Seminar O.I.T.A.F. 2009: Richtlinie 2000/9/EG – elektrische Seilbahnausrüstung

Die Interalpin in Innsbruck bildete auch dieses Jahr wieder den Rahmen für ein Seminar der internationalen Seilbahnvereinigung O.I.T.A.F. Diskutiert wurde das Thema „Erfahrungen in der Anwendung der Richtlinie 2000/9/EG bei den elektrischen Ausrüstungen von Seilbahnanlagen“.

Dr. Heinrich Brugger, Generalsekretär der O.I.T.A.F. Fotos: dwl

Am 24. April trafen sich die Experten der O.I.T.A.F. im Saal „Brüssel“, Kongresszentrum Innsbruck, zum „Elektrotechnik-Seminar“. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Dr. Heinrich Brugger, Generalsekretär der O.I.T.A.F., der sich für die zahlreiche Teilnahme bedankte und die Seminarleitung an Dipl.-Ing. Fredy Lang, IWM – Inspektionsstelle Seilbahnen, Glattbrugg /CH) übergab.Als erster Referent zeigte Erich Megert, SISAG, Altdorf (CH) die „Richtlinie 2000/9/EG aus der Sicht eines Herstellers aus der Schweiz“ auf. Er präsentierte die Rechtsgrundlagen der Schweiz und ortete Konfliktpotenzial sowohl mit den Behörden hinsichtlich Rollenverständnis, benannter Stellen und Sachverständiger, mit den Betrieben hinsichtlich Sorgfaltspflicht und mit Herstellern in Bezug auf Zertifizierung und Internationalität.

Ernst Rahnefeld, Konsulent und externer Sachverständiger in Seilbahngenehmigungsverfahren.

Ernst Rahnefeld, Konsulent und externer Sachverständiger in Seilbahngenehmigungsverfahren, Innsbruck (A), stellte die Sichtweise eines Gutachters in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Obwohl man bei der Erstellung von Gutachten an die gesetzlichen Vorgaben gebunden wäre, komme der langjährigen Erfahrung von Gutachtern große Bedeutung zu. Sie bringe klare Vorgaben an die Hersteller und häufig zeitliche Vorteile in der Erstellung von Prüfunterlagen.Ernst Fuchs, DOPPELMAYR Seilbahnen GmbH, Wolfurt, beschloss die erste Vortragsrunde mit „Denkanstößen für den Ersatzteiltausch und Umbauten von Altanlagen“. Er zeigte mit Hilfe von Praxisbeispielen auf, dass Forderungen von Seilbahnunternehmen nach Konformitätsbescheinigungen und/oder einer Konformitätserklärung häufig nicht zu erfüllen wären. Doppelmayr stelle in solchen Fällen sogenannte „Auswirkungsanalysen“ für den Umbau einer Anlage aus bzw. anstelle der Konformitätserklärung eine „Herstellererklärung“, in der ein mindestens gleiches Sicherheitsniveau bestätigt werde, wie vor dem Umbau vorhanden.

Ernst Fuchs, DOPPELMAYR Seilbahnen GmbH.

Erfahrungen aus Deutschland, Frankreich und ItalienNach der Mittagspause begann die Reihe der Referate mit Johann Disl, TÜV Süd Industrie-Service GmbH, München (D). Nach der Vorstellung des Unternehmens, das auf 50 Jahre Erfahrung bei der Überprüfung von Seilbahnen verweisen könne, widmete er sich der „Sicherheit moderner Seilbahnen durch den Einsatz zertifizierter elektrischer Sicherheitsbauteile und Teilsysteme“. Das modulare System der europäischen Seilbahnrichtlinie habe große Vorteile, wie etwa die Vermeidung von Mehrfach-Prüfungen bei Teilsystemen und Sicherheitsbauteilen und sei für Standardprodukte aus einer Hersteller-Hand gut geeignet. Darüber hinaus würden durch sie aber auch die Anzahl der am Projekt beteiligten Stellen erhöht und Schnittstellen geschaffen. Solche Schnittstellen wurden als „Teil eines Systems“ deklariert, „das dem Austausch von Informationen, Energie oder Materie mit anderen Systemen dient. Eine Schnittstelle wird durch eine Menge von Regeln beschrieben, der Schnittstellenbeschreibung.“ Das Schnittstellen-Defizit führe dann allerdings dazu, dass ein Gefährdungsbild insbesondere bei Auftreten eines Fehlers nicht sicher vermieden und deshalb die Sicherheit verringert werden könne. Schnittstellendokumente müssten deshalb den Anwendungsbereich und Grenzen der Anwendung genau definieren sowie die Anforderungen an andere Teilsysteme. Die Abstimmung der Schnittstellendokumente solle zwischen dem Hersteller und der benannten Stelle mit der Maßgabe erfolgen, dass eine Einbindung in die Gesamtanlage ohne Schnittstellen-Defizite möglich werde.Für Frankreich gab Fabrice Jacquier, Société SEMER, Le Fayet (F), Einblick in die dortigen Erfahrungen von elektrischen Sicherheitsfunktionen bei Seilbahnen. Günter Tschinkel, LEITNER AG, Sterzing (I), widmete sich dem „Teilumbau der seilbahntechnischen elektrischen Ausrüstung einer Anlage“ an einem italienischen Beispiel. Nach der Präsentation der gesetzlichen Bestimmungen stellte er den Fall einer Revision der E-Anlage einer automatischen Umlaufbahn vor. Die Problemstellung lag dabei in der Klassifizierung der Überwachungsfunktion, den Schnittstellen und der Abgrenzung zum Altbestand. In der Ausführung hatte man sich als Ziele gesetzt, die Sicherheit der Anlage möglichst heutigem Standard anzupassen, die Verfügbarkeit der Anlage zu erhöhen und einem Ausfall der Sensorik im Betrieb vorzubeugen.dwl

Swiss Alpina 2009

Schweizer Messe mit neuem Termin

Vom 26. bis 28. August öffnet die 14. Swiss Alpina in Martigny ihre Tore. Mit zahlreichen Veranstaltungen unterstützen einschlägige Schweizer Fachverbände „ihre Fachmesse“, die sich mit dem neuen Termin nachhaltig im internationalen Messekalender etablieren will. Die Veranstalter kündigen insgesamt 200 Aussteller an, wobei sich erstmals der Fachbereich (Arbeits-)Sicherheit mit der eigenen Fachschau Alpina Security präsentiert.vertreten sein wird.Breite PräsenzÜber 230 Unternehmen weist das aktuelle Ausstellerverzeichnis aus – damit erreicht Swiss Alpina 2009 wieder das Niveau der Vorveranstaltung. Dabei gewährleisten neben den Schweizer Matadoren aus den Bereichen Ausrüstungen und Service, für die Martigny schon immer ein Pflichttermin war, nahezu alle internationalen Anbieter aus Seilbahntechnologie, Pistenpflege und Beschneiung auch in diesem Jahr für einen repräsentativen Überblick. Mit rund 4500 internationalen Fachbesuchern rechnen die Messeveranstalter, wofür zum einen der bewusst vorsaisonal gelegte Messetermin, zum anderen ein umfangreiches Rahmenprogramm rund um die Messe sorgen sollen.Geballte FachinformationBereits im Vorfeld unterstützten die Schweizer Seilbahnfachverbände aktiv die Neuterminierung der Swiss Alpina. Neben dem Unternehmerverband SBS insbesondere auch die Technikervereinigung VTK mit der parallelen Ausrichtung ihrer offiziellen Jahrestagung mit begleitendem Kongress. Unter dem Motto „Sicherheit für alle“ behandeln die Betriebsleiter und Sicherheitsbeauftragten am 25. und 26. August neben allgemeinen Fragen der Betriebsorganisation unter anderem spezifische Verfahren der Früherkennung von Risiken an neuralgischen Teilen von Aufstiegsanlagen, wie Seilen oder Stahlkonstruktionen.Das Thema Sicherheit greift Swiss Alpina in diesem Jahr mit einer eigens konzipierten Fachschau auf. An zwei Tagen orientieren Experten auf „Alpina Security“ (26. + 27. 8., jew. vormittags) über professionelle Sicherheitsorganisationen bei Großveranstaltungen und das unternehmensinterne Risikomanagement. Die anmelde- und kostenpflichtigen Seminare (190,00 CHF) sind als Ausbildungskurse für Arbeitssicherheitsexperten anerkannt. Einschlägige Anbieter von Sicherheitstechnologien – insb. Kommunikation, Bergung/Rettung – runden mit der Präsentation ihrer Produkte und Leistungen die neue „Messe in der Messe“ ab.Den Veranstaltungsreigen beschließen am Schlusstag der Messe die Schweizer Vereinigung der Rettungschef und Patrouilleure sowie die Generalversammlung der Walliser Sektion der Umweltschutzvereinigung Aqua Nostra Schweiz. Alle Veranstaltungen finden im angeschlossenen Tagungsbereich des Kongresszentrums CERM statt.tbSwiss Alpina 2009Ort: Martigny Kongresszentrum CERMDauer: 26. bis 28.8. 2009, jew. 9.00 – 18.00 UhrEintritt: 15,00 CHF/Tageskarte, 25,00 CHF/DauerkarteInformationen: www.swissalpina.ch

    
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Schweizer Seilbahnen tagen in Pontresina – Kraftvolles Schwungrad Bergbahnwirtschaft

„Es läuft erfreulich viel, und vieles erfreulich gut“, mit diesen Worten charakterisierte SBSPräsident Hans Höhener in seiner Begrüßung wohl am besten die positive Grundstimmung der Schweizer Seilbahnbranche, die auch die diesjährige Generalversammlung in Pontresina nachhaltig prägte. Mit einer Rekordsaison im Rücken und hohen Vorlaufinvestitionen in Aussicht präsentiert sich der Sektor als selbstbewusster Motor der Bergwirtschaft, was sich auch im General-Motto der GV „Seilbahnen bringen Regionen in Schwung“ ausdrückte.

SBS-Präsident Hans Höhener (l.) und Direktor Dr. Peter Vollmer konnten sehr erfreuliche Entwicklungen präsentieren.

Mit starkem Rücken Position verbessernEin geschätzter Gesamtverkehrsertrag im Winter- und Sommergeschäft von rund 950 Millionen Franken markiert für die Schweizer Seilbahnen die Rekordsaison 2007/ 2008. Verantwortlich dafür war neben dem guten Winter auch ein günstiger, weil starker Euro, der als positiver Nebeneffekt im internationalen Vergleich auch das vermeintliche Hochpreis-Image des Schweizer Skitourismus korrigieren half. Die Branche blickt sehr optimistisch in die Zukunft, was sich kurzfristig bereits an den angekündigten 250 Mio. Franken Investitionen auf die Saison 2008/09 und längerfristig am geplanten Mitteleinsatz von 1,2 Mrd. Franken bis 2012 zeigt.Befriedigt registriert die SBS-Führung mit Präsident Hans Höhener und Direktor Dr. Peter Vollmer dabei eine gesunde Entwicklung. Der sich vor allem in Kooperationen bzw. Fusionen niederschlagende Strukturwandel zeige auch in der Breite positive Effekte, wobei vor allem auch kleinere und mittlere Unternehmen profitierten. Gerade diese erfüllten zumeist wichtige Aufgaben im lokalen Tourismus und erweisen sich dort nicht minder als die unverzichtbaren Antriebe, die Seilbahnunternehmungen mit Blick auf die Bedeutung des Fremdenverkehrs für die kantonale und schweizerische Gesamtwirtschaft ohnehin sind. Kennzahlen sind hier die Maximalwerte von 25–30% Tourismusanteil an der Bruttowertschöpfung im Wallis und Graubünden, der gesamtschweizerisch immer noch eindrucksvolle 6 % erreicht.Dass aus dieser selbstbewussten Position heraus auch Forderungen erwachsen, versteht sich. Neben einer grundsätzlichen Verbesserung des „Tourismusbewusstseins“ innerhalb der Bevölkerung, was das Standing gerade auch kleinerer Betriebe nachhaltig beeinflussen könnte, mahnt SBS-Direktor Vollmer insbesondere akzeptable Rahmenbedingungen für die betrieblichen Aktivitäten von Seilbahnunternehmungen an. Handlungsbedarf sieht Vollmer unter anderem im rechtlichen Bereich (Risikohaftung, Arbeits(zeit)recht, Wettbewerbsrecht), bei der Umsetzung von Umweltrichtlinien sowie – als Dauerthema – auf diversenFeldern der Zusammenarbeit mit den zuständigen Aufsichtsbehörden. Dabei, so Vollmer, strebe die Branche jedoch nicht nach „Freibriefen“, sondern nach klaren, und an der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit orientierten Voraussetzungen für verantwortungsvolles unternehmerischesHandeln. Und das, so der an vielen Fronten kämpfende SBS-Direktor, entfalte sich am besten in enger fruchtbarer Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern aus Tourismus, Politik und Behörden.

Nur terminlich ein Show-Down: Der Workshop zur Umsetzung des neuen Seilbahngesetzes zeigte Kontroversen auf endete aber versöhnlich. Von links: Garaventa-CEO Istvan Szalai, als Vertreter der Seilbahn-Hersteller, Renzo Peschiallo SBS-FachberaterSeilbahntechnik, Reto Canale (IKSS), Bruno Revelin und Toni Eder, BAV sowie SBS-Direktor Dr. Peter Vollmer.

Graubündner Heimspiel„Seilbahnen bringen Regionen in Schwung“, kein anderes Generalthema hätte wohl besser zu Tagungsort und gastgebendem Kanton gepasst, wie sich vor allem in den Grußadressen und dem politprominenten Grundsatzreferat zeigte. Ob Hugo Wetzel, Präsident von Engadin St. Moritz Tourismus, der in seiner Grußadresse die junge Gründungsgeschichte seiner Destination nachzeichnete, oder Erwin Rutisheimer, der Direktor der erst kürzlich zum Unesco-Welterbe gekürten Rhätischen Bahnen, die Exponenten wichtiger regionaler Tourismuspartner würdigten die Rolle der Bergbahnen im Fremdenverkehr und luden zur weitergehenden regionalen Kooperation ein. Die enorme Bedeutung des Tourismus für Graubünden unterstrich Regierungsrat Hansjörg Trachsel, Leiter des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Soziales. Rund 30 % Prozent (ca. 3,3 Mrd. Franken) steuert der Fremdenverkehr zum kantonalen Brutto-Inlandsprodukt bei, ohne die industriell gut entwickelten Räume des Rheintals sogar bis 50 %. Rund 26000 Arbeitsplätze hängen direkt vom Tourismus ab.Trachsel stellte die Umorganisation dar, die der Kanton zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Bündner Tourismus ab 2005 in Angriff genommen hat. Aus ehemals insgesamt 92 (!) Tourismusorganisationen sollen schließlich insgesamt 4–6 große Destinationen nach dem Muster der bestehenden Zusammenschlüsse Graubünden, Oberengadin, Davos-Klosters sowie bis zu zehn kleinere Talorganisationen mit Destinationscharakter entstehen. Als Antwort auf die Frage, wer wohl der Motor des Bergtourismus sei – Hotellerie oder Seilbahnen – zog der ehemalige Verwaltungsrat der Celeriner Bergbahnen ein salomonisches Fazit: beide seien Motoren einer sehr komplexen Maschine, deren Funktion durch eine exzellente Software, nämlich die verantwortlichen Menschen gesteuert werden müsse.Noch viel Arbeit zu tunDas ist das Ergebnis der Workshops, die den zweiten Tagungstag auf der Corviglia-Bergstation bestimmten. Neben einer Veranstaltung,die als Thema nochmals die wirtschaftliche Ausgangssituation von Seilbahnen und ihre Einbindung in integrale touristische Konzepte aufgriff, behandelte ein zweiter Schwerpunkt mit Medizinern, Sportdidaktikern und Pistenchefs bzw. Patrouilleuren die Verbesserung der Pistensicherheit. Diese stellt ein zunehmend sensibel wahrgenommenes Kriterium in der Öffentlichkeit und unter Skisportinteressierten dar.So führten teilweise deutlich überzeichnete Unfalldokumentationen in der Presse zu falschen Vorstellungen über die tatsächliche Gefährdung unter wichtigen Skisport-Zielgruppen. Insbesondere Familien – und damit der Ski- Nachwuchs – sowie eher genussorientierte Skigäste könnten sich dadurch vom Skifahren abwenden. Tatsächlich jedoch bleibt die Zahl der Skiunfälle eher konstant und auch der Zusammenhang zwischen hoher Gästefrequenz („volle Pisten“) und einem höheren Unfallgeschehen kann nicht nachgewiesen werden. Allerdings ist eine Steigerung der schweren Verletzungen zu beklagen, was der anwesende Medizin-Experte jedoch auf die mangelnde Beherrschung der immer vielfältigeren und mithin rasanteren Sportgeräte zurückführt.Entsprechend forderten die Experten neben einer Bereinigung der einschlägigen Statistiken, vor allem eine bessere Ausbildung und Information der Skifahrer und eine intensivere Überwachung des Skibetrieb. Die Unfallstatistik solle nur noch echte Schadensfälle unmittelbar auf der Piste aufnehmen, durch die Präsenz eines ausgewiesenen Sicherheitsdienstes – nach dem Muster der österreichischen „Alpinpolizei“ – könnte Rowdies Einhalt geboten und das subjektive Sicherheitsgefühl der übrigen Skifahrer verstärkt werden. Eine bessere Klassifizierung der Pistenschwierigkeit und aktuellen Pistenzustände soll die Unfallgefahr weiter senken.Jacky Michelet von der SBS-Ausbildungskommission Pisten- und Rettungsdienst stellte das umfangreiche einschlägige Kursprogramm des Verbandes vor, das mit einem erweiterten Angebot und neuen Inhalten die Sicherheitsprobleme angeht. Allerdings – auch das wurde bei der Diskussion deutlich – kann nur durch eine spürbare Entlastung des oft mit vielen Nebenaufgaben im Bahnbetrieb betrauten Sicherheits-Fachpersonals bereits kurzfristig eine Verbesserung erzielt werden.

Das Walliser Skigebiet Téléverbier und die Geosat SA gewannen mit ihrem gemeinsam entwickelten GPS-Schneehöhenmessgerät für Pistengeräte den 3. Swiss Mountain Award 2008. Im Bild Téléverbier-Direktor Eric Balet (l.) mit Erich Megert, dessen SISAG den Innovationspreis der Schweizer Seilbahnbranche wiederum sponserte. Fotos: tb

Kooperation verbessernEine noch intensivere Zusammenarbeit aller Beteiligten und die noch klarere Definition, Verteilung und Wahrnehmung von Kompetenzen, das sind vielleicht die notwendigen Schlussfolgerungen, die der Betrachter aus dem abschließenden Workshop „Erfahrungen in der Umsetzung der gesetzlichen Grundlagen der Seilbahnbranche“ mit nimmt.Wenig überraschend beurteilten die Vertreter von Verband, BAV und IKSS den Stand der Umsetzung in ihren jeweiligen Organisationen zunächst einmal grundsätzlich positiv. Die bestehenden Reibungspunkte zwischen Betreibern und Aufsicht zeigten sich jedoch in der anschließenden Diskussion, als beide Seiten anhand plakativ vorgetragener Einzelfälle vermeintliche Defizite der Gegenseite aufzeigten.Das betrifft insbesondere den Bereich der Umbauten und Neubewilligungen, wo die erweiterten Verantwortlichkeiten von Technischer Leitung und Betriebsführung sowie insbesondere die Entscheidungsfindung auf Basis von individuell erstellten Prozess- und Instandhaltungsdokumenten derzeit gerade nicht die vom neuen Seilbahngesetz erwarteten Erleichterungen bringen. Verbesserte Informationsgrundlagen zur Erstellung eben dieser Dokumente und Installierung der notwendigen Verfahren einerseits und die Optimierung der Transparenz behördlicher Entscheidungswege können hier Abhilfe schaffen, so das letztlich doch noch versöhnliche Resümee der Diskussionsteilnehmer.tb

Deutsche Seilbahner tagen in Willingen

Rund 150 Vertreter der VDS-Mitgliedsunternehmen besuchten Ende Oktober die Deutsche Seilbahntagung 2008 in Willingen. Mit guten Saisonverläufen im Rücken beschäftigten sich die Seilbahner insbesondere mit spezifischen Trends und Tendenzen im Gästeverhalten und in der Ausgestaltung des eigenen Sommer- bzw. Winterangebots.

Die VDS-Spitze mit denWillinger Referenten: Prof. Dr. Ralf Roth, StefanWirbser, stv. VDS-Vorsitzender, Geschäftsführerin Birgit Priesnitz, Prof. Karl Born und VDS-Vorsitzender Peter Huber.

Zahlen stimmenDie Stimmung ist gut unter den deutschen Seilbahnern. In Willingen konnten die Verantwortlichen von einem erfreulichen Verlauf der Saison 2007/2008 berichten. So zeigte das Wintergeschäft mit insgesamt 4,6 Millionen Gästen und Nettover-kehrseinnahmen von 54,3 Mio. Euro eine deutliche Steigerung gegenüber dem witterungsbedingt sehr schlechten Vorjahresergebnis (3,2 Mio. Gäste; 36,7 Mio. Euro). Auch das Sommergeschäft läuft – für die deutsche Szene mit ihrem im eu-ropäischen Vergleich hohen Anteil von Ausflugsbahnen ein besonders wichtiges Kriterium.Waren es 2007 noch insgesamt 2,8 Millionen Gäste, die das Sommer-angebot der 160 Seilbahnen und 4 Zahnradbahnen utzten (Netto: 33,1 Mio. Euro), so zeigen die vorläufigen 2008-Zahlen einen nochmaligen Anstieg auf 2,9 Mil-lionen Gäste (netto: 34,4 Mio. Euro). Dabei dürften sich auch erste Effekte des seit Jahresbeginn geltenden reduzierten Mehrwertsteuersatzes (7%) für Seilbahn-Beförderungsleistungen auszahlen. Im Fünf-Jahresdurchschnitt registrieren die deutschen Bahnen laut VDS-Geschäftsführerin Birgit Priesnitz für das Sommergeschäft ein Plus von 6 Prozent.Eigenes Profil suchenEtwa zwei Drittel der deutschen Seilbahnen sind im Alpenraum, die übrigen (sport-)touristischen Anlagen verkehren in typischen Mittelgebirgslagen. Was hier technisch möglich ist, wurde den Kongressteilnehmern sehr anschaulich im Tagungsort Willingen vorgeführt, wo alleine auf die vergangene Saison über 18 Millionen Euro in neue Bahntechnologie und vor allem in eine leistungsfähige Beschneiung investiert wurden. Wenn auch weitere Unternehmen gerade in die Schneeversicherung investierten – z. B. die Nebelhornbahn mit der Komplettbeschneiung von Deutschlands längster Abfahrt (7,5 km) – für viele andere Unternehmungen in Mittellagen, aber auch im deutschen Alpengürtel fehlen derzeit die Möglichkeiten für derlei „Hochrüstung“. Stattdessen arbeiten die Verantwortlichen an einer immer stärkeren Diversifizierung und gerade im Winter unter dem Motto „Näher dran“ (am Gast) an attraktiven Angeboten für spezifische Zielgruppen. Insbesondere Familien mit Kindern stehen hier im Fokus – Beispiele aus dem Bayerischen Wald sind etwa das „Arbär-Kinderland“ am Arber oder der Junior-Skizirkus in Mitterfirmiansreut. Familienorientiert bauen viele Gebiete derzeit auch ihr Rodelangebot aus oder ziehen die Technik-Karte, wie der Feldberg im Schwarzwald, wo Gäste im Pistengerät mitfah-ren können. Voll im Trend liegt auch das Winterwandern, in das viele deutsche Gebiete als weniger schneekritische Variantemit der Auszeichnung neuer Routen investieren.Den Kunden abholenIn Willingen kamen natürlich auch die zukünftigen Herausforderungen für den deutschen Ski- und Seilbahntourismus zur Sprache. Gerade dabei erhält das Motto Näher dran“ eine direkte Bedeutung, wenn es darum geht, einen profitablen Anteil der geschätzten rund 8 bis 9 Millionen deutschen Skifahrer im Land zu hal-ten. Mögen dazu ständig steigende Reisekosten und auch Mehrwertsteuer-Erleichterungen beitragen, letztlich machen die Qualität des Angebots und ein um-fangreicher Service die erfolgreiche Gästeansprache aus.Zwei Grundsatzreferate boten hierzu Hilfestellung. Prof. Dr. Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigte in seinem Beitrag die wichtige Rolle der Seilbahnen als wichtige touristische Motoren in Berggebieten. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern haben sie die Möglichkeiten, das Angebot im Gebiet entsprechend der Herausforderungen durch den Klimawandel oder der demogra-phischen Entwicklung anzupassen. Aktuelle Umfragen unter Betreibern und Gästen zeigen, dass es wichtige Übereinstimmungen in der Erwartungserhaltung gibt, auf die sich aufbauen lässt. So tritt das Skifahren als einzige Motivation für den Winterurlaub am Berg etwas in den Hintergrund. Ein angemessenes Angebot an beschneiten, bestens präparierten Einzelpisten oder Funparks wird zu einem wichtigen Teil im diversifizierten Freizeitprogrammvon erfolgreichen Ferienorten, das sich zudem durch Naturerlebnisse, kulturellkulinarische oder soziale Komponenten auszeichnet. Auch für den Tourismusforscher Prof. Karl Born von der Hochschule Harz in Wernigerode ist die Auseinandersetzung mit den Gästeerwartungen natürlich die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Tourismusstandort. Born identifizierte zukünftige Trends im Urlaubsverhalten, wobei für den Bergtourismus insbesondere die Stichworte „Gesundheit“ und „kulturelle Identität“ (i. S. gewachsener Einzigartigkeit) wichtig seien. Noch stärker müssten sich Tourismusanbieter allerdings auch mit bislang eher grob identifizierten Zielgruppen beschäftigen. So sind zum Beispiel „Senioren“ nicht einfach „50+“, und „Singles“ lassen sich nicht einfach unter „alleinreisend“ und entsprechend kontaktfreudig subsumieren. Wer sich also nur mit „Seniorentellern“ und „Dating-Partys“ auf diese Zielgruppen einstellt, hat verloren. „Der Wandel vom Produktkenner zum Kundenkenner hat sich längst vollzogen“ – es reicht nicht mehr nur das Beste aus den Möglichkeiten seines Ferienortes zu machen, es müssen aktiv Möglichkeiten für zielgruppengerechte Aktivitä-ten geschaffen werden. Höchste Servicequalität ist dabei heute eine Grundvoraussetzung und keine besondere Auszeichnung mehr. tb

    
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Symposium: TourismusForumAlpenregionen als Plattform für die Energiewende

Das 19. TourismusForum Alpenregionen (TFA) vom 23.–25. März 2009 in Pontresina (CH) war ein großartiger Erfolg für den Veranstalter Grischconsulta und die 150 Teilnehmer. Aus dem Motto „Rethinking Power – umdenken, umsetzen oder untergehen“ heraus hat sich die Veranstaltungzu einem eigentlichen „Energiegipfel“ und Think Tank für erneuerbare Energien im Tourismus entwickelt.

Dr. Roland Zegg, Inhaber des Veranstalters Grischconsulta aus Chur, konnte 150 Teilnehmer zum 19. TFA in Pontresina begrüßen. Foto: mak

Unter dem Titel „rethinking power“ sind am 19. TFA Tourismusunternehmer, Energie-Experten, Stromproduzenten, Solarpioniere und Vertreter der Zulieferindustrie von Bergbahnen, Hotellerie und Solarund Windkraftanlagen drei Tage zu Fachvorträgen und einem intensiven Erfahrungsaustausch zusammen gekommen. Der drastische Anstieg des Ölpreises auf über 140 Dollar im letzten Herbst und die Diskussion um steigende Strompreise hat bewusst gemacht, wie auch die Tourismuswirtschaft zum Spielball von fremdbestimmten Energiekonzernen und -kartellen wird.Die Tourismuswirtschaft läuft Gefahr, in eine Energiefalle zu geraten, weil steigende Gästeansprüche einen höheren Energiebedarf verursachen und gleichzeitig die Energiepreise steigen. Diese Brisanz und die Abhängigkeit der Tourismusbranche von fossilen Energien sind in ihrem vollen Ausmaß deutlich geworden.

Bei einem kontroversen Podium moderiert vom TV-Journalisten Stephan Klapproth und mit den Teilnehmern Kurt Bobst (Rätia Energie), Roland Zegg (grischconsulta), Christen Baumann (Zermatt Bergbahnen) und Hansjürg Leibundgut (ETH Zürich) sind die unterschiedlichen Sichtweisen von Energieexperten, -produzenten und innovativen Unternehmern offensichtlich geworden. Foto: grischconsulta

Mit überholten Vorurteilen aufgeräumtDas TFA hat eindrücklich aufgezeigt, dass Windenergie, Solaranlagen und Erdwärme sowie Beschneiungsanlagen als Kleinkraftwerke heute bereits im deutschsprachigen Alpenraum einwandfrei funktionieren und absolut marktfähig sind. In der Diskussion mit internationalen Experten und Forschern wurde mit überholten Vorurteilen radikal aufgeräumt. Die neuen Technologien sind nicht nur störungsfrei im Betrieb, sondern auch in immer kürzerer Zeit amortisiert. Außerdem ziehen sie in den Hotels, in den Skigebieten, bei Bergbahnen und Tourismusgemeinden neue umwelt- und klimasensible Gäste an und erreichen eine große Medienwirkung. Unübersehbar ist der positive Imagetransfer von umweltschonenden Technologien auf die nachhaltig operierenden Unternehmen und Destinationen.Trotz Widerständen – vor allem von politischer Seite – haben sich Vorreiter, die von ihrer Idee überzeugt waren, durchgesetzt. Für eine flächendeckende Anwendung bestehen die Probleme einzig mit der Einspeisevergütung, die von der Schweizer Politik begrenzt wird. In den umliegenden Alpenländern fällt diese Einspeisung viel großzügiger aus. Damit wird eine sinnvolle Entwicklung in der Schweiz behindert und es entstehen Wettbewerbsnachteile. Interessanterweise hat sich gezeigt, dass es die linken, grünen und grünliberalenParteien sind, welche um die Aufhebung der Kreditlimits für Einspeisevergütungen kämpfen, während die Vertreter der Wirtschaftsparteien diese Wirtschaftsförderung behindern.

Am 3. Forumstag wurden 3 Exkursionen zu Praxisbeispielen angeboten, darunter die Corvatsch Gipfeltour mit „Bauen auf 3 300 m“, „Kostenoptimierung durch moderne Schneisysteme“, „Co2 arme Dieseltechnologie für Pistenmaschinen“, „Speicherseen als Kraftwerke“ und „Windenergie“.

Viele Pionierbetriebe in der UmsetzungsphaseAm diesjährigen TFA wurden viele Pionierbetriebe – hidden Champions – vorgestellt, die neue und alternative Energiequellen nutzen und damit Ressourcen schonen. Das Hotel Europa in Champèr/St. Moritz, das Hotel Saratz in Pontresina, die Energiegemeinden im Freiamt/ Schwarzwald, das Skigebiet Salzstiegl und die Rauriser Bergbahnen in Österreich beweisen eindrücklich, dass die Energie-Wende im Tourismus eingesetzt hat. Eigene Windkraftwerke, Solarpanels in den südlichen Hängen der Skigebiete oder Beschneiungsanlagen als Kleinkraftwerke können zum Teil viel mehr Strom erzeugen, als die jeweiligen Tourismusanlagen im ganzen Jahr verbrauchen. Dazu gibt es gute Beispiele im benachbarten Ausland – und die rechnen sich dort auch finanziell. Am Tourismusforum hat sich gezeigt, dass vor dem Hintergrund der Diskussionen um die haushälterische Energienutzung, die Klimaveränderung und die aktuelle Wirtschaftskrise sich für den Tourismus im Alpenraum die hervorragende Chance bieten könnte, sich im weltweiten Wettbewerb als nachhaltig zu positionieren, und das im umfassenden Sinn.

Friedl Kaltenegger (l.) von den Salzstiegl Bergbahnen (A) referierte über „Windenergie: die Bergbahn mit eigenem Kraftwerk.“ Foto: grischconsulta

Was tun?„Was soll der Unternehmer also jetzt in der Wirtschaftskrise tun?“, stellte Dr. Roland Zegg, GF der Grischconsulta die Gretchenfrage. „Was er immer getan hat: den Gürtel enger schnallen und die Ärmel aufkrempeln und kreativ werden! Wir stehen am Anfang einer Energierevolution. Wir müssen das Thema neu anfassen. Edison sagte damals auch nicht: Ich perfektioniere die Kerze, sondern ich mache etwas völlig anderes. Herausgekommen ist bekanntlich die Glühbirne. Das ist dann ein Paradigmenwechsel.“

Vertikales Design im Alpintourismus – Zündstoff vom 17.TFA

200 begeisterte Teilnehmer am 17. TFA (TourismusForum Alpenregionen) vom 27. bis 29. März 2006 in Ischgl gaben dem Branchengipfel Höchstnoten. Forumsgründer Roland Zegg sorgte diesmal unter dem Tagungsmotto „Vertical Design“ für viel Inspiration und zündende Ideen. Man blickte angesichts diverser touristischer Herausforderungen über die gängige Phase der horizontalen Kooperationen hinaus und präsentierte Lösungen aus der vertikalen Dimension der Kooperation. Dies wird immer bedeutender, zumal der Gast nur mit einem integrierten Ferienerlebnis zufriedenzustellen ist. Dazu bedarf es jedoch der konstruktiven Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette einer Destination.

Der studierte Betriebswirtschaftler Hermann Scherer eröffnete den Reigen der TFA-Referate mit seinem kurzweiligen Beitrag über das „Design des unternehmerischen Erfolges“.

Der Themenbogen am 17. TFA spannte sich von „Design des unternehmerischen Erfolges“ über „Das weiße Gold – wer soll das bezahlen?“ und „Architektur am Berg“ bis „Kraftakt: Markendesign und Strukturwandel“ bzw. „Vertical Integration“.Hermann Scherer eröffnete den Reigen der Referate mit „Design des unternehmerischen Erfolges“. Um heute noch registriert zu werden brauchen wir „Begegnungen im episodischen Gedächtnis“, da alle Leute bereits zuviel Information im Kopf hätten. Aber sie würden dafür bezahlen, Spaß zu haben. Um sich Erfolg zu schaffen, sollte man sich fragen: „Was ist das Problem daneben, das es zu lösen gibt (z. B. Skifahren und Ski-Schleppen). Dadurch steige die Wertschöpfungskompetenz. Heute mache die Produkt-Emotion meist den Wert aus – und die gelebte Begeisterung der Mitarbeiter. Es gelte täglich am Unternehmensdesign zu arbeiten, um ein „positives Vorurteil“ dem Produkt gegenüber zu erzeugen.

TFA-Gründer Dr. Roland Zegg, Geschäftsführer der Tourismusberatung „grischconsulta“ in Chur, konnte 200 Teilnehmer am 17. TourismusForum der Alpenregionen in Ischgl begrüßen. Fotos: mak

Wer soll das Weiße Gold bezahlen?Der nächste Block war der Finanzierung der Beschneiung gewidmet. Flims-Laax-Falera und auch die Engadiner Gemeinden finanzieren heute bereits die Beschneiungsanlagen ihrer Bergbahnunternehmen. Silvia Casutt, Gemeinderatspräsidentin in Falera und Verwaltungsrätin in der Weissen Arena AG, erläuterte für erstere das vorbildliche Modell „Finanz Infra AG“ (5 Mio. AK, davon 20% Weisse Arena, 80% 3 Gemeinden) und Jon Domenic Parolini, seines Zeichens Gemeindepräsident von Scuol und Verwaltungsrat der BB Motta Naluns, für letztere das Modell „Bodenerlöskonto“ der Bürgergemeinde. Allerdings musste zuvor das Schneemachen als „service public“ akzeptiert werden und die Einsicht bestehen, dass die hiesigen Bergbahnen eine regionalwirtschaftliche Bedeutung haben. Schließlich muss das Image der Bahnen in der Bevölkerung gut sein und alles zusammen in einem politischen Willen münden. Statt hoher Zinsen für die Banken sehe man den Effekt der Wirtschaftsförderung in der Region, gesicherte Beschneiung und ein besseres Rating für die Bahnen, die somit andere Investitionen vorziehen können, betonte Casutt. Nicht zuletzt steigere sich dadurch die touristische Attraktivität. Umgekehrt wurde die Weisse Arena Bergbahnen AG verpflichtet, über 25 Jahre alle Beschneiungsanlagen zu pachten sowie den Betrieb/Unterhalt der Beschneiungsinfrastruktur auszuführen. Auch Zinsaufwand und jährliche Amortisationskosten müssen die WAB berappen. Andererseits reduziert sich das Fremdkapital durch diese Lösung um 14,8 Mio. Franken.Für Österreich, das in den letzten 10 Jahren 100 Mio. Euro in die Beschneiung investierte, dachte schließlich Helmut Lamprecht laut über einen „Beschneiungscent“ nach und präsentierte verschiedene Wege aus Vorarlberg, Kärnten oder Tirol. Von einem Patentrezept hielt er nichts. Allerdings sei das Bewusstsein der Nutznießer an der „Schneeversicherung“, welche fast immer ausschließlich die Bergbahnen bezahlen, noch nicht genug ausgeprägt. Andererseits müssten sich die Bahnen fragen, ob sie ein Mitsprache-/Einspruchsrecht der Mit-Zahler akzeptieren würden, wie es bei Zuschüssen, Beiträgen oder Förderungen durch Dritte üblich ist?

Wer soll die Beschneiung bezahlen? Die Referenten (v. l.n. r.) Dr. Helmut Lamprecht (GF der Tiroler Fachgruppe der Seilbahnen), Moderator Zegg, Silvia Casutt (Gemeinderätin Flims und Vorstand Weisse Arena AG) und Dr. Jon Domenic Parolini (Gemeindepräsident Scuol) standen anschließend am Podium Rede und Antwort.

Architektur am BergAls Referenten zum zweiten, spannenden Schwerpunkt „Architektur am Berg“ beeindruckten das Publikum:
– Valentin Bearth: „Alpine Interventionen“- Matteo Thun: „Nachhaltigkeit – Gedanken zur touristischen Belastbarkeit im Alpenraum“- Bettina Plattner-Gerber: „Architektur als Wegbereiter für Emotionen und Erlebnisse – das Beispiel Hotel Castell Zuoz“- Manfred Jäger: „Pardorama Bergrestaurant in Ischgl, erbaut auf Permafrost“- Heinz Julen/Christen Baumann: „Orbit 4000 – Revolutionäre Ausbauprojekte auf dem Klein Matterhorn“.Abgesehen von den theoretischen Inputs wurden außergewöhnliche Bauten und Projekte vorgestellt wie das „dreampeak“ auf dem Klein Matterhorn. Die Macher dieser extra-orbitalen Schöpfung, Heinz Julen (Künstler) und Ueli Lehmann (Architekt), sehen darin vor, die bestehende Infrastruktur auf dem „kleinen Bruder des Matterhorns“ mit unterirdischem Zugang zum Gletscherpalast, attraktivem Restaurant sowie Übernachtungsmöglichkeiten zu ergänzen. Die wirklich atemberaubende Neuigkeit des „dreampeak“ liegt jedoch in der Erstellung zweier Aussichtsplattformen, welche mit Vertikalliften erschlossen werden – eine liegt direkt über dem Gletscher, die andere auf einer schwindelerregenden Höhe von 120 Metern über dem Berggipfel auf exakt 4 000 Metern über dem Meer!Ebenfalls außergewöhnlich war das Beispiel „Pardorama“ in Ischgl, das auf Permafrost mittels Hydraulikzylindern errichtete Bergrestaurant, sowie das neue Hotel Castell in Zuoz. Die Vertikale wurde augenscheinlich…

Architekt Manfred Jäger realisierte das Bergrestaurant „Pardorama in Ischgl“ mit großen Glasund Fensterfronten, das auf Permafrost erbaut ist. Es bietet neben einem Bedienungsrestaurant auch einen einzigartigen Kongress- und Veranstaltungsbereich in 2620 m Höhe.

Markendesign und Strukturwandel – Südtirol sticht Graubünden ausDer zweite Forumstag startete mit dem Vortragsblock „Markendesign und Strukturwandel“ und ließ die Funken sprühen! Dabei zeigte sich, dass man als Nachbarn mit denselben Herausforderungen konfrontiert ist.„Beim Strukturwandel ist darauf zu achten, dass die (Dach-)Marke von den Produktträgern konsequent getrennt wird, sagte Christoph Engl, Direktor der Südtiroler Marketing Gesellschaft (SMG), welche unter der Dachmarke Südtirol (mit gebündelten Mitteln) Obst, Milch, Speck und Urlaub verkauft. Engl will mit dem Genussland Südtirol einen Platz in den Top-10- Marken Europas erreichen. Südtirol setzt somit um, was in Graubünden möglich wäre – so die Erkenntnis bei der TFA-Podiumsmdiskussion.Dem gegenüber äußerte sich der Ischgler Alfons Parth, Obmann des fusionierten Tourismusverbandes Ischgl-Paznaun, kritisch zu (Zwangs-)Strukturreformen. Zwar sei dank des Zusammenschlusses mit Galtür, Kappl und See im Paznaun eine Erhöhung der Marketingmittel um EUR 2 Millionen auf EUR 5,5 Millionen möglich geworden, jedoch werde Ischgl dadurch in seiner Entwicklung und als Zugpferd massiv abgebremst.Auch Gerhard Föger, Leiter der Tourismusabteilung des Landes Tirol, forderte, dass bei hoheitlichen Reformen vermehrt auf lokale Werte und bestehende Tourismusstrukturen eingegangen werden müsse. Dennoch glaubt er an den langfristigen Erfolg der Bündelung der Marketingmittel (100 Mio. € für Tirol), zumal Lenkung von oben auch Unterstützung für die Kleinen garantiere.Auch in der Schweiz sind solide Voraussetzungen für einen erfolgsversprechenden Strukturwandel vorzufinden, war Guglielmo Brentel, Präsident von Hotelleriesuisse, in seinem Referat „Warum die Schweizer Hotellerie trotzdem gewinnt“ überzeugt. Die weltbekannte Schweizer Markenlandschaft sei eine einmalige Chance, eine Trendwende bei den stagnierenden Logiernächtezahlen herbeizuführen. Die Tourismusverantwortlichen hätten es nun selbst in der Hand, aus diesen Rahmenbedingungen das Beste zu machen und einen gemeinsamen Nenner (respektive Verkauf) zu finden.Vertical Integration im Tourismus – die neuen Goldgruben Der letzte Vortragsblock war dem Aspekt „Vertical Integration im Tourismus“ gewidmet. Unter diesem Credo stellen viele prominente Referenten ihre Gedanken und Geschäftsmodelle vor – z. B. der Laaxer Querdenker Reto Gurtner seine neue Produktstrategie zur Alpenarena „designed by customers“. Oder Christoph Bründl (GF der Intersport Bründl Gruppe), welcher die Emotionalisierung und Integration im Sporthandel nach dem Motto „no business without showbusiness“ erläuterte. Oder Albert Wyler, der zeigte, wie die Engelberg-Trübsee-Titlis AG neuerdings Skipass, Disco und Zimmerschlüssel aus einer Hand verkauft. Last but not least beschrieb der Forumsgründer Dr. Roland Zegg, wo die neuen Goldgruben des alpinen Tourismus liegen und wie sie entdeckt werden können. In diesem Zusammenhang griff er den hochaktuellen Reisetrend des Cheap&Chic auf und erklärte, woher er kommt und wohin er führt. Eindrückliche Vergleiche von Best-Practice-Betrieben, die schon seit Jahren (nicht zuletzt dank vertikaler Integration) mit Erfolg im Budget-Segment in der Schweiz operieren, würden die Wachstumschancen gegenüber der traditionellen Hotellerie unterstützen. „Die Tourismusberatung grischconsulta sieht in der vertikalen Integration die größten Chancen, das Hochpreisland Schweiz im internationalen Wettbewerb fit zu halten und empfiehlt den Bergbahnen, in Low-Budget-Unterkünfte zu investieren“, schloss Zegg das 17. TFA.Das 18. TFA wird übrigens vom 19. bis 21. März 2007 stattfinden. mak

Positive Stimmung auf der Rekord-ISPO 07 trotz Schneedefizit

Die Münchner Sportartikelmesse ISPO erlebte vom 4. bis 7. Februar die größte Auflage aller Zeiten: erstmals auf dem gesamten Gelände mit 180 000 qm Fläche in 17 Hallen und 64 000 Besuchern (+ 5% gegenüber 2006). Trotz der unbefriedigenden Schneesituation bestätigen diese Rekordzahlen das ungebrochene Interesse des Fachhandels an neuen Trends und konzentrierter Vorbereitung der kommenden Wintersaison.

Winter-ISPO 07, Hauptportal Messe München: trotz eines bis dato schwierigen Wintergeschäftes gab es einen Rekordbesuch und positive Stimmung. Foto: Messe München

Das Fazit von Manfred Wutzlhofer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München GmbH: „Die Stimmung auf der Messe war trotz der schwierigen Wintersaison positiv. Die Hersteller haben sich mit vielen Neuheiten auf die Messe vorbereitet und die Fachbesucher waren an den neuen Trends, Produkten und Kollektionen sehr interessiert. Besonders die neue Innovationsfläche mit Wearable Technologies (tragbare Elektronik in der Mode), ispo Best Ager sowie ispo Award-Gewinnern und Nachwuchsprojekten fand sehr guten Zuspruch. Die ispo-Veranstalter engagieren sich seit Jahren sehr stark im Marken- und Trendscouting und so wurden auch in diesem Winter wieder 50 Auszeichnungen für Produktinnovationen von Fashion-, Hartwaren- und Footwear-Anbietern sowie Designern vergeben. Einige Beispiele seien hier angeführt:

Der Speedrider der Südtiroler Firma Jochum & Nesler, wurde zum Brand-New-Gesamtsieger gekürt. Die neue Sportart ist eine Mischung aus Skifahren oder Snowboarden und Paragliden. Foto: J & S

Beispielhafte Preisträger- BrandNew-Gesamtsieger wurdediesmal das italienische Unternehmen Jochum & Nesler mit dem für hohe Geschwindigkeiten ausgelegten „Speedrider” – ein Mixprodukt aus Gleit- und Fallschirm, mit dem Skifahrer und Snowboarder unzulängliches Gelände künftig einfach überfliegen (!) können. Dank des exzellent duchdachten Brems- und Steuersystems haben sie jederzeit die Möglichkeit, ihr temporeiches Flugmanöver zu beenden und auf die Piste zurückzukehren.- Headzone aus Australien wurde für den „Headgear” ausgezeichnet– einen multifunktionalen Trainingshelm mit eingebautem CBFunk-System, der vor allem das Erlernen von Sportarten, bei denen zwischen Trainer und Schüler naturgemäß eine größere räumliche Distanz liegt, deutlich erleichtert. So können Skifahrer, Snowboarder, Kiter und Surfer die Tipps ihrer Coaches synchron statt im Nachhinein erfahren. In den Augen der Jury stellt die Kombination aus funktionaler Lehrausstattung und zusätzlicher Sicherheit eine längst überfällige Erfindung mit großem Potenzial.- Der weltgrößte Snowboardhersteller Burton bekam den 1. Preis im Boardsports-Award für sein X8-Board, dessen innovative E.S.T.-Technologie eine völlig neuartige Verbindung zwischen Board und Bindung schafft. Das Geheimnis liegt in der verstellbaren, maximal gedämpften Platte, die neben einer besseren Kontrolle und mehr Präzision auch die frühzeitige Abfederung störender Stoßeinwirkungen und Vibrationen garantiert. Die steife Baseplate herkömmlicher Bindungen konnte dies bisher nicht leisten.- Im Bereich Accessoires prämierte die Jury eine von Quiksilver eingereichte topmodische Mütze mit sogenannter d30-Technologie, die im Falle eines Sturzes schmerzhafte Schläge und Stöße abfedert. Im Gegensatz zum Helm ist das aus intelligenten Molekülen bestehende d30-Material extrem leicht und elastisch. Beim Aufprall verhärtet es sich jedoch blitzschnell und schützt damit den Sportler vor Verletzungen. Nach dem Aufprall lösen sich die blockierten Moleküle wieder voneinander, die Mütze erhält ihre flexible Form zurück.- Der ISPO Outdoor-Award im Bereich Technik ging an die ABS Peter Aschauer GmbH. Ihre ABS Vario Line präsentiert sich als anwenderfreundliche Evolution des bewährten Lawinenairbagsystems. Durch die Verschiebung des Sicherheitskonzeptes in das Rückensystem des Gepäckstücks erhält der Träger die Möglichkeit, über ein Reißverschlusssystem Rucksackgrößen unterschiedlicher Packvolumina schnell und komfortabel anzudocken. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass das Sicherheitssystem lediglich einmal angeschafft werden muss.- Beim 5. European Ski Award lieferte im Bereich Hardware Alpy Skies mit dem Ski Enduro den überzeugendsten Beitrag. Die Skikollektion des Schweizer Herstellers zeichnet sich durch einen erheblichen Gewichtsvorteil gegenüber herkömmlichen Produkten aus und eignet sich sowohl für Tourengeher als auch Freerider.- In der Kategorie Bindung entschied sich die Jury für die Race-Bindung „Duke” von Marker, welche den Bedürfnissen der wachsenden Zielgruppe der Freerider entgegenkommt. Extreme Stabilität, maximale Kraftübertragung, uneingeschränkte Gehfunktion und ein auch für extreme Anforderungen ausgelegter Sicherheitsbereich zählen zu den wichtigsten Eigenschaften dieser neuen Freeride-Bindung.- Sympatex erhielt den Preis in der Rubrik Textilien für das Produktionsverfahren Reflexion III, bei dem die Membrane nach der Plasmabehandlung mit Aluminium bedampft werden. Der Effekt: eine optimale Wärmereflektion bei gleichzeitig hoher Strapazierfähigkeit.- Den Preis für den besten Skischuh erhielt in diesem Jahr Atomic für „Hawx”. Das innovative Skischuhkonzept steht für bessere Fahreigenschaften und einen spürbaren Komfortgewinn. Neben der beweglichen Schale im Vorfußbereich sorgen optisch markierte Flexzonen für eine größere Beweglichkeit des Fußes sowie eine deutliche Vibrationsreduktion auf der Piste. Weiters wurde der Neigungswinkel verringert, was einen aufrechten, natürlichen Stand ermöglicht. Dies schont die Gelenke und spart viel Kraft.

Der ISPO Outdoor-Award im Bereich Technik ging an die ABS Peter Aschauer GmbH. mit der Vario Line, einer anwenderfreundlichen Evolution des bewährten Lawinenairbagsystems. Foto: Messe München

Best Ager – neues Umsatzpotenzial durch spezifische ProdukteWie Siegfried Höhne, GF des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. bemerkte, ist in allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten das Gesundheitsbewusstsein sowie der Drang zur sportlichen Betätigung einzeln oder in Gruppen nach wie vor ein fester Bestandteil der Freizeitbeschäftigung. Allerdings werden sich die Schwerpunkte in den Sortimenten ändern, „weil uns die Altersstruktur der Gesellschaft zwingt, dass wir uns mehr mit den „Best Agers” auseinandersetzen und entsprechende Produkte für diese Zielgruppe anbieten. Die aktive 50+-Generation will alle Lebensräume uneingeschränkt nutzen. Dazu muss man sich mit Schlagworten wie Komfort, Bequemlichkeit, Benutzerfreundlichkeit, Service, Beratung, Sicherheit und Design auseinandersetzen. Es lohnt sich, denn diese Altersgruppe hat ein monatlich frei verfügbares Einkommen von 350,– €, was einer überdurchschnittlichen Kaufkraft entspricht. Schon jetzt kommt in Deutschland die Hälfte aller Konsumausgaben aus der Gruppe der Über-50-Jährigen.” Auch diesem Trend trug die ISPO Rechnung mit der 140 qm großen Plattform „Best Ager” in der Innovations-Halle A2” Rechnung.

Der Skischuh Hawkx von ATOMIC wurde beim 5. European Ski Award der ISPO als Gewinner ausgezeichnet. Neben der beweglichen Schale im Vorfußbereich sorgen optisch markierte Flexzonen für eine größere Beweglichkeit des Fußes. Foto: Messe München

Trends Alpinski – Innovationen trotzen SchneemangelDie ISPO präsentierte traditionellerweise das weltweit breiteste Angebot an neuen Skiern, das sich ständig weiter ausdifferenziert. Dabei zeichneten sich gleich mehrere Trends ab: Vorreiter werden wieder die Gewinner der aktuellen Saison sein, Allmountain, vielseitige Multicondition-Skier, Ladyund Freerideskier. Trends in der Taillierung gehen zu mehr Breite, die Radien werden weniger aggressiv bei zunehmend mehr Mittelbreiten. Deutlich wurde die Tendenz wieder hin zu mehr Länge. Der Tourenmarkt wächst weiter und profitiert von Alpinskifahrern. In der kommenden Saison wird die Nachfrage nach kurzen Einsteigerski steigen, nach allgemeiner Breitbandig- und Fehlerverzeihbarkeit. Auch das Angebot an Freeride-Ski und – Bindungen nimmt zu. So fahren Freerider also oft keine „breiten Bretter” mehr, die nur für die fetten Powdertage taugen – sondern auch solche, mit denen kleinere Radien ebenso fahrbar sind.

Fischer liegt nun auch im Bereich Alpin im Trend aufgrund der jahrelangen Innovationskraft und Produktpflege. Im Bild die RX-Serie für Skifahrer auf hohem sportlichen Niveau, die Tempo lieben, in 2 Kategorien: RX Heat und RX Fire. Erstrerer ein All-Mountain-Ski für weite Schwünge, letzterer ein radikales Fun-Gerät für enge Radien. Eine neue Flow- Flex-Bindung haben beide. Foto: mak

Neues KäuferverhaltenEin weiteres interessantes Endverbraucher-Kaufverhalten ist eine zielgruppenorientierte Spezialisierung in die entsprechenden Riding Styles. So bekommt die stetig wachsende Zielgruppe der Allmountain- Fahrer und Back Country Rider neue Ski, die optimale Stabilität und Kantengriff bieten, aber zugleich sehr weich und geschmeidig zu fahren sind. Für die Zielgruppe Freeride und Freestyle wiederum stellt der Ski nicht nur ein Sportgerät dar, sondern zunehmend auch eine Möglichkeit zum Ausdruck eines individuellen Lifestyles. Hier werden vermehrt Ski mit ausdrucksstarken Designs angeboten. Daneben wächst der Bedarf, einen echten Allrounder zu fahren, der viele Riding Styles abdeckt. Eine Nachfrage, die Multicondition-Skiern ein starkes Potential bescheren und mit einer Vielzahl an neuen Skiern abgedeckt wird. Jetzt schon zu sehen ist, dass sich die Polarisierung auch im Handel weiter fortsetzt: Von Preisdiscountern bis hin zu „Ski Boutiques“. Dabei ist ein steigender Trend hin zu jenen kleinen Spezialisten zu beobachten, bei denen der Käufer mehr bekommt als nur Ski: Nämlich Beratung, Feeling, Exklusivität, Zugehörigkeit zu seiner Zielgruppe. Denn zunehmend mehr Kunden legen Wert auf eine individuelle Beratung der persönlichen Bedürfnisse.

Großer Andrang herrschte beim schon traditionellen Wintersteiger-Branchentreff, der diesmal mit^4 Interviews aufgewertet wurde. Foto: mak

Innovationsfeld Lady-SkierFrauen werden als sportliche Fahrerinnen noch ernster als bisher genommen: Statt mit Unisex-Ski berücksichtigt die Industrie den unterschiedlichen Körperschwerpunkt, den völlig anderen Fahrstil und das insgesamt kleinere Kraftreservoir der Frauen. Techniken werden verbessert, man legt klar einen Focus auf Sicherheit und geringeres Gewicht. Völkl schickt dafür etwa die neue Aircoat Hollow Glass Technology mit röhrenähnlichen Hohlglasfasern für eine deutliche Gewichtsreduzierung ins Rennen. Beliebt sind zudem weichere Skikerne bzw. geringer dimensionierte Verstärkungs- und Gurtmaterialien, um eine Durchbiegung der Ski und einen gleichmäßigeren Kantengriff zu erleichtern. Mehr Damenmodelle wird es nun auch in den spezielleren Kategorien geben, wie etwa Freeride, Park and Pipe bis Touren (u. a. K2, G3, Dynastar, Silvretta).

Blick auf die jüngste Maschinengeneration von Montana: Challenge, Diamond und die ganz neue Saphir. Foto: mak

Kinderskier mit mehr TechnologieJetzt bekommen auch Kinder Technologien der „Großen“. Blizzard bringt etwa das neue, komplett integrierte IQ Junior System, eine völlige Integration von Bindung und Ski ohne jegliche Zusatzverbindungselemente und 30 Prozent Gewichtsersparnis. Sie macht die Konstruktion des Kinderskis damit wesentlich dünner – meist sind Kinderski viel zu steif – sorgt damit für eine weiche Durchbiegung und Biegelinie und einen besseren Fahrkomfort. Dass die beste Performance auch erschwinglich sein muss, weiß Head und packt in einige Kinderski der Worldcup-Serie jede Menge Know-how. Eine integrierte Junior Railflex Base Bindung kann dabei mit dem Junior mitwachsen, ohne die Bindung neu bohren zu müssen.Skimode noch stylischer und funktionellerBei den neuen Winteroutfits für die Piste 07/08 lassen sich folgende Trends erkennen:- Das Angebot von Snowwear, Pistencouture und Hightech wächst.- Streetwear-Look auf der Piste mit Naturmaterialien, Nadelstreifen, Rock und Popart.- Spannende Mischung aus Extremsport und goldglänzenden Highlights.- Komfort wird auf Leistung getunt.

Reichmann & Sohn lud zur feierlichen „Enthüllung“ der neuen Belagtuning-Maschinen der PROFI-Linie PROFI S 350, PROFI S 200 und PROFI B 350. Foto: mak

Starkes Engagement der Skiservice-AnbieterDie großen Drei im Bereich Ski-/Boardservice sind mit ihren regelmäßigen Innovationen eine Bereicherung für jede ISPO. Marktführer Wintersteiger zeigte sein komplettes Produktprogramm auf 650 qm Fläche und präsentierte 3 Neuheiten: den Belagreparaturautomat Basejet zum Ausbessern von Kratzern im Belag und die automatische Servicestation „Tunejet” zum Kantenschleifen, Belagstrukturieren und Wachsen. Außerdem bietet Wintersteiger nun dem Fachhandel eine komplette Tuning Tools-Linie für den Wiederverkauf am POS an. Dabei handelt es sich um praktische Handwerkzeuge für den Endverbraucher, um die Sportgeräte zwischen den Services in Top-Zustandzu halten.Neben den Neuheiten ist auch der Branchentreff am ersten Messetag bei Wintersteiger nicht mehr wegzudenken. Bei der heurigen 4. Auflage dieses Events sprachen VIPs aus der Sportbranche wie Christoph Bründl, GF der Intersport-Bründl-Gruppe, Peter Egger, GF Intersport Rent-Network Jungfrauregion oder Kurt Ladstätter, Präsident Rent a Sport Italia, über ihre erfolgreichen Geschäftsmodelle.Montana stellte die neue Maschinengeneration mit Diamond, neuer Saphir und noch leistungsstärkerer Challenge sowie das neue Baukastensystem „Abs Plus” für Mobilar im Verleih aus. Der Service-Roboter Saphir ist für die mittelgroße Werkstatt mit bis zu 40 Paar Ski/Stunde bei 4 Steinkontakten konzipiert. Es können die unterschiedlichsten Strukturen in den Belag geschliffen werden, 30 voreingestellte Programme stehen zur Verfügung. Die Einund Ausgabeposition für den Bediener ist bewusst an der selben Stelle platziert, um einen effizienten Ablauf mit geringen Arbeitswegen zu gewährleisten (weitere Infos vgl. MM 1/07). Neu bei allen Montana-Serienmaschinen der jüngsten Generation ist das Radial Tuning (Option), bei dem die Kante im Schaufel- und Endbereich stärker getunt wird, um den Ski noch drehfreudiger zu machen und insbesondere den Kantengriff unter der Bindung noch zu verbessern.Reichmann & Sohn rückte die neuen Belagtuning-Maschinen der PROFI-Linie PROFI S 350, PROFI S 200 und PROFI B 350 in den Mittelpunkt seines Messeauftrittes.Sie sollen den Service-Experten im Handling, der Schleifqualität und Rentabilität überzeugen. Die österreichische Boarder Cross-Nationalmannschaft vertraut bereits seit diesem Winter dem neuen, noch präziseren Reichmann- Belagtuning für leichtes und kraftsparendes Gleiten. Denn neben dem perfekten Kantentuning gehört die richtige und präzise Belagstruktur zu den entscheidenden Faktoren. Innerhalb weniger Augenblicke sind per modernster Touchpanel-Steuerung diese Strukturen veränderbar und für die Kunden optimiert.Zur Markteinführung zelebrierte Stefan Reichmann gegen Ende des ersten Messetages eine „Enthüllung” der neuen PROFI mit Sektempfang für Kunden bzw. Journalisten und gab u. a. die technischen Highlights wie z. B. die automatische Anpressdruckverteilung für stark taillierte Ski und Boards zum Besten. So erhält jeder Quadratzentimeter Belag die gleiche Strukturpräzision. mak/orf

9. Weltseilbahnkongress der O.I.T.A.F.: Trends, Lifestyle und innovative Seilbahntechnik

Vom 27. September bis 1. Oktober 2005 trafen sich rund 450 Experten aus Europa, den USA, Indien, Marokko oder Hongkong zum 9. Weltseilbahnkongress in Innsbruck. Im Mittelpunkt der Referate und Diskussionen standen dieses Jahr nicht nur technische Highlights, sondern vor allem auch die touristische Entwicklung in den Berggebieten, die eng mit der Seilbahnbranche verbunden ist.

Dr. Horst Kühschelm, Präsident der O.I.T.A.F. Fotos: dwl

In der „Internationalen Organisation für das Seilbahnwesen“ O.I.T.A.F. mit Sitz in Rom sind derzeit 31 Staaten weltweit vertreten. Gegründet wurde sie 1959 in Mailand, wobei sich ihre Mitglieder zum Ziel setzten, „Seilbahnbetreiber, Seilbahnhersteller und staatliche sowie regionale Behörden, aber auch alle im Seilbahnwesen tätigen und interessierten Institutionen und Personen an einem Tisch zusammenzubringen, um die anstehenden Probleme des Seilbahnwesens zu diskutieren“. Dazu werden in regelmäßiger Folge Seminare über technische und wirtschaftliche Themen und alle 6 Jahre der Weltseilbahnkongress organisiert. Entsprechend groß war daher auch das Interesse von Experten und Entscheidungsträgern aus 26 Nationen am diesjährigen Meeting, das in Innsbruck abgehalten wurde. Thematisch wurde zu dieser Veranstaltung der Bogen weiter gespannt als bisher üblich. Dazu Dr. Heinrich Brugger, Generalsekretär der O.I.T.A.F.: „Bei diesem Kongress wurde zum Unterschied zu anderen Tagungen die touristische Komponente besonders  hervorgehoben.Das Organisationskomitee hat im Gegensatz zu den Themen der vorangegangenen Tagungen neben rein technischen Aspekten speziell auf wirtschaftliche Bereiche Wert gelegt, die insbesondere auch die im Tourismus tätigen Experten interessierten. Daher wurden auch all jene Personen angesprochen, die im Bereich der Tourismusorganisationen, in den Gemeinden und überall dort tätig sind, wo es um die Zukunft des Winter- aber auch Sommerfremdenverkehrs in Skigebietsorten geht.“
 
Die Eröffnung der Tagung, die in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch simultan übersetzt wurde, nahmen Ministerialrat Dr. Horst Kühschelm als Präsident der O.I.T.A.F., Österreichs Vizekanzler Hubert Gorbach und Tirols Landeshauptmann Dr. Herwig van Staa vor. Für Innsbruck übermittelte Bürgermeisterin Hilde Zach Grußworte, für den Österreichischen Seilbahnverband Dr. Ingo Karl und für die FIANET Präsident Dr. Sandro Lazzari. Die europäische Einbindung erfolgte schließlich durch den EU-Repräsentanten Daniel Brunch. In ihren Ansprachen hoben sie unisono die Bedeutung der O.I.T.A.F. und ihre Bemühungen hervor, alle Experten zu unterschiedlichen Themen zum Gespräch zusammenzuführen.

Visionen, Trends und Lifestyle erörterten (v. l.) Dr. Erik Wolf, GF FV der Seilbahnen Österreichs, Reinhold Messner, Vizekanzler Hubert Gorbach, Georg Lamp, GF Congress Innsbruck, und Dr. Ingo Karl, Vorstand FV der Seilbahnen Österreichs.

Trends und LifestyleDas Impulsreferat zu dieser Thematik lieferte Reinhold Messner, Grenzgänger, Autor und Bergbauer, der durch viele Erstbegehungen und die Besteigung aller 14 Achttausender seine besondere Beziehung zur Bergwelt aufzeigte. Da die größten Seilbahnhersteller der Welt aus Österreich und Südtirol kommen würden, hätten diese Länder auch eine Vorreiterrolle im verantwortungsvollen Umgang mit den Bergen inne. Grundsätzlich sprach sich Messner dafür aus, all jene Gebiete, die bereits touristisch erschlossen wären, den Gästen auch entsprechend zugänglich zu machen. Großraumerschließungen in unberührten Regionen lehnte er hingegen kategorisch ab.David Bosshart, Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, Zürich, ortete 6 wesentliche Trends:
Information ist überall erhältlich.
Alles wird immer billiger.
Real Time ist überall.
Erfolgsfaktoren sind künftig weiblich besetzt.
Suche nach dem Echten wird wichtiger.
Unterhaltung gibt es überall.

Seilbahnen-Hersteller und -Betreiber stellten interessante Projekte aus Österreich, Südtirol, der Schweiz und Frankreich vor.

Als Konsequenz dieser Entwicklungsspirale näherten sich die Tourismusmärkte immer mehr dem Finanzmarkt an, wobei die immer größere Konkurrenz einen immer größeren Preisdruck erzeuge. In Zukunft werde es daher darum gehen, Kunden als Partner wahrzunehmen und mit Hilfe aller Möglichkeiten immer besser zu unterhalten. Martin Lindstrom, Experte für Markenbildung, New York, präsentierte den Einfluss der Kinder auf Kaufentscheidungen der Erwachsenen. Aus dem gänzlich anderen Blickwinkel, den Kinder haben, entwickelte er ein Jugendmarketing der Zukunft, das vor allem stabile Werte, Humor, Markenironie, Fantasie und Liebe beinhalten müsse. Peter Keller, Staatssekretariat für Wirtschaft/Chefressort Tourismus, Bern, stellte der Anziehungskraft der Berge zwar noch immer ein gutes Zeugnis aus, warnte aber vor dem Verblassen des Mythos. Die Freizeitgesellschaft sei heute hypermobil, daher seien auch Entwicklungen wie der Hang zu immer mehr Attraktionen, der Trend zu großen Unternehmungen oder Tourismus als Teil der Erlebniswirtschaft nicht mehr rückgängig zu machen. Als wichtigen Schritt müsse es in der Zukunft gelingen, den „Traum vom Paradies“ wieder zu erfinden. Andreas Reiter, Future Office, Vienna, untersuchte die Auswirkungen von Freizeit-Trends und Lifestyle auf Skigebiete und kam zum Schluss, dass es künftig eine größere Differenzierung der Skigebiete, ein diversifiziertes Portfolio und eine touristische „Champions-League“ geben werde. Das Motto würde lauten: maximum kicks in minimum time. Dazu würden im Kundensegment Kinder und „Greying Agers“ an Bedeutung gewinnen (vgl. dazu Meinungsinterview auf S. 6 ff.).
Visionen und SkihallenRobert G. Cooper, Product Development Institute Inc., Hamilton, Kanada, stellte in seinem Vortrag die Rolle neuer Produkte & Dienstleistungen für Betriebswachstum und Wohlstand in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Dabei konnte er belegen, dass sich nur die besten Innovationen am Markt positionieren würden, 40 % der neuen Dienstleistungen würden fehlschlagen. Grundsätzlich komme es nämlich  nicht nur auf das Produkt selbst an, sondern auf exakt abgestimmte Rahmenbedingungen und positive Werte, die letztendlich zu größerer Kundenloyalität und höheren Kapitalerträgen führen würden. George Vialle, Transmontagne, präsentierte den SkiDome Dubai als ein Skihallenprojekt der Superlative. Im neuen Teil Dubais platziert, wird man dort nicht nur die Möglichkeit zum Wintersport haben, sondern eine ganze Reihe an Unterhaltungsangeboten nutzen können. So wird es allein auf einer Fläche von 2 400 000 m2 Geschäfte geben, dazu Restaurants und 14 Kinos. Für den Winterbereich hat man eine moderne Beschneiungsanlage gebaut, einen Sessel- und einen Schlepplift und ein modernes Ticketsystem installiert. Die Eintrittspreise decken nicht nur den reinen Zutritt ab, sondern inkludieren Ausrüstung und Versicherung. Berechnet wird mit rund 1,5 Mio. Besuchern im Jahr.

Martin Leitner gab erste Infos zum Bau der Nordkettenbahn in Innsbruck.

Seilbahnsysteme – quo vadis?Als Einstieg in die technischen Themen präsentierten Hersteller und Betreiber 4 interessante Aufstiegsanlagen. Als Leitner-Refer enzprojekt wurde die 2S-Bahn „Piz la Villa“ vorgestellt. Die Vorzüge dieses Bahntypus hatten sich im Vorfeld gegen jene einer EUB bzw. einer Pendelbahn durchgesetzt. Den Ansprüchen der Betreiber kamen dabei die hohe Förderkapazität, die Überbrückung hoher Spannfelder sowie Komfort und Windstabilität entgegen. Als Aushängeschild der Skiregion Savoyen und des Herstellers Poma wurde der „Vanoise Express“ präsentiert, der Les Arcs und La Plagne miteinander verbindet. Diese Pendelbahn punktet mit der Realisierung von zwei unabhängigen Strecken, die im einspurigen Pendelbetrieb geführt werden. Schlüsselpunkte in der technischen Durchführung waren die Anordnung der Seile, die Gestaltung der Stationen und doppelstöckigen Kabinen sowie das integrierte Bergesystem, deren Rückführungsbetrieb durch einen 3. Antrieb sichergestellt wird. Für Garaventa schickte man die Kombibahn 4 MGD/4 CLD Alt St. Johann – Selamatt ins Rennen. Die Betreiber wissen hier zu schätzen, dass die Wahl der Fahrbetriebsmittel je nach Witterung erfolgen kann und damit eine optimale Steuerung der Gästeströme möglich wird. Kitzbühel und Doppelmayr wussten mit der Weltneuheit 3S-Bahn zu überzeugen, die 2 Skigebiete verbindet und ein Tal überquert. Mit dieser Bahn wurde extremen Geländeanforderungen Rechnung getragen, dazu konnte eine ganze Reihe technischer Gustostückerl wie Kabine mit Glasboden, die Überbrückung eines 2 500 m langen Spannfeldes oder ein innovatives Bergekonzept realisiert werden. Wohin die technische Entwicklung geht bzw. welche Projekte gerade realisiert oder geplant werden, zeigten die Leitnergruppe und Doppelmayr/Garaventa in einem kurzweiligen Projektquerschnitt. Für Leitner steht die Nordkettenbahn zur Realisierung an, die in 3 Sektionen gebaut werden wird. Als Beispiel einer urbanen Bahn hatte Martin Leitner Daten und Fakten zur 2S-Bahn Hongkong mitgebracht. Dazu gab es einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungsschritte kuppelbarer Leitner- Anlagen sowie einen Blick auf die Mini-Métro, die gerade in Perugia fertig gestellt w ird. Poma präsentierte den fixgeklemmten 4er-Sessellift der Skihalle Dubai, der über eine interessante Winkelstation mit innovativem Klemmenkonzept verfügt. Dazu waren die unterschiedlichen Anforderungen im Bereich von Bahnmodernisierungen und als Beispiel einer urbanen Bahn die „MetroCable Medellin“ in Kolumbien Thema.
Doppelmayr/Garaventa gewährte Einblick in das Bergesystem der 3S-Bahn in Kitzbühel, das auf einem Abschleppen der Kabinen  zur Station beruht. Um das zu gewährleisten verfügen Berg- und Talstation über je 2 Bergewagen mit 2 Bergewinden. Der Antrieb, der im Tragegerüst platziert wurde, erfolgt mit eigenem Dieselmotor. Ausgesprochen erfreuliche Verkaufserfolge kann die Sitzheizung für sich verbuchen. Nach der Einführung und Erprobung bei 5 Sesselbahnen in Vorarlberg, kann man schon nach der 1. Saison eine beachtliche Nachfrage verbuchen: Österreich 17 Realisationen, Schweiz 1, Slowakei 1, Rumänien 2, Korea 2. Hinterfragt wurde dazu die Praxistauglichkeit einer neuen Brandschutznorm prCENTR, die kein Kunststoff erfüllen könne. Dazu stellte Dipl.-Ing. Christoph Heidegger Versuche mit CEN-konformen Rollenbatterien und das Rope Position Detection-System (RPD) vor. Dieses System ist in der Lage u. a. einen Seilverlauf aus der Rille, eine verlorene Rolle oder eine Seilentgleisung über den Fangschuh zu erkennen, sodas s der Bahnbetrieb rechtzeitig gestoppt werden kann. Installiert wurde das System mittlerweile 62 Mal. Schließlich stellte Alessandro D’Armini noch eine Idee seines Vaters, Prof. Ing. Pietro D’Armini, vor: eine Seilbahn über die Straße von Messina, als Verbindung zwischen Sizilien und dem italienischen Festland. Neben den technischen Herausforderungen würde das Projekt zwar mit einem finanziellen Aufwand von 47 Mio. Euro zu Buche schlagen, doch wäre diese Seilbahn „nicht nur eine der beeindruckendsten Touristenattraktionen, sondern auch ein Musterbeispiel der Möglichkeiten heutiger Technik“.dwl

Mit der Marke zur Nr. 1

Zum 5. Mal ging es beim Mountain Management-Symposium – diesmal in Tirols Skidimension Serfaus-Fiss-Ladis – um die Attraktivitätssteigerung unserer Wintersportgebiete. Als Tagungsmotto wurde „Mit der Marke zur Nr. 1“ gewählt. Die praxisnahen Inputs fanden großen Anklang bei den ca. 50 Teilnehmern aus 23 Destinationen (A, CH, D, I), vor allem jener vom Nürnberger Markenstrategen Klaus-Dieter Koch.

Mike Partel von Mountain Management beim Eröffnungsreferat. Fotos: mak

Mike Partel, GF vom Veranstalter Mountain Management Consulting, übernahm mit seinem Vortrag „Wer sind unsere künftigen Kunden – was erwarten sie von uns“ die umfassende Einführung. Wesentliche Aussagen hat MM bereits in der letzten Ausagabe (S. 40/41) publiziert. Es gibt aber noch weitere interessante Statements von Partel. Etwa, dass sich seit dem 1. MM Symposium in Laax vor 8 Jahren die Schwerpunkt-Themen im Marketing kaum verändert haben, obwohl sehr viel geschehen ist – sei es im Hardware-Bereich (Bahnen, Pistenpräparierung, Schneeerzeuger), bei der Gastronomie (Teil der Wertschöpfungskette heute, es wird kaum mehr verpachtet), im Bereich Fun & Action (Halfpipes, Nachtpisten, Events) oder im Customer Service/ Ticketing.

John Rice, CEO vom Wintersportgebiet Sierrra-at-Tahoe, sprach über „New Dimensions“

Status Quo der HerausforderungenDie derzeitige Situation definierte Partel so:
Erfolg wird zunehmend eine Frage der Originalität;
Wer die Nähe zum Kunden hat, gewinnt;
Bei den Silver Agers (50+) verstärkt auf Info setzen;
Im Urlaub wird immer mehr gespart. Die Aufenthaltsdauer ist von 18,2 Tage auf 12,8 Tage/Jahr in 25 Jahren gesunken; Ein Urlaubstag darf nicht mehr als 76 €/Person kosten;
Neue Senioren wollen keine „Inline-Skater mit Stützrädern“ sein, sondern brauchen eine eigene Erlebniswelt;
Man muss jede Saison etwas Neues schaffen. Die Umsetzungsgeschwindigkeit muss erhöht werden, daher schnelle Entscheidungen treffen;
Neukunden sagen uns mehr über die Qualität am Berg als Stammkunden;
Verstärkung der Eigenwerbung im Skigebiet ist wünschenswert.
Ein „Zukunftsteam“ gründen, das den Prozess der Weiterentwicklung vorantreibt;
Weiterhin gültig: wir müssen unsere Leistungen besser verkaufen.

Klaus Koch von „brand:trust“ aus Nürnberg war der Star des Symposiums mit seinem Marken-Vortrag und Workshop.

Sommer-Hoffnung Nordic WalkingPartel präsentierte weiters zentrale Ergebnisse der großen Wintersportumfrage 04/05 für Falk (abrufbar unter www.falk.de) über die Bekanntheit österreichischer und schweizer Skigebiete sowie Erwartungen an diese und die Studie „Sommerurlaub in Österreich“ vom BM für Wirtschaft (2003), beide am deutschen Markt durchgeführt. Letzterer habe vor allem dann eine Chance, wenn er trendig positioniert werde, so Partel, das beginne bereits beim Outfit. Das eigene Körpererlebnis in der Natur werde wieder als attraktiv empfunden und verstärkt gefragt. Sichtbar sei dies vor allem am Trend Nordic Walking. 6,5 Millionen Deutsche seien bereits Walker plus zusätzlich 2 Millionen Nordic Walker, 10 Millionen zeigten Interesse an diesem Sport. Es handle sich also nicht um einen Kurztrend, sondern um einen Massensport, der auch ideal für „Wiedereinsteiger“ sei, zitierte Partel die Studie. Und ergänzte: „Was heißt das für uns am Berg? Kooperationen mit Anbietern, Sportfachhandel, Coaching, Schulen suchen und neue Strecken anbieten. Vielleicht ein neuer Job für Skischulen im Sommer? Hier ist jedenfalls noch Substanz drinnen.“
Erfolgsbeispiel „Tirols Skidimension“Das Beispiel einer der neuen erfolgreichen Marken am Alpinmarkt demonstrierte hierauf der Bürgermeister von Fiss und Aufsichtsrat der Bergbahnen, Mag. Markus Pale, anhand der Entwicklungsgeschichte von „Tirols Skidimension“. Trotz des steilen Aufschwunges nach dem Zusammenschluss mit Serfaus 98/99 habe Fiss (900 Einwohner, früher 550) seine Dorfstruktur bewahrt und werde diese schützen. Der Zusammenschluss wurde von den Stammgästen honoriert, alle haben davon profitiert, so Pale. Man spricht jetzt optisch eine einheitliche Sprache am Plateau und legt den Fokus eindeutig auf Familie und Kinder (Sieger im Falk-Skiatlas 2005!). Sehr wesentlich ist die gute Kooperation unter den einzelnen Partnern Bergbahnen, Skischulen, Gemeinden und Hotellerie. Das Skierlebnis wird von innovativen und niveauvollen Dienstleistungen getragen. Dazu gehören auch gute Pistenrestaurants. Deshalb investiert „Tirols Skidimension“ jährlich in diesem Bereich. Heuer kommen z. B. in Fiss an der Mittelstation der Sonnenbahn beim Kinderland  as Restaurant „Sonnenburg“ und in Serfaus auf dem Komperdell die „Lounge“ dazu. Die Strategie lautet: Stärken noch verstärken! Dafür hat die Region in den letzten 7 Jahren viel Geld in die Hand genommen: insgesamt 54,5 Mio. Euro! Andererseits sind im selben Zeitraum die Nächtigungen von Jänner bis April um über 32 % gestiegen (Ergebnis in absoluten Zahlen/Jahr Fiss: 640 000, Serfaus: 800 000). Keinen Zweifel ließ Mag. Pale daran, dass sich diese Marke kontinuierlich weiter entwickeln wird – und dass sie von der Zusammenarbeit aller lebt!
Der Weg von Sierra-at-TahoeEin amerikanisches Beispiel über „New Dimensions“ brachte John Rice, CEO vom Wintersportgebiet Sierrra-at-Tahoe. Zunächst stellte er den US-Markt vor (ca. 57 Mio. Besuche/Jahr, die unabhängigen Top 50 gehören 4 oder 5 Unternehmen, bedeutende Initiativen der NSAA wie Sicherheit/Umwelt, Verbesserung der Ausfallsquote von Neueinsteigern etc.). Dann beleuchtete er die Marke Sierra-at- Tahoe näher. Eine Marke sei ein Produkt mit einer Persönlichkeit, Wintersportanlagen werden heute zu „biedermeierlich“ geführt. Es gelte, charakteristische Eigenschaften zu entwickeln, nachzuforschen, wer man sei, und dem gegenüberzustellen, was die Gäste wollen. Die Persönlichkeit der Marke ergibt sich aus der Ausrichtung auf den Gast. Dazu gehören
Freundliches Personal,
Gefühlston,
Programme für erfolgreiche Reklamation (No Fault-Systeme, d. h. Verschulden spielt keine Rolle),
Wertangebot (teuer oder preisgünstig,
Treueprogramme („Frequent Skier“ werden mit Prämien belohnt, oder für zurückgelegte Höhenmeter auf Skiern),
für „Mitglieder“ reservierte Anstellschlangen!
Jugendliche, frische Ausstrahlung.

Wichtiger Bestandteil des MM-Symposiums sind immer die angeregten Diskussionen in den Pausen wie hier beim Mittagessen im neuen Fisser Bergrestaurant „Bergdiamant“.

Den Kunden belohnenSierra-at-Tahoe hat sich vor allem durch ein bahnbrechendes Programm im Kundenbeziehungsmanagement, seine jugendliche Unkompliziertheit, preisgünstige Tarife und Treueprogramme einen Namen gemacht. Wichtig sei es, markengerechte Erfahrungen quer durch alle Geschäftssparten des Skigebietes zu garantieren! Die Verbesserung der Marke bringt außerdem mehr Schnupperskifahrer hervor, die man behält, wenn man unter ihnen Verbindungen schafft, Ermäßigungen und Bonus-Möglichkeiten anbietet. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn „Belohnte Mitarbeiter mit gestärktem Selbstvertrauen für zufriedene und wiederkehrende Kunden sorgen. Sie sind die Triebfeder hinter dem Gewinn“, sagte Rice.
Mit Markenführung zum ErfolgIn das Zentralthema des MM-Symposiums, Theorie & Praxis der Markentechnik, führte Klaus Dieter Koch von Brand Trust (Nürnberg) das Publikum mit Begeisterung. Um eine Marke zu werden, brauche man 10 Jahre Zeit, das lasse sich auch mit viel Geld-Einsatz nicht wesentlich verkürzen (siehe die künstlich aufgeblähten Mobiltelefon-“ Marken“), so Koch. „Man muss für irgendetwas die Nummer 1 sein, die meisten wollen für zuviel stehen. Man sollte daher keine irrelevanten Botschaften senden. Starke Marken brauchen starke Grenzen.“ Koch sah bei den Bergbahnen noch etliche brachliegende Super-Inhalte wie z. B. die ständige Kontrolle/ Überwachung der Technik oder den kostenintensiven Hardware-Einsatz bei Pistenpräparierung und Beschneiung. Solche Fakten müsse man noch viel mehr kommunizieren, um die Unternehmensleistung erkennbar zu machen. Und um sich über die Leistung zu unterscheiden, nicht über den Preis! „Eine Marke ist nichts anderes als der verdichtete Ausdruck einer spezifischen Unternehmensleistung. Diese funktioniert sozusagen wie ein Leistungsspeicher und gibt ein Versprechen über die gleichbleibende Qualität. Gleichzeitig bietet sie dem Konsumenten Sicherheit und Zeitersparnis, da das ständige, aufwändige Ausprobieren entfällt.“ Nur mit Markenführung kann man sich im Verdrängungswettbewerb erfolgreich behaupten (mehr von Klaus Koch im nächsten MM)!
Erhebung von Markenstatus für SkigebieteDI Johann Füller von der Hyve AG (München) ergänzte o. a. Vortrag mit seinem Beitrag über „Online- Erhebung des Markenwertes von Skigebieten“. Filler stellte einige Methoden und die Abwicklung über Hyve vor. Ergebnisse könne man auch auf der eigenen Homepage ausschlachten, z. B.: diese Region wurde mit 8,5 bewertet (Skala von 0–10). Die Kosten für eine Einmalerhebung pro Marke beginnen bei ca. 10 000 Euro.

Urs Grimm, neuer Geschäftsführer von Ski-Data, entführte das Publikum in die Zukunft des Ticketings.

Beispiele führender Industrie-Marken der BergbahnbrancheDie vier Sponsoren des MM-Symposiums, CSA, Doppelmayr, Kässbohrer und SkiData trugen schließlich auch das ihre bei, um die Kraft der Marke zu demonstrieren. Doppelmayr gab einen Überblick über seine Pionierleistungen früher/heute und präsentierte das jüngste Beispiel „Sitzheizung“ im Detail. Kässbohrer-Geschäftsführer Gebhard Schwarz sprach über „Servicemarketing“ beim PistenBully und die Strategie der Nachhaltigkeit. SkiData’s neuer Geschäftsführer Urs  Grimm zeigte anhand der neuen System-Generation „Freemotion“ die Zukunft im Ticketing auf (Zutritt ohne Drehkreuz) und die Innovationskraft des Salzburger Unternehmens vor. Die neuen Ansätze dienen bereits einem Destination Management, durch das Marktanteilsverluste des Alpintourismus aufgehalten werden sollen. Zu guter letzt stellte „Hubsi“ Huber von der CSA GmbH Schruns das nunmehr erweiterte Produkt für „365 Tage Bergerlebnis“ vor, den NTC Blue Day bzw. NTC Vital und NTC Multimedia. Diese Programme definieren das Erleben von Berg und Natur völlig neu – unabhängig davon, wie körperlich fit die Teilnehmer sind. Von Fun-Sportaren bis zu Multimedia-Weiterbildung, vom Erlebnistag für Schulen, Firmen oder Vereine bis zur Gesundheitswoche. Somit war auf diesem Symposium für jeden etwas dabei.mak