den Gudiberg errichtet. Speicherteich Hausberg mit 75000 m3 Noch im Jahr 2007 wurde das 2006 geplante und genehmigte Projekt der Pistenadaptierungen und der Beschneiungsanlage inklusive dem 75 000 m3 fassenden Speicherteich im Bereich der Drehabfahrt umgesetzt. Den richtigen Platz zu finden für das Bassin auf 1 500 m Höhe war nicht gerade einfach. Einerseits sollte es möglichst nahe der Piste sein, andererseits durfte ein angrenzendes geschütztes Moor auf gar keinen Fall in Mitleidenschaft gezogen werden. Der schließlich in Frage kommenden Platz musste einer Schlepplifttrasse weichen und neu verlegt werden. Weiters musste ein Berg abgetragen werden, so dass insgesamt 100 000 m3Aushubmaterial anfielen, das jedoch zur Gänze im Pistenbau verwendet werden konnte. Die Firma Gebr. Haider aus Großraming führte diesen Auftrag wieder professionell  gemeinsam mit dem Subunternehmer IAT (Innovative Abdichtungs-Technologien), der mit der Folienverlegung (AGRU) beauftragt wurde, aus. Die Notentleerung des Speicherteiches erfolgt in einen geschützten Wildbach, eine Drainageüberwachung ist selbstverständlich. Durch die Höhenlage des Wasserbeckens kann in vielen Bereichen der Schneileitung mit Naturdruck gearbeitet werden, eine Druckreduzierung bis zu den Tal- Schneigeräten ist jedoch nicht notwendig.

43 lärmarme LENKO-Schneeerzeuger Whisper auf 6 m Türmen sind das Rückgrat der neuen Beschneiungsanlage in Garmisch Partenkirchen. Foto: Klenkhart

Eine der leistungsstärksten Beschneiungsanlagen DeutschlandsBei der Beschneiungsanlage selbst handelt es sich um eine der leistungsstärksten Deutschlands. Im oberen Streckenabschnitt wurden insgesamt 21 Zapfstellen, vollbestückt mit lärmarmen LENKO Propeller-Schneeerzeugern „Whisper“ mit zweistufigem Ventilatormotor auf höhenverstellbaren 6 m Schneitürmen „Winchtower“, im unterenStreckenabschnitt eine Hybridanlage mit insgesamt 26 Zapfstellen, vollbestückt mit zentralluftversorgten neuen LENKO Lanzen Orion installiert, die autonom betreibbar sind. Zusätzlich sind weitere 10 mobile Propeller-Schnee-Erzeuger im Einsatz. LENKO hat auch alle Schneischächte geliefert, beim Winchtower ist der große Schacht zugleich das Fundament. Der Vorteil des LENKO-Turmes ist neben seinem geringen Gewicht (2 Mann können ihn transportieren) die Erhöhung der Schnee-Produktionsleistung um ca. 20–25%. Heuer folgen im Bereich der Hornabfahrt weitere 22 Zapfstellen, vollbestückt wiederum mit lärmarmen Whisper Schneeerzeugern auf höhenverstellbaren Schneitürmen und 11 Zapfstellen, vollbestückt mit zentralluftversorgten Orion-Lanzen. Summa summarum kommen 88 LENKO-Schneigeräte zum Einsatz, wobei für jeden Anwendungsfall das beste System gewählt wurde (Hybridanlage). Lärmarme Schneeerzeugungsmaschinen vorgeschrieben Die Verwendung von lärmarmen Schneemaschinen war ein wesentliches Ausschreibungskriterium, da jede Kanone in Richtung Garmisch Lärm abstrahlt. Bei Inbetriebnahme hat die Behörde extra noch eigene Schallmessungen durchgeführt. „Wären diese Auflagen nicht erfüllt worden, würde die Anlage jetzt stillstehen“, betont Weiler. So aber konnte die enorme Leistungsstärke der Beschneiungsanlage bereits im Dezember 2007 unter Beweis gestellt werden, als in der letzten Kälteperiode knapp vor Weihnachten die gesamte Drehabfahrt binnen 70 Stunden grundbeschneit werden konnte!

Holger Stübner, Bereichsleiter Tirol und Vorarlberg bei der Firma Haider, zeichnete für den Speicherteich verantwortlich. Foto: mak

Ein Großteil der Dreh- und Hornabfahrt kann, wie bereits erwähnt, mittels Eigendruck beschneit werden. Nur für den obersten Abschnitt sind 2 Mitteldruckpumpen erforderlich. Zusätzlich wird der Bereich „Kreuzwankl“ über 3 HD-Pumpen mit Schneiwasser beschickt, alle von Caprari in einer neuen Demac-Pumpstation mit 260 l/s Pumpleistung (3,0 MW Anschlusswert) – samt Eigendruck von 200 l/s stehen dann enorme 460 l/s zur Verfügung. Die Garagierung der Schneeerzeuger ist im Obergeschoß der Pumpstation vorgesehen, unten befindet sich außer der Hydraulik ein Kompressorraum mit 2 Druckluftkompressoren a 132 kW, ein Service-/Wartungsraum und die 4 Trafos mit je 630 kVA – das ist im Verhältnis zur beschneibaren Fläche gar nicht so viel. Für die Strecke wurden 8000 lfm Gussrohre (Saint Gobain), 3 500 lfm Abwasserrohre und 14 000 lfm HDPE-Rohre verwendet.

Die neue Pumpstation beim Speicherteich Hausberg erhält diesen Sommer noch ein Obergeschoß für die Garagierung der Schneerzeuger. Foto: mak

70 Stunden EinschneizeitDiese Beschneiungsanlage garantiert eine vollflächige Beschneiung aller versorgten Pistenflächen binnen max. 70 Schneistunden – und zwar im Grenztemperaturbereich, den man in diesen Höhenlagen oft hat. Ab ca. – 3° C FKT schaltet man die Propeller ein, ab – 4,5 ° C die Lanzen. Eine große Hilfe ist dabei das sehr kalte Teichwasser von fast 0° C, das mittels Drucklufteinblasung umgewälzt wird. mak

Michael Manthai, Repräsentant von LENKO Deutschland, hat einen riesigen Auftrag eingefahren. Foto: mak

Klenkhart Planungs- und Controllingleistungen- Gesamtplanung der Rennstrecken (Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf) und der Beschneiungsanlagen im Bereich Kandahar;- Gesamtplanung der Rennstrecken (Slalom) und der Beschneiungsanlagen im Bereich Gudiberg;- Schneitechnisches Grundsatzkonzept und Detailplanung Beschneiungsanlage und Speicherteich;- EU-weite Ausschreibung und Oberbauaufsicht für die Pistenverbreiterung im Bereich der FIS-Schneise (Bereich Kandahar);- Öffentliche Ausschreibung und Oberbauaufsicht für die Pistenadaptierungen, Einbindung des Slalomhanges in das Sprungstadion und die Verbindungsleitung zwischen dem Kainzenbad (Speicherteich) und der Hauptpumpstation der Beschneiungsanlage;- Eu-weite Ausschreibungen und Oberbauaufsicht für den Speicherteich, die Hauptpumpstation, die Schneitechnik, die Rohr- und Kabelverlegearbeiten (inkl. Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung) und die Technik (Hydraulik, E-Technik und Steuerung) der Hauptpumpstation sowie der Kompressorstation Horn.

LEITNER: Attraktion für Expo Zaragoza 2008

Die nordspanische Stadt Zaragoza hat sich intensiv auf die Expo 2008 vorbereitet. Die Veranstaltung, die vom 14. Juni bis zum 14. September besucht werden kann, steht unter dem Motto „Wasser und nachhaltige Entwicklung“. Wie schon in New Orleans (1984), Sevilla (1992) und Hannover (2000) kann das Areal auch2008 wieder mit einer Seilbahn von LEITNER bequem von oben betrachtet werden.

Eine 8er Kabinenbahn von LEITNER führt über das Gelände der Expo 2008 in Zaragoza. Fotos: LEITNER TECHNOLOGIES

Die Seilbahn von LEITNER gehört zu den Highlights der Expo und wurde am 10. Juni 2008 offiziell in Betrieb genommen. Sie führt vom Bahnhof Zaragoza über den Ebro direkt ins Ausstellungsgelände und sorgt für einen atemberaubenden Panoramablick auf die wichtigsten Attraktionen. Mit dieser Kabinenbahn sorgt LEITNER bereits zum 4. Mal bei einer Weltausstellung für eine komfortable und dabei ausgesprochen umweltfreundliche Transportmöglichkeit der vielen Gäste.

Pressekonferenz mit Michael Seeber, Präsident LEITNER TECHNOLOGIES, Reinhold Messner (Mitte) und Martin Leitner, Vorstand LEITNER TECHNOLOGIES.

7,5 Mio. Besucher werden zur Expo 2008 in Zaragoza erwartet, die am 14. Juni von Spaniens König Juan Carlos im Rahmen eines Megaevents feierlich eröffnet wurde. Investiert wurden im Vorfeld rund 1,5 Mrd. Euro, womit der Hauptstadt von Aragón u. a. ein neuer Kongresspalast sowie die Ausstellungsgelände Villa-Expo und Ciudad-Expo beschert wurden. Während der dreimonatigen Veranstaltung sind am Expogelände über 3 400 Darbietungen von 300 Ensembles und Künstlern vorgesehen, die sich an Zuschauer aller Altersklassen richten.

Das Kabinendesign stammt von Pininfarina.

Vor diesem Hintergrund wurde die 8er Kabinenbahn für den Transport möglichst vieler Besucher konzipiert, sodass man nun in der Lage ist, 2 600 Personen in der Stunde zu befördern. Die geneigte Länge der Bahn beträgt 1 191 m, die Fahrgeschwindigkeit 6 m/s. Die Gäste werden in 48 Kabinen von SIGMA transportiert, deren Design vom Edeldesigner Pininfarina stammt. Die Talstation am Expoeingang liegt auf 210 m und die „Bergstation“ auf 208 m Seehöhe. Die Antriebsnennleistung beträgt 270 kW, wobei die Antriebseinheit in der Talstation platziert wurde. Die Spannstation befindet sich in der Bergstation. Erlebnis Kunst Die Seilbahnstation am Eingang der Weltausstellung ist mit einer glänzenden Metallhaut überzogen und wirkt so wie ein Eisblock. Gestaltet wurde sie vom Madrider Architekten Ignacio Vicens, der auch für das neue Opernhaus von Madrid verantwortlich zeichnet.

Die Talstation, die von Ignacio Vicens entworfen wurde, bietet der Ausstellung „El Mundo del Hielo“ von Reinhold Messner Platz.

„Schon oft haben wir mit namhaften Architekten und Designern zusammengearbeitet“, erklärt Michael Seeber, Präsident von LEITNER TECHNOLOGIES, „so bei der MiniMetro von Perugia mit Jean Nouvel, bei der Hungerburgbahn in Innsbruck mit Zaha Hadid oder bei der Kabinenbahn für die Expo in Hannover mit Matteo Thun. Kunst- und Kulturinitiativen verbunden mit besonderer Architektur oder Design sind Bestandteil unserer Firmenphilosophie.“ In dieser Station hat Reinhold Messner gemeinsam mit dem Seilbahnhersteller und dem Skiressortbetreiber Aramon aus Zaragoza am 10. Juni die Kunstausstellung EL MUNDO DEL HIELO – DIE WELT DES EISES eröffnet. „Für mich ist Eis die faszinierendste Form von Wasser, ein Mythos und gleichzeitig unsere kostbarste Überlebensreserve“, so Messner, der damit das Thema „Wasser und nachhaltige Entwicklung“ aus seiner Perspektive aufgreift. Dazu hat der Bergsteiger und ehemalige Europaabgeordnete 10 internationale Künstler, darunter Olafur Eliasson, Hamish Fulton und Mateo Maté eingeladen, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Das Expo-Gelände von der LEITNER Bahn aus.

Messners eigener Beitrag ist eine Video- Collage, für die Filmmaterial aus seinem Archiv mit Eigenkompositionen unterlegt wurde. Bereits auf der Expo 2000 in Hannover hatte Reinhold Messner großen Erfolg mit der Schau „Yeti, Mount and Mystery“, die damals in der Mittelstation der dortigen LEITNERKabinenbahn gezeigt wurde und rund 8,3 Mio. Besucher anlockte. Auch 2008 bildet damit wieder eine LEITNER-Seilbahnstation den Rahmen für seinen Zugang zur Thematik. Emotion und Leben Messners Zugang zur Kunst ist nicht akademisch, sondern emotional und eng verknüpft mit seiner Biographie. Für EL MUNDO DEL HIELO hat sich der Grönland-Durchquerer und Polarforscher Messner mit zum Teil seit Jahren befreundeten Künstlern zusammengetan, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Eis auseinandergesetzt haben.

Impressionen von Isaac Julien.

– DOUG AITKEN (USA) zeigt in seiner Video-Installation „thaw“ eine Serie makro- und mikroskopischer Aufnahmen abschmelzender Gletscher in Alaska. Akustisch und visuell rhythmisiert wird die permanente Veränderung eines organischen Systems thematisiert.- ISAAC JULIEN (Großbritannien) wurde zu „true north“ durch die Biographie (1912) des schwarzen Polarforschers Matthew Henson angeregt. „true north“ ist der erste Teil einer Trilogie von audiovisuellen Installationen, in denen Isaac Julien die Bedeutung physischen und spirituellen Reisens erforscht.- OLAFUR ELIASSON (Dänemark) ist seit Jahren auf Spurensuche in seiner isländischen Heimat. Aus den seit 1991 kontinuierlich wachsenden C-print-Serien stellt er in Zaragoza die „river raft series“ von 2000 und die „glacier mills series“ von 2007 vor.- HAMISH FULTON (Großbritannien), der „walking artist“ ist der einzige Künstler, der jemals im Himalaya eine Höhe von über 8000 Metern erreichte. Ergebnis ist das wallpainting BRAIN HEART LUNGS.- STEPHAN HUBER (Deutschland) mit „fifth and sixth expedition“: Der hängende Kreis aus 11 Leuchtkästen – ein alpiner Kronleuchter in zeitgenössischer Form – beschreibt zwei gegenläufige Expeditionen.- HELMUT DITSCH (Argentinien) setzt auf Erhabenheit, Ergriffenheit und Staunen, seismographisch abzulesen an seinem monumentalen Hyperrealismus-Gemälde „Glaciar Perito Moreno“.- MATEO MATÉ (Spanien) verfremdet und manipuliert in seinem Triptychon „Paisajes Nevados“ drei Gemälde bekannter Romantiker und hinterfragt auf diese Weise Mythen und Metaphern, mit denen wir Gipfel, Eis und Schnee verbinden.- GOTTFRIED HELNWEIN (Österreich) wurde zu dem Doppelgemälde DIE ANDERE SEITE durch die Freundschaft mit Reinhold Messner angeregt: einer Kopie des Gemäldes „Das Eismeer oder Die gescheiterte Hoffnung“ von Caspar DavidFriedrich und eines Dias, das Messner  nach der Besteigung des Mount Everest schlafend im Zelt zeigt.- JAVIER ALMALÉ/JESÙS BONDÍA (Spanien) schaffen den Übergang vom Eis zum Expo-Thema Wasser mit ihrer Aluminium-Installation „wet landscape“. L/dwl

Blick in die Ausstellung.

Technische Daten:Seilbahnbauer: LEITNERTalstation: 210 mBergstation: 208 mAntrieb: TalSpannstation: BergGeneigte Länge: 1 191 mFahrgeschwindigkeit: 6 m/sAnzahl Kabinen: 48Förderleistung: 2600 P/hAntriebsleistung: 270 kWFörderseildurchmesser: 50 mm

Lehrberuf Seilbahner wird Realität

Ab Herbst 2008 gibt es einen neuen Lehrberuf. Mit der 3-jährigen Ausbildung zum „Seilbahner“ trägt die Wirtschaft jetzt den steigenden Anforderungen in den heimischen Bergbahnunternehmen Rechnung.

Moderne Seilbahnanlagen stellen entsprechende Anforderungen an die Mitarbeiter von Bergbahnunternehmen. Foto: dwl

Österreichs Seilbahnen stellen Arbeitsplätze für rund 14 500 Menschen bereit. Davon sind laut Fachverband 6 000 Personen ganzjährig beschäftigt, in den Wintermonaten werden zusätzlich ca. 8 500 Mitarbeiter, im Sommer etwa 900 Saisonkräfte eingestellt. Damit dominieren zwar derzeit die saisonalen Kräfte, doch liegt der Anteil der ganzjährig Beschäftigten schon bei 41 % – Tendenz steigend. Der Fachverband der Seilbahnen sieht im Lehrberuf „Seilbahner“ deshalb eine wichtige Entwicklung, mit der man einerseits den Personalbedarf der Zukunft sichert, andererseits der Bedeutung des Berufes mehr Gewicht verleiht: „Die technische Entwicklung der heutigen Seilbahnen und Schlepplifte erfordert immer höhere Anforderungen an die fachliche und persönliche Qualifikation der Mitarbeiter dieser Betriebe, nicht nur in der Tiefe der Qualifikation, sondern auch in der Breite. Die Fachkräfte benötigen ein breites Spektrum an seilbahntechnischen Kenntnissen und Fertigkeiten für die Bedienung und Wartung von Seilbahnen und Schleppliften, den Umgang mit Kunden oder für das Umsetzen der rechtlichen Regelungen und der Sicherheitsvorschriften. Die derzeit bestehenden Lehrberufe wie z. B. Maschinenbautechnik, Elektrobetriebstechnik etc. können die geforderten Qualifikationen nur zum Teil abdecken. Der neue Lehrberuf Seilbahnfachmann/ Seilbahnfachfrau soll den Betrieben die Ausbildung einer seilbahntechnischen Fachkraft ermöglichen, die sowohl die moderne Technik der Seilbahnen und Schlepplifte als auch den täglichen Umgang mit dem Kunden beherrscht. Durch die Einführung eines Lehrberufes Seilbahnfachmann/ Seilbahnfachfrau sollen die Sicherung des zukünftigen Personalbedarfssowie eine Imageverbesserung dieses Berufes erreicht werden.“Anforderungen und ErwartungenGestartet wird mit der dreijährigen Ausbildung im Herbst 2008, 2011 wird es dann die ersten Absolventen geben, die speziell für die komplexen und vielfältigen Aufgaben des Seilbahnbetriebes ausgebildet wurden. Im Berufsprofil für den Lehrberuf „Seilbahner“ sind u. a. folgende Aufgaben aufgelistet:- Bedienen, Warten, Instandhalten und Überprüfen von Baugruppen, Maschinen und Geräten der Seilbahn- und Schlepplifttechnik,- Pflegen, Warten, Instandhalten und Überprüfen der Seile von Seilbahn- bzw. Schleppliftanlagen,- Bedienen von Seilbahn- bzw. Schleppliftanlagen unter Berücksichtigung der sicherheitstechnischen Aspekte,- Anwenden der betrieblichen Signal- und Kommunikationsanlagen wie z. B. von Funksystemen,- Beraten und Informieren von Kunden sowie Behandeln von Reklamationen.Als Voraussetzungen werden erwartet: technisches Verständnis, Freude am Umgang mit Gästen, prozessorientiertes, vernetztes Denken und Handeln, Kommunikationsfähigkeit, eigenverantwortliches Handeln, Flexibilität und Teamgeist. Die Berufsschule wird man in Hallein besuchen können, wobei der erste Unterrichtsblock vom 4. Mai bis zum 9. Juli 2009 stattfindet. Lehrwerkstätte und Internat stehen ebenfalls in Hallein zur Verfügung. Insgesamt sollen bundesweit zwischen 40 und 50 Lehrlinge pro Jahr für das neue Berufsbild gewonnen werden, mittelfristig rechnet man mit 1 Klasse pro Jahr. Nach einer fachverbandsweiten Umfrage werden die meisten Lehrlinge in Tirol, Salzburg und Vorarlberg benötigt. Dabei gibt es schon zahlreiche Zusagen von Seilbahnunternehmen, die ab Herbst Lehrlinge ausbilden möchten. Die formellen Verfahrensschritte können in den nächsten Wochen über die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammer in den jeweiligen Bundesländern abgewickelt werden.Infos:www.seilbahnen.at

    
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Machbarkeitsstudie für Skihallen in der Schweiz

Erfolgreiche Beispiele von Schneesporthallen in Europa und Übersee haben auch in der Schweiz eine Diskussion über diese Thematik angeregt und entsprechende Ideen auf den Weg gebracht. Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zeigen schwierige Rahmenbedingungen auf.

Ideen zur Schneesporthalle mit Standort in der Ebene oder mit Hanglage. Grafiken: Schweizer Tourismus Verband

Ausgangspunkt für die Studie war eine visionäre Idee von Vertretern der IG Schnee, die 2004 in Bern von den Institutionen, Verbänden und Organisationen Schweiz Tourismus, Swiss Snowsports, Swiss Ski, Schweizer Tourismus-Verband, Seilbahnen Schweiz, Bundesamt für Sport und dem Tourismusressort des Staatssekretariats für Wirtschaft gegründet wurde. Kernpunkt der Idee war der Bau einer Schneesporthalle im Mittelland, also im Raum Basel, Bern oder Zürich. Die angebotenen Leistungen sollten vor allem das ganzjährige, wetterunabhängige Erlebnis und Ausüben der Schneesportarten Ski & Snowboard sowie Schlitteln zulassen. Diese Kernleistungen würden mindestens ergänzt durch Skiund Kleiderverleih, Erlebnisgastronomie und Restauration sowie Einkaufsmöglichkeiten. Dazu sollte die Schneesporthalle strikt energieneutral betrieben werden können (Nutzung neuester, alternativer Technologie/Einbindung Forschung/ Entwicklung FH/Uni/Industrie) und zwingend mit Topanbindung an den öffentlichen Verkehr versehen werden. Auf diese Weise sollte vor allem die frühe Schneeberührung für Kinder im Vor-/Schulalter sichergestellt, die „Lust am echten, alpinen Schneeerlebnis“ geweckt sowie Gesundheits- und Nachwuchsförderung unterstützt werden.Um die Chancen bzw. Probleme einer solchen Idee zu durchleuchten, wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die mit finanzieller Unterstützung der Bergbahnen Destination Gstaad AG, der Bergbahnen Engadin St. Moritz AG, den Jungfraubahnen Interlaken, der Skiregion Adelboden-Lenk Lenk i.S., der Zermatt Bergbahnen AG, der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG Meiringen, der Garaventa AG, und der Intersport Schweiz AG realisiert wurde. Ihre Ergebnisse wurden nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ideen zur Schneesporthalle mit Standort in der Ebene oder mit Hanglage. Grafiken: Schweizer Tourismus Verband

Große HürdenDie Machbarkeitsstudie gibt Auskunft über die ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen einer Erfolg versprechenden Schneesporthalle, die nicht unproblematisch sind. Ihre Kernaussage, die von einer „sehr hohen finanziellen Risikobereitschaft“ ausgeht, wurde so zusammengefasst: „Mit einer Investitionssumme von 86 Millionen Franken und jährlichen Betriebskosten von 12 Millionen Franken müssten jährlich über 200 000 Besucher gezählt werden können. Als Standort mit den besten Voraussetzungen bezüglich Besucherpotential und Anbindung an den öffentlichen Verkehr wird der Agglomerationsraum der Nordwestschweiz betrachtet. Die Energieeffizienz kann durch innovative Konzepte, wie Doppelnutzung der Primärenergie sowie Energierückgewinnung, gewährleistet werden.“Die Erfolgsaussichten einer Schneesporthalle wurden von den Mitgliedern der IG Schnee denn auch unterschiedlich beurteilt. Dazu Mario Lütolf, Direktor des Schweizer Tourismusverbandes STV und Projektleiter der Machbarkeitsstudie: „Unsere Arbeit ist mit dem Abschlussbericht zur Studie abgeschlossen, die Resultate stehen möglichen Investoren zur Verfügung.“ Weder die IG Schnee noch der STV seien Investitionsberater. Sie hätten aber als Interessensvertreter abklären wollen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Schneesportanlage überhaupt machbar sei.Infos:www.swisstourfed.ch

Stöckli Outdoor Sports: Vom Schweizer Skihersteller zum Outdoor-Spezialisten

Was 1935 mit einer bescheidenen Skiproduktion in einer Schreinerei begann, ist heute eine schlagkräftige Produktionsund Vertriebsorganisation mit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welche sich „Outdoor Sports“ als Headline auf die Fahne geschrieben hat. Bereits in der dritten Generation führt Beni Stöckli als CEO schweizweit nunmehr 7 eigene Filialen sowie 4 Miet- & Servicecenter und bedient 31 ausgesuchte Händler mit dem Stöckli-Skisortiment. Der Jahresabsatz beträgt 50 000 Paar hochwertige Ski, wovon 40 % in 32 Länder exportiert werden.

Beni Stöckli, CEO Stöckli Swiss Sports. AG. Fotos: Peter Haas

MM-FRAGE: „Meine Herren, was waren die bisher wichtigsten Stationen der Stöckli Swiss Sports AG (früher Skifabrik Stöckli AG)?“Beni Stöckli: „Bis 1967 war Stöckli ein Skihersteller, der – wie viele andere Produzenten auch – die traditionelle Entwicklung vom Holz- über den ,Metallski’ bis hin zum Compoundund Kunststoffski durchlaufen hat. Der erste markante Meilenstein wurde 1967 gesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt verkaufte Stöckli seine Produkte über den Fachhandel, ab 1967 stellten wir auf Direktvertrieb um.“MM-FRAGE: „Was bedeutete dieser Schritt damals?“Stöckli: „Diese Strategie war natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden. Auf der einen Seite waren wir vom enormen Preis- und Margendruck befreit, auf der anderen Seite war es nun unsere Aufgabe, die Produkte direkt an den Kunden zu bringen. Wir konnten aber schon immer auf Mitarbeiter zählen, die mit Herzblut hinter unseren Produkten stehen. Zudem sprach die laufende Erweiterung unseres Sortiments mit Skibindungen, Skischuhen, Skimode, Langlauf sowie Accessoires für den Sommersport ein immer breiteres Publikum an. Beides half uns enorm, den neuen Weg im Direktvertrieb erfolgreich zu beschreiten.“

Sepp Odermatt, Marketingleiter Stöckli Swiss Sports AG.

MM-FRAGE: „Im heutigen Stöckli Logo steht ,Outdoor Sports’, warum eigentlich?“Stöckli: „Wir führen seit einiger Zeit ein eigenes Stöckli Bike-Sortiment und sind im Bereich Outdoor in den Sparten Biking, Trecking, Running und Inline sehr präsent. Mit diesen Aktivitäten haben wir es geschafft, unsere ,Winterlastigkeit’ spürbar zu glätten.“MM-FRAGE: „Und wie sieht es mit dem Skirennsport aus?“Stöckli: „Wir verfolgten zwei Ziele. Einerseits vergrößerten wir das eigene Filialnetz in der Schweiz laufend. Heute führen wir 7 Filialen sowie 4 Miet- & Servicecenter. Parallel zu diesen Anstrengungen versuchten wir, dem Swiss Ski Pool beizutreten, was aber aufgrund unserer Direktvertriebsstruktur sehr schwierig war. Erst beim dritten Anlauf klappte es. 1994 wurde Stöckli in den Swiss Ski Pool aufgenommen und bereits im selben Jahr wechselte der Vize-Olympiasieger Urs Kälin zu Stöckli. Seit dem Beitritt von Stöckli zum Skipool haben wir unsere Produktion vervierfacht.“

Produktion Stöckli Malters.

MM-FRAGE: „Was für einen Stellenwert nimmt heute der Rennsport bei Stöckli ein?“Sepp Odermatt, Marketingleiter: „Der Rennsport nimmt bei Stöckli eine zentrale Funktion ein und ist unser wichtigstes Marketinginstrument.“MM-FRAGE: „Was hatte das für Auswirkungen?“Odermatt: „Seit dem Beitritt zum Swiss Ski Pool und den Erfolgen im Weltcup wurde der Stöckli Ski immer gefragter und begehrter. Die Folge davon war eine erhöhte Nachfrage unserer Skiprodukte im Ausland und der Aufbau eines exklusiven Händlernetzes in der Schweiz. Gegenwärtig verkaufen wir rund 40% unserer Jahresproduktion von 50000 Paar Ski in 32 Länder, wobei nebst den USA und Italien erstaunlicherweise auch Österreich zu unseren stärksten Exportpartnern gehört. In der Schweiz zählen wir zurzeit 31 ausgewählte Wiederverkäufer, die unsere Produkte erfolgreich und nachhaltig vertreiben.“

Viktor Waldispühl, Leiter Rennsportcenter (l.), Walter Reusser, Rennsportleiter (r.).

MM-FRAGE: „Die Nachwuchsförderung im Rennzirkus nimmt bei Stöckli einen zentralen Stellenwert ein. Welches sind die Gründe dafür?“Walter Reusser, Rennsportleiter: „Seit dem Pool-Beitritt im Jahr 1994 mischen wir im internationalen Rennzirkus erfolgreich mit. Im internationalen Vergleich sind wir mit 50 000 Paar Jahresabsatz allerdings ein kleiner Anbieter. Unser Rennservicebudget macht etwa 10% der Budgets unserer großen Mitbewerber aus. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns auf die Förderung von Nachwuchsfahrern, die wir von Beginn an professionell betreuen und mit Top-Materialausrüsten. In diesem Segment möchten wir einen möglichst hohen Marktanteil erzielen und auch halten. Aus der Gruppe dieser Nachwuchsfahrer treten immer wieder Athleten ins Rampenlicht und Läufer wie Andrej Jermann und Fabienne Suter haben schon Weltcupsiege auf Stöckli eingefahren.“MM-FRAGE: „Stöckli Swiss Sports AG hat im letzten Jahr in eine WINTERSTEIGER Trim NC investiert.Eine Spezialmaschine für Kantentuning, welche nur bei wenigen großen Skiherstellern im Einsatz steht. Was war der Grund für diese bedeutende Investition?“Reusser: „Das hat einerseits mit unserer Strategie im Rennservice und andererseits mit dem Kosteneinsparungspotenzial zu tun. Wie erwähnt lautet unsere Strategie im Rennsport, möglichst vielen Nachwuchsfahrern Top-Material zur Verfügung zu stellen, damit sie möglichst erfolgreich sind und mit Stöckli siegen. Top-Material muss intensiv vorbereitet werden. Vor allem der Bereich Kantentuning ist sehr arbeitsintensiv. Mit der WINTERSTEIGER Trim NC haben wir einen hochpräzisen Tuningautomaten, der diese Aufgabe in kürzester Zeit und höchster gleichbleibender Genauigkeit erledigt. Außerdem hätten wir gar nicht die nötige Manpower, um diese Arbeit manuell zu erledigen.“MM-FRAGE: „Sie haben jetzt die Trim NC seit über einem Jahr im Einsatz. Was ist Ihr heutiges Fazit?“Reusser: „Ein Skiservicespezialist arbeitet beim Kantentuning mit traditionellen und diamantbesetzten Feilen. Nebst der unterschiedlichen Abnützung dieser Werkzeuge spielt der Faktor Mensch eine entscheidende Rolle. Man denke nur an den enormen Zeitdruck, die Tagesform, an Ermüdung und andere, die Qualität beeinflussende Faktoren. Mit der Trim NC haben wir ein Werkzeug, das unser Kantentuning dank der Disc-Technologie immer gleich präzise und enorm schnell erledigt. Außerdem ist die Reproduzierbarkeit der Kantenparameter für uns enorm wichtig. Wenn ein Rennläufer im Worldcup einen neuen Ski haben will, erhält er das neue Material mit den exakt gleichen und gewohnten Kanteneinstellungen. Zudem haben interne Messungen ergeben, dass die Präzision der Trim NC bei bemerkenswerten 2/100 Millimetern liegt. Fazit: Die Investition in die Trim NC hat sich für uns sowohl im Bereich Qualität wie auch beim Kosten sparen mehr als gelohnt.“MM: „Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.“

Stefan Wirbser, Bürgermeister Feldberg & Vorsitzender Liftverbund Feldberg: „Wir wollen kein Wettrüsten, aber durch pfiffige, ganzjährige Angebote überzeugen“

Der Feldberg ist das Vorzeigeskigebiet in Baden Württemberg und nimmt auch im gesamtdeutschen Vergleich eine Topposition ein. Für den kommunalen Betrieb hat Bürgermeister Stefan Wirbser die Entwicklung der Skiregion, die Herausforderungen der Zukunft und die Ambitionen der Betreiber Revue passieren lassen.

Stefan Wirbser, Bürgermeister von Feldberg und Vorsitzender des Liftverbundes Feldberg. Fotos: Liftverbund Feldberg

MM-FRAGE: „Wie waren Sie mit der letzten Wintersaison zufrieden?“Wirbser: „Der Winter 2007/2008 verlief außerordentlich gut. Wir hatten durchgehenden Winterbetrieb vom 10. November 2007 bis zum 13. April 2008. 156 Betriebstage sind fast identisch mit dem Rekordwinter 2005/2006. Es wurden 440000 Kunden gezählt, was zu einem Winterumsatz von 6,3 Mio. Euro führte. Das sonnige Winterwetter während der Weihnachts- und Faschingsferien vervollständigte einen sehr erfreulichen Winter. Fazit: Hervorragende Saison, einziger ,Wermutstropfen’: die Anlagen unter 1 100 Meter litten unter Schneemangel, soweit keine Beschneiungsanlagen vorhanden sind!“MM-FRAGE: „Welches Angebot hat der Feldberg im Winter?“Wirbser: „Am Feldberg gibt es insgesamt 17 Beförderungsanlagen, die 40 km Piste erschließen. 1/3 davon wird beschneit. Aushängeschild ist die Weltcuppiste, auf der letztmals im Jahr 2000 der alpine Skiweltcup mit Hermann Maier als Sieger stattfand. Ansonsten zeichnen wir uns als Familien- und Snowboardergebiet aus, mit Funpark und Boardercross, wo im letzten Jahr Deutsche Meisterschaften stattfanden. Acht konzessionierte Ski-, Renn- und Snowboardschulen sorgen für ein professionelles Erlernen unseres Schneesportangebots. Bei sonnigem Wetter besticht der Feldberg durch seine einzigartige Alpensicht. Vom Mont Blanc bis zur Zugspitze reiht sich die Alpenkette in freier Sicht nach Süden auf.“

Lift- und Pistenplan am Feldberg.

MM-FRAGE: „Wie lange gibt es die Skidestination Feldberg?“Wirbser: „Der Feldberg ist das älteste Skigebiet Mitteleuropas. Bereits 1891 bestieg der Franzose Dr. Pilet den Feldberg auf Skiern, die er aus seinen Norwegenreisen mitbrachte.Der älteste Ski-Club 1892 Todtnau wurde übrigens am Feldberg gegründet. Erste Hochphasen erlebte der Wintertourismus um die Jahrhundertwende. Durch die Bahnerschließung von Freiburg aus, strömten bereits damals Tausende im Winter auf den Feldberg. 1900 wurden die ersten Deutschen Skimeisterschaften ausgetragen. In den 20er und 30er Jahren war der Skilauf mit den ersten Skiliften bereits Massentourismus. Der älteste Skilift der Welt wurde übrigens im nahe gelegenen Schollach im Jahr 1908 erbaut. Er wurde durch ein Mühlrad mit Wasser angetrieben! Nach dem II. Weltkrieg wurde mit der Lifterschließung in der heutigen Form begonnen. Seit ca. 1990 werden die Anlagen laufend modernisiert und sukzessive durch kuppelbare Sesselbahnen ersetzt und mit Beschneiungsanlagen ergänzt.“MM-FRAGE: „Bei Ihnen sind im Winter so genannte Infoscouts im Einsatz. Seit wann gibt es sie, welche Aufgaben haben sie und wie hat sich das bewährt?“Wirbser: „Die Infoscouts gibt es seit dem Jahr 2003. Sie sind unsere ,gelben Engel’ im Skigebiet, informieren unsere Gäste, holen bei Unfällen die Bergwacht, putzen auch den Kids die Nase, helfen mit einem Pflaster aus oder zeigen den Weg zur nächsten Apres-Ski-Hütte. Sie sind einfach für das Wohlergehen unserer Gäste zuständig. Mit ihren leuchtgelben Skianzügen halten sie sich den ganzen Winter im Skigebiet auf und sind erster Ansprechpartner. Unterstützt wird das ganze durch die Stiftung ,Sicherheit im Skisport’ des Deutschen Skiverbandes.“

Seit den 90er Jahren werden die Aufstiegsanlagen sukzessive modernisiert, im Bild ein moderner kuppelbarer 6er-Sessel.

„Unser Saisonskipass gilt auch in der Skihalle in Dubai!“MM-FRAGE: „Sind Sie Mitglied in einem Kartenverbund, wenn ja – in welchem? Welche Vorteile haben Sie dadurch?“Wirbser: „Wir haben mehrere Kartenverbünde. Neben unserem Kerngebiet am Feldberg, gilt unser Skipass an weiteren 12 Anlagen der Nachbarorte. Daneben gibt es einen Verbund für Saisonkarten mit dem gesamten Bregenzer Wald sowie mit einigen Schweizer Skigebieten. Wir profitieren natürlich gegenseitig von diesen Angeboten. Unser Einzugsgebiet überschneidet sich. Vor allem Ski-Clubs und der Nachwuchsrennsport profitieren. Übrigens gilt unser Saisonskipass auch in der Skihalle in Dubai!“

Sonne, Schnee und Unterhaltung am Berg.

MM-FRAGE: „Welche Bedeutung hat der Feldberg als Skidestination in der Region, wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband aus?“Wirbser: „Der Feldberg ist das Skigebiet in Baden-Württemberg. Innerhalb Deutschlands sind wir drittgrößter Anbieter in diesem Bereich. Da wir das einzige größere zusammenhängende Skigebiet in unserer Region sind, und dazu regelmäßig zwischen 110–150 Tage Skibetrieb anbieten können, haben wir praktisch eine Monopolstellung. Innerhalb von zwei Autostunden leben 15 Mio. Menschen. Das unterstreicht unsere Bedeutung als Tagesskigebiet. An Spitzentagen besuchen uns ca. 15 000 Skifahrer und Snowboarder. Unsere Gäste sind ca. 2/3 Tagesbesucher, 1/3 sind Urlauber. Da unsere Liftgesellschaften kommunale Betriebe sind, ist Kooperation mit Tourismusorganisationen nicht notwendig. Vom Marketing über die Urlaubsbuchung bis zum Skipassverkauf ist bei uns alles in einer Hand!“

Im Sommer gehören Mountainbiken und Wandern zum Angebot der Region.

MM-FRAGE: „Wie sehen Sie die Position Ihrer Destination im Vergleich mit Skiregionen in den Alpen?“Wirbser: „Wir konkurrieren mit mittelgroßen Alpenskigebieten. Da wir leichte Preisvorteile haben und verkehrstechnisch bestens erschlossen sind, können wir uns gut behaupten. Von Vorteil ist unser vielfältiges Angebot außerhalb von Winter und Schnee. Innerhalb einer Stunde Autofahrt sind von uns aus zu erreichen: Basel, Freiburg oder Straßburg, sowie der Kaiserstuhl als wärmste Gegend Deutschlands mit seinem hervorragenden Weinanbaugebiet, oder die Thermalbäder im Markgräflerland lassen südländisches Flair aufkommen und bieten Abwechslung im Skiurlaub – drei Tage schlechtes Wetter sind also kein Problem! Unser Haupteinzugsgebiet reicht von der Nordschweiz bis in den Frankfurter Raum und das Saarland. Wir haben auch zahlreiche Winterurlauber aus den Benelux-Staaten und natürlich aus ganz Deutschland. Interessanterweise steigen die Gästezahlen aus Frankreich!“

Im Sommer gehören Mountainbiken und Wandern zum Angebot der Region.

„Im Winter ist die Gästestruktur jünger“MM-FRAGE: „Welche Bedeutung hat das Sommergeschäft und was bietet der Feldberg?“Wirbser: „Hier muss man unterscheiden. Für die Bergbahnen ist der Winter natürlich das Hauptgeschäft. Hinsichtlich der Tagesbesucher und der Übernachtungsgäste halten sich Sommer und Winter in der Waage, mit steigender Wintertendenz. Die Wertschöpfung aus dem Wintertourismus ist allerdings bedeutend höher. Im Sommer bietet unser größtes Naturschutzgebiet des Landes mit subalpiner Fauna und Flora sowie das einzigartige Mountainbike- und Wandergebiet mit seinen Einkehrmöglichkeiten in den bewirtschafteten Almhütten ein Alleinstellungsmerkmal im Schwarzwald. Dazu kommen Wassersportangebote im benachbarten Titisee und Schluchsee und in Hinterzarten kann man den weltbesten Skispringern beim Sommertraining zuschauen. Der Bodensee, der Rheinfall in Schaffhausen oder Deutschlands größter Freizeitpark, der Europapark, sind in einer Autostunde erreichbar. Alle Gäste fahren übrigens im ganzen Schwarzwald mit Bus und Bahn kostenlos!“MM-FRAGE: „Welche Gäste sprechen Sie im Winter an, welche im Sommer?“Wirbser: „Im Winter ist die Gästestruktur jünger. Vor allem Familien zieht es zu uns. Im Sommer sind es die aktiven Erholungssuchenden und eher ältere Menschen, die im Schwarzwald Urlaub machen. Unsere Gäste kommen hauptsächlich aus Baden-Württemberg, 80 % sind Deutsche, der Rest aus dem europäischen Ausland.“

Fasnet Spaß für Gäste und Einheimische.

MM-FRAGE: „Sind in nächster Zeit Investitionen geplant (Sommer/Winter)?“Wirbser:
„Wir wollen den Winter noch schneesicherer machen. Das Ziel ist die
Komplettbeschneiung unseres Skigebiets, so wie der komplette Austausch
der restlichen Schlepplifte durch Sesselbahnen. Dazu wollen wir die
Parksituation verbessern. Für 2009 ist der Bau eines Parkdecks für 1
300 PKW derzeit im Genehmigungsverfahren. Ferner kämpfen wir seit
Jahren wieder um einen alpinen Skiweltcup. Vier Wettbewerbe haben wir
bereits durchgeführt. Wir wollen wieder zeigen, dass man auch in
Mittelgebirgen auf Spitzenniveau alpin Skifahren kann – schließlich
hießen die bisherigen Sieger Ingemar Stenmark, Pirmin Zurbriggen,
Rainer Schönfelder und eben Hermann Maier. Nur die Besten ihrer Zeit
haben bei uns gewonnen!“MM-FRAGE: „Sehen Sie in den nächsten
Jahren Probleme aufgrund des Klimawandels – Skidestination um 1 500 m
wären davon zuerst betroffen, wie man hört?“Wirbser: „Das Klima
des Feldbergs ist vergleichbar mit Nordalpenregionen um 2000 m. Da wir
die höchste Erhebung nördlich der Alpen sind, bescheren uns die
Tiefdruckgebiete über Skandinavien und dem Nordatlantik reichlich
Schnee. Während der Schwarzwald bis in die 80er Jahre des letzten
Jahrtausends bis auf Lagen um 800 m schneesicher war, hat sich das
ganze auf ca. 1 100 m nach oben geschoben. Unser Skigebiet liegt
zwischen 1100 und knapp 1 500 m. Ich denke, dass mit dem Ausbau der
Beschneiung das Wintergeschäft für die nächsten 25 Jahre eher zunehmen
wird. Dies wird uns auch durch wissenschaftliche Studien der
Universität Freiburg und der Deutschen Sporthochschule fundiert
bestätigt. Was nach 2040 sein wird, weiß niemand! Ich persönlich glaube
jedenfalls an die Zukunft des Feldbergwinters. Alternativen haben wir
ohnehin keine, jedenfalls nicht solche mit denen man Geld zum Überleben
verdienen kann.“„Vorrang hat der strukturelle Ausbau von Qualität“MM-FRAGE:
„Wie wollen Sie den Feldberg in der Zukunft positionieren, was soll
noch ausgebaut – stärker positioniert und vermarktet werden?“Wirbser:
„Wir setzen in der Zukunft noch konsequenter auf unser
Alleinstellungsmerkmal als größtes und schneesicherstes Skigebiet im
Schwarzwald. Vorrang hat dabei der strukturelle Ausbau von Qualität.
Neuerschließungen wollen und brauchen wir nicht. Wir brauchen in ganz
Deutschland allerdings eine stärkere Wintertourismuslobby. Deutschlands
Wintersportler sind über alle Disziplinen gesehen, weltweit die Besten.
Das kommt ja nicht von ungefähr und wäre ohne Wintersportinfrastruktur
im eigenen Land nicht möglich. Dies muss man der deutschen
Öffentlichkeit auch unter touristischen Aspekten deutlicher machen. Die
beschlossene Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018
müssen wir daher nutzen, um Deutschland als Wintersportland zu
positionieren. Eine bessere Chance gibt es nicht!“MM-FRAGE:
„Welche Themen werden für die deutschen Seilbahnunternehmen Ihrer
Meinung nach in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen, um
erfolgreich zu sein?“Wirbser: „Deutschlands Seilbahnen stehen
unter enormem Konkurrenzdruck mit den anderen Alpenländern. Dort ist
die Lobby für Berg- und Wintertourismus einfach größer. Entsprechend
einfacher haben es unsere Mitbewerber. Andererseits haben wir den
Vorteil, nicht so ,winterlastig’ zu sein und oftmals viel größere
Einzugsgebiete im Tagestourismus zu haben. Das Erfolgsgeheimnis wird
wohl unter dem Motto ,klein aber fein’ zu finden sein. Wir können kein
Wettrüsten aufnehmen, aber durch pfiffige und neuartige ganzjährige
Angebote die Nische füllen. Die Technik darf nicht im Vordergrund
stehen, sondern der Mensch! Wir müssen uns die Frage stellen, was
suchen die Menschen in den Bergen, ja auf den Bergen? Diese Träume zu
erkennen und zu erfüllen, wird das Erfolgsgeheimnis sein.
Funktionierende und sichere Seilbahnen sind Grundvoraussetzung, wir
müssen uns künftig um die Nutzer unserer Anlagen stärker kümmern!
Alleinstellungsmerkmale helfen: Vom Feldberg aus sieht man nirgends die
gesamte Alpenkette besser, Fellhorn und Nebelhorn in Oberstdorf sind
ohnehin Klassiker, im Sauerland bietet Willingen einen spektakulären
Kletterturm am Berg, der Arber lockt mit seiner rauen Wildheit und auf
dem Fichtelberg im Erzgebirge schaut man auf Deutschlands
höchstgelegene Stadt. Die Präsentation des EM-Aufgebots unserer
Fußballer auf der Zugspitze war übrigens marketingtechnisch betrachtet
ein Volltreffer. Dort wo ,Deutschlands Lieblinge’ hin wollen, will
schließlich jeder hin – nach oben!“ dwl

Bewegung ist Leben – vor allem auf dem Berg

Thomas Humer, GF der Abtenauer Firma Outdoor Consulting Team (OCT), ist nach 20 Jahren Erfahrung ein Experte auf seinem Gebiet. Kürzlich hat er wieder mit der Errichtung des „Planai Abenteuerparks“ in Schladming aufgezeigt (siehe Artikel S. 12-13), der als Ganzjahresattraktion unweit der Bergstation angelegt ist. Humer, der jahrelang den Outdoorbereich im Aktivhotel-Resort von Ex-Skirennläufer David Zwilling in Abtenau geleitet hat, ist der Meinung, dassBergbahnen im Sommer – bzw. auch Herbst oder Frühling – nur dann Frequenzen schaffen, wenn es oben am Berg ein attraktives Angebot für Aktivitäten gibt. Um den künftigen Bedarf an Outdoor-Guides abdecken zu können, hat Humer mit dem WIFI eine neue Berufsausbildung ins Leben gerufen.

Interviewpartner Thomas Humer, Geschäftsführer von OCT. Fotos: OCT

MM-FRAGE: „Herr Humer, wie ist es zur Entwicklung des Abenteuerparks gekommen?“Humer: „Bereits vor 15 Jahren entstand beim Resort David Zwilling u. a. der erste Hochseilpark, allerdings damals noch in Tallage. Die Philosophie war allerdings auf Gruppen konzentriert,mit denen wir auch Rafting und andere Outdoor- Aktivitäten durchführten. Bis das Konzept für die breite Masse tauglich wurde, hat es allerdings Jahre gedauert, daher ist der sogenannte ,Abenteuerpark’ erst in den letzten 3 Jahren entstanden. Grundsätzlich gibt es im Hochseilgartenbereich zum einen Seminarübungen für 10 bis 20 Leute mit den Themen ,gemeinsames Sichern und Erlebnis im Team’ und zum anderen eben das Abenteuerparkkonzept vergleichbar mit dem Klettersteig-System, wo die Leute nur eingewiesen werden, ehe sie sich in den Parcours begeben. Etwa so, wie wenn man Skifahren gelernt hat und dann auf die rote, blaue oder schwarze Piste geht. Mit der Einschulung ist dann ein sicheres Durchlaufen des Parkes gewährleistet. Als Besonderheit wurde auf der Planai auch ein Kinderpark mit Spielplatzhöhe angelegt, in dem die Kinder alleine aktiv sein können. Der Planai Abenteuerpark ist der erste Prototyp auf dem Berg, der nächste wird auf dem Linzer Pöstlingberg unter dem Motto ,Erlebnis am Berg in einer Stadt’ folgen.“MM-FRAGE: „Wie realisiert ihr den Bau eines solchen Parks?“Humer: „Ich habe in Stefan Gatt einen Partner, der mich seit 20 Jahren begleitet (bekannt u. a. durch die Himalaya- Expedition mit der Erstbefahrung des Mt. Everest mit einem Snowboard). Stefan ist der Bauingenieur der Parks, die OCT betreibt sie. Mittlerweile dürfen wir behaupten, dass wir nicht nur gut bauen, sondern dass 20 Jahre an Erfahrung drinnenstecken. Bei derPlanung ist zu berücksichtigen, dass jeder für sich seinen Abenteuerpark nach seiner Struktur konzipiert und nicht einfach kopiert. Er muss genau für die Region, die Kunden und die Zielsetzung passen und etwas Spezielles sein – sonst lebt es nicht.“

Mit Funsportgeräten schafft man auch bei nicht so guten Verhältnissen schnell einen Erlebniswert.

MM-FRAGE: „Was braucht in Zukunft eine Bergbahn, um im Sommer Frequenz zu schaffen?“Humer: „Sie braucht vor allem Leben am Berg. Das Ziel für die Leute muss sein, sich oben am Berg aktiv zu bewegen! Und das am besten über alle vier Jahreszeiten hinweg. Durch diese Taktik erhält einerseits der österreichische Tourismus einen hohen Stellenwert und andererseits reduziert sich auf diese Weise die Abhängigkeit vom Schnee. Theoretisch könnte man sagen: wenn wir im Oktober oder November keinen Schnee haben, dann gibt es trotzdem ein Erlebnisprogramm am Berg. Ob es heiß ist oder regnet oder schneit – wir haben einfach immer Programme. Das Abenteuer findet immer statt.“MM-FRAGE: „Wer soll solche Programme umsetzen?“Humer:„Hierfür braucht man natürlich gut ausgebildete Mitarbeiter. Deswegen haben wir in Zusammenarbeit mit dem WIFI Österreich ein neues Berufsbild geschaffen. Das heißt, wir bilden ab November Leute zum diplomierten Freizeit- und Outdoor-Guide aus mit den 3 Säulen- Outdoor-Programme kennen und beherrschen – anschließend die Möglichkeit sich zu spezialisieren z. B. auf Bergführer oder auf den Bereich Wasser;- Erlebnis-Pädagogik und Low-Events (alles was mit Natur, Wald und Erlebnis zu tun hat);- Spiel, Sport & Fun (u. a. ständig neue Fungeräte ausprobieren in Gruppen und dann eventuell für die Masse Integrieren).“

Schlechtwetter gibt es eigentlich nicht in Österreich, nur unpassende Kleidung. Bei Canyoning und Rafting spielt das keine Rolle.

MM-FRAGE: „Es gibt vermutlich künftig einen großen Bedarf an solchen Outdoor-Guides?“Humer: „Es ist nicht nur ein Bedarf an diesen Leuten vorhanden, sondern es wird auch eine neue Chance für den Tourismus entstehen – sei es in der Hotellerie, bei den Bergbahnen oder den Agenturen. Weil in Zukunft wird es zu wenig sein, nur Infrastruktur zu bauen. Es muss ein Leben passieren, die Aktivität muss begleitet sein, es muss ein Spirit vorhanden sein. Auch der Wintertourismus würde ohne die Skischulen am Berg nicht funktionieren. Das ist der Geist, der das Ganze lebendig macht. Es ist also kein Selbstläufer. Die Gäste brauchen diese Betreuung sogar von Jahr zu Jahr immer mehr. Und nicht nur, dass sie es brauchen. Es ist auch förderlich, um neue Kontakte zu knüpfen, gemeinsam Spaß zu haben. Dieses Bedürfnis nimmt zu, da es immer mehr Single-Haushalte gibt, Leute die Kurztrips machen wollen, die einige Tage aussteigen wollen. Oder jeder in der Familie macht etwas anderes und manches machen sie auch zusammen. Diese Zielgruppen muss man ansprechen bis hin zu den aktiven Senioren.“MM-FRAGE: „Was kann sich eine Bergbahn von einem Anbieter wie OCT erwarten?“Humer: „Für die Bergbahnen ist interessant, dass wir von der OCT spezialisiert sind auf den Bereich Betreuen, Entwickeln und Begeistern von Menschen. Wir können als Partner zu Bergbahnen fungieren, und einen Abenteuerpark mit deren Unterstützung hinbauen und betreiben – also ganz wesentlich, die Bergbahn braucht sich nicht um die Betreuung kümmern. Das ist ja nicht deren Kerngeschäft. Der einzige darüber hinaus noch wichtige Faktor für ein erfolgreiches Funktionieren eines Abenteuerparks ist, dass die Region eine Sommercard hat, wie es in Schladming der Fall ist. Der Vorteil ergibt sich insofern, weil der Kunde/Gast die Bergbahn nicht extra bezahlen muss und deshalb grundsätzlich auf den Berg fährt. Wenn er dann auf dem Berg ist, will er etwas unternehmen – z. B. eine Runde im Abenteuerpark. Daher bin ich der Meinung, dass in Zukunft der Sommertourismus für Bergbahnen nur dann funktionieren wird, wenn die Hotellerie unmittelbar mit eingebunden ist. Denn das Entscheidende ist, dass der Gast die Beförderungskosten im Sommer im Unterschied zum Winter anders sieht. Seilbahnfahren sowie diverse Ausflugsmöglichkeiten gehören zum Gesamtpackage mit Unterkunft und Verpflegung einfach dazu, so empfindet man häufig. Dieser Ansatz bewährt sich bereits in den Regionen. Würde man am Berg etwas machen ohne Einbettung in eine solche Gästecard, könnte man es durchaus aus kritisch sehen. So wie im Winter der Skibus für den Gast ,gratis’ ist, so ist im Sommer die Liftkarte im Package beim Vermieter integriert. Alle anderen Dienstleistungen bezahlt der Kunde dann ohnehin gerne, weil er dann unmittelbar ein Erlebnis hat. Die Bergbahn muss sozusagen den Tourismus-Euro schon aus den Betten heraus lukrieren. Dann funktioniert es und dann entfällt auch der Druck.“

Das Konzept der Abenteuerparks ist nun so weit gediehen, dass es für die breite Masse taugt.

MM-FRAGE: „Welche Rolle spielen bei eurem Konzept Funsportgeräte?“Humer: „Wir waren eine der Ersten, die in unseren Outdoor-Zentren mit Fungeräten viel gemacht haben – Airboarden, Snowbiken, Scooter, Bikeboard, Sommerbockerl etc. etwa am Karkogel in Abtenau. Man darf aber nicht nur im Verleihgeschäft gut sein, sondern muss auch in der Betreuung von Gästen kompetent sein. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Diesen Spagat schafft nicht jeder. Da muss man wirklich spezialisiert sein, deshalb auch die professionelle Ausbildung für solche Berufe.Und solche Outdoor-Guides dürfen auch die Freude und den Spirit über das ganze Jahr nicht verlieren. Die Marke OCT steht dafür, Leute zu begeistern durch und an der Bewegung. Daher brauchen wir auch mehrere OCT-Zentren (derzeit 11 in Österreich, Deutschland und Südtirol), um die Gäste kursieren lassen zu können. Von dieser Idee, dass die Leute zirkulieren, lebt ja auch ein Skiverbund wie Amadé. Wir sind jedenfalls diejenigen, welche nicht nur konzeptionell mitarbeiten, sondern auch in die Umsetzung gehen. Denn Konzepte gibt es viele, aber wenige, die sie umsetzen und es leben!“MM-FRAGE: „In Österreichs Tourismus spielt das Thema Schlechtwetter eine zu große Rolle. Was sagen Sie dazu?“Humer: „Was ist eigentlich Schlechtwetter? Schlechtwetter haben wir nicht, nur unpassende Kleidung. Man kann auch bei Regen viel unternehmen, etwa beim Rafting spielt das Wetter keine Rolle. Da fehlt es an der Einstellung, auch bei den Touristikern. Es geht nur darum, dass eine Bewegung stattfindet und die Leute dazu animiert werden. Sonst gehen sie bei ,Schlechtwetter’ nur in den Wellnessbereich, aber nicht Outdoor.Noch dazukommt, dass im Gesundheits-, Wellness- und Bewegungsbereich noch zu wenig darauf geachtet wird, dass es viel gesünder ist, sich natürlich in einem Gelände zu bewegen, als mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Schladming hat einen guten Mix der Hotellerie geschaffen, der sowohl touristisch angelegt ist, aber auch gruppenmäßig angelegt ist wie z. B. Seminarhotels. Die sind im November ausgebucht, klassische Seminarzeit. Aber die Seminarteilnehmer wollen auch etwas erleben! Man muss sich also nur Gedanken machen, wer kommt zu welcher Jahreszeit in die Region? Im April und November z. B. die 50+ Zielgruppe, die haben Zeit. Wichtig ist heute, dass die Leute in ein, zwei Stunden alles beherrschen, um etwas erleben zu können. Kaum jemand will noch langwierig etwas lernen. Das ist der Unterschied zum Skischul-Konzept. Und dass man mit Fungeräten auch bei nicht so guten Verhältnissen den Erlebniswert schafft.“MM: „Herr Humer, wir danken für das Gespräch.“

Ausgabe 4/2008

Inhalt
Editorial
MM MAGAZIN
BERGSOMMER
• Meinung: Thomas Humer: Leben ist Bewegung
• Geo-Coaching – moderne Schatzsuche via GPS
• Wieviel Thema braucht der Sommer?
• Planai: Neuer Abenteuerpark auf 1800 m
• 35 Mountain Karts flitzen auf der Gerlitzen
• Große Zufriedenheit mit Sommerkonzept
• Tirol Touristica für Serfaus-Fiss-Ladis
• Café Ahornbahn – eine Schlechtwetteralternative
SKISERVICE & RENT
• Vom Schweizer Skihersteller zum Outdoor-Spezialisten
NEUE BAHNEN
• Doppelmayr: Kombibahn für Skischaukel Berwang
• Doppelmayr: Komfortsteigerung Bergeralm
• CWA: Highlights für den Gast
• Erneuerung in Adliswil
• Leitner: Attraktion für Expo Zaragoza 2008
• Durch-Blick: Klare Sicht für Jedermann
• Garaventa-Kombibahn in Braunwald

MARKETING & MANAGEMENT

• 56. MM-Interview: Stefan Wirbser, Liftverbund Feldberg
• Zillertal provoziert Nachhaltigkeitswettbewerb
• Seilbahnen heute – und morgen
• Werbung im Skigebiet – was akzeptiert der Gast?
• Lehrberuf Seilbahner
• Ausbaupläne für das Goldeck
• Machbarkeitsstudie für Skihallen in der Schweiz
• 5 Thesen zur Zukunft des Wintersports

TECHNIK & WIRTSCHAFT

MESSEN
• Nachbericht SAM Grenoble
BESCHNEIUNG
• Jahrhundertprojekt zur Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011
• WALO Bertschinger
• TechnoAlpin in Hidden Valley
• Alpspitzgebiet ist begeistert von der Power Compact
• AGB: Kann man Zufriedenheit kaufen?
• Kaeser Snowsystem: Druckluft maßgeschneidert für Beschneiung
• Perfekter Schnee aus allen Wässern mit HYDAC
• Über 80 Speicherteiche von Haider
• Schmachtl: Perfekt filtriert – garantiert
PISTENFAHRZEUGE
• Prinoth: „Official Technical Partner“ der Weltmeisterschaften
• Kässbohrer: Voller Erfolg für After Work-Party 08
FIRMEN NEWS
• Kaser GmbH: Ein zukunftsorientiertes Unternehmen
• Bachinger Gmbh: Sicherheit und Präzision

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Über MOUNTAINMANAGER

MOUNTAINMANAGER hat sich in 50 Jahren als die internationale Fachzeitschrift für bergtouristisches Management und Alpintechnik an führender Position etabliert. Die kompetentesten Fachjournalisten der Branche mit Sitz in den drei zentralen Alpenländern Österreich, Schweiz und Deutschland sind für den MOUNTAINMANAGER tätig.
Neueste technische Entwicklungen, zukunftsweisende Trendanalysen und internationale Recherchen stehen im Vordergrund der Berichterstattung.
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