DOPPELMAYR: Neue Wildspitzbahn am Pitzaler Gletscher: Höchste Seilbahn Österreichs – eine Glanzleistung

Am Pitztaler Gletscher ging mit der 8 EUB Wildspitzbahn von Doppelmayr im Oktober Österreichs höchste Seilbahn auf 3 440 m sowie das höchste Bergrestaurant und Café in den Ostalpen in Betrieb. Architek­tonisch spektakulär gelöst, bietet das bisher aufwändigste Projekt der Pitztaler Gletscherbahn eine Ganzjahresattraktion mit Ausblicken, die normal Extrem-Kletterern vorbehalten sind.

Tirols höchster Gletscher wird mit der neuen Bahn und dem „Café 3 440“ eine ganzjährige Attraktion im Pitztal schaffen, die den Besuchern Ausblicke ermöglicht, wie sie gewöhnlich nur Extrembergsteiger erleben. Fotos: Frener & Reifer (5)

Das wohl aufsehenerregendste Projekt im alpinen Tourismus konnte termingerecht fertiggestellt werden. Höchste Präzision und Konzentration aller Professionisten waren auf Österreichs höchster Baustelle gefragt, um die technisch innovative neue Wildspitzbahn und das Café 3 440 in spektakulärer Lage unter außergewöhnlichen Bedingungen zu realisieren. Denn das Zeitfenster für den Bau in dieser extremen Lage ist aufgrund des wechselhaften Wetters, der Höhe und der eisigen Beschaffenheit des Bodens denkbar knapp. Hier ist höchste Ingenieurskunst gefragt, welche Melzer & Hopfner, das Architektenteam von Baumschlager Hutter Partners, Hoch-Tief-Bau Imst (HTB) und die aste.weissteiner ZT GmbH. Innsbruck auch tatsächlich ablieferten. „Der Wettbewerb der Destinationen und Skigebiete ist intensiv“, erklärt Stefan Richter, Marketingleiter der Pitztaler Gletscherbahn. „Unser Ziel ist es, nicht nur mitzuhalten, sondern auch neue Akzente zu setzen. Die Investitionen der letzten Jahre sind die Grundlage für unsere touristische Weiterentwicklung. So können unsere Gäste neue Servicemaßstäbe erleben.“ Für Tirols höchsten Gletscher soll die neue Attraktion ein Besucherplus von mehr als zehn Prozent bringen. „Zudem wird das Image und der Bekanntheitsgrad der gesamten Region Pitztal dank der neuen Bahn und der damit verbundenen Höhepunkte nachhaltig gesteigert und positiv aufgeladen“, ist Dr. Hans Rubatscher, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn, überzeugt.

Für Dr. Hans Rubatscher – im Bild mit Architekt Carlo Baumschlager – wird dank der neuen Bahn das Image und der Bekanntheitsgrad der gesamten Region Pitztal nachhaltig gesteigert und positiv aufgeladen.

Gletscherarchitektur auf 3 440 Metern
Geringe Aufstandsflächen, steil abfallende Bergseiten und die extreme Höhenlage mit entsprechender Sonneneinstrahlung, Wind sowie die dünne Luft schränken die Spielräume stark ein. Für Architekt Carlo Baumschlager (Dornbirn) war das Projekt eine faszinierende Herausforderung: „Der Ort und seine Umgebung sind mächtig und in höchstem Maße beeindruckend. Die architektonische Skulptur, und nur darum geht es, muss hier höchstmögliche Qualität erreichen. Die hochalpine Welt ist eine außerordentliche Herausforderung für den, der ihr Gebautes hinzufügen möchte.“ Eine gemeinsame Konzeption von Seilbahnplaner und Architekt brachte letztlich die Lösung. Die Trasse der neuen Kabinenbahn wurde nur im unteren Bereich neu angelegt. Alle übrigen Baumaßnahmen erfolgten auf bereits bestehenden Trassen. Auch die Bergstation sowie das Café wurden auf die bisher existierenden Fundamente der alten Bahn aufgesetzt.
Herausgekommen ist schließlich eine spektakuläre Architektur am Berg mit Stahlbetonunterkonstruktionen und räumlichen Stahlfachwerken als dreidimensional-gekrümmte Hüllen und einer weit auskragenden Terrasse in Richtung Wildspitze. Die Architektur der neuen Wildspitzbahn besticht durch ihre außergewöhnliche Form in Verbindung mit der harmonischen Integration in die Pitztaler Gletscherwelt. Tirols höchster Gletscher bietet damit eine ganzjährige Attraktion, die den Besuchern Ausblicke ermöglicht, wie sie gewöhnlich nur Extrembergsteiger erleben. Das von einer Glasfront umrundete „Café 3 440“ mit 116 Sitzplätzen auf 140 m2 Fläche in einer Lounge-Atmosphäre samt einer freischwebenden Terrasse mit weiteren 50 Sitzplätzen kann künftig von Ausflüglern und Bergfexen im Sommer als auch im Winter besucht werden. Ein Café in dieser Höhe – Motto: Heiße Milch auf ewigem Eis – hat es in Österreich bisher noch nicht gegeben!

Im Oktober ging Österreichs höchste Seilbahn auf 3 440 Meter und zugleich das höchste Bergrestaurant und Café in den Ostalpen in Betrieb.

Höchste Ingenieurskunst
Für die kompletten Baumeisterarbeiten mit 12 Streckenfundamenten und die Bergstation samt Restaurant sowie gesamte Rohrleitungs- und Kabelverlegung für Beschneiung und Lift plus Abwasserentsorgung des Restaurants zeichnete die Hoch-Tief-Bau-Imst GmbH verantwortlich.
Als große Herausforderung bei dieser Baustelle bezeichnete Oberbauleiter Ing. Dietmar Mair die Logistik (LKW-Transport tlw. über Gletschereis!), das Wetter – die Baustelle musste mehrmals auf Grund von Schneefällen und/oder Wind eingestellt und am nächsten Tag geräumt werden – die sehr kurze Bauzeit von Mitte Mai bis Mitte Juli und das für alle Geräte steile Gelände bei der Verlegung der Versorgungsleitungen. Das heißt, in einigen Abschnitten musste die Rohre und Kabel von den Arbeitern von Hand und angeseilt verlegt werden. Es wurden gleichzeitig 4 Schreitbagger (Kaiser) und 4 Kettenbagger (über 25 to) eingesetzt. Der Graben wurde großteils aus dem Fels gesprengt. In einigen Abschnitten wurden die Leitungen mit Anker auf den Fels montiert.
Der benötigte Beton (1 700 m3) wurde von HTB selbst mit einer Mischanlage vor Ort gemischt. Zur Bergstation wurde der Beton sowie Bewehrung und andere Materialien mit der vom der Gletscherbahn zur Verfügung gestellten Materialseilbahn transportiert. Die Stützenfundamente wurden mit dem Hubschrauber betoniert und versorgt.
Das Personal – seitens HTB waren zu Spitzenzeiten bis zu 40 Mann auf den verschiedenen Baufelder – wurde mit den Pistengeräten vom Auftraggeber zu den einzelnen Baufeldern gefahren. Der Kabel- und Rohrleitungsgraben wurde ebenfalls mit Hubschrauber und teilweise mit der Materialseilbahn beliefert.

Höchste Präzision und Konzentration sind in dieser extremen Lage aufgrund des wechselhaften Wetters, der Höhe und der eisigen Beschaffenheit des Bodens besonders gefragt. Foto: HTB

20 Mio. Euro Investition
Die Wildspitzbahn und das neue „Café 3 440“ gelten mit einer Investitionssumme von etwa 20 Mio. Euro als das aufwendigste Bauprojekt der Pitztaler Gletscherbahn, die in den vergangenen sieben Jahren insgesamt über 50 Mio. Euro in die Skigebiete Pitztaler Gletscher und Rifflsee investiert hat. Acht Personen werden künftig in den 61 hohen CWA-Gondeln mit Sitzheizung Platz finden. Sie gelangen von der ebenfalls neuen Talstation auf 2 840 m beim Gletschersee auf den 3 440 m hohen Hinteren Brunnenkogel, um Naturschneepisten oder einfach nur die Aussicht zu genießen. Die Gondeln werden die über zwei Kilometer lange Strecke und 600 Höhenmeter in nur fünf Minuten und 40 Sekunden zurücklegen. Eine Weltneuheit der 8er Gondeln ist, dass die Ski und Snowboards mit in das Fahrzeug genommen werden, was das Ein- und Aussteigen wesentlich erleichtert. „Die Wildspitzbahn transportiert 2 185 Personen pro Stunde, damit wird sich die Transportkapazität verdoppeln“, so Stefan Richter. Somit gehören Wartezeiten und Stehplätze der Vergangenheit an.

Ein Abschnitt des Kabel- und Rohrleitungs­grabens, der händisch auf dem Fels montiert werden musste. Foto: HTB

Technische Daten 8 EUB Wildspitzbahn
Höhe Bergstation: 3 440 m
Höhe Talstation: 2 849 m
Förderleistung: 2 185 P/h
Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s
Schräge Länge: 2 008 m
Höhenunterschied: 591 m
Mittlere Neigung: 30,8 %
Größte Neigung: 53,28 %
Fahrzeit: 5,67 min
Fahrbetriebsmittel: 61 Stk. 8er Gondeln
Folgezeit Fahrzeuge: 13,18 s

Die Baustelle war eine große Herausforderung. Im schwierigen Gelände wurden sogar gleichzeitig 4 Schreitbagger von Kaiser eingesetzt. Foto: HTB

Motorleistung:
– Betrieb: 614 kW
– Anfahren: 756 kW
Stützen: 12
Seil Dm: 54/6 x 36/2160 ´

Das von einer Glasfront umrundete Café bietet innen 160 Personen Platz, 50 weiteren auf einer freischwebenden Terrasse.

Professionisten
Technische Gesamtplanung
und Hochbau Tal:  Melzer & Hopfner IngenieurgesmbH
Hochbau Bergstation und
Architektur gesamt: Baumschlager Hutter Partners, Dornbirn
Bahntechnik: Doppelmayr
Elektrotechnik: Siemens
Gondeln: CWA (CH)
Seil:   Fatzer (CH)
Örtliche Bauleitung: DI Christoph Neier

Openair-Terrasse oder variabler Wintergarten: ZOOM ROOM – das innovative Raum-Cabrio

Seit kurzem wird die Openair-Gastronomie durch ein neues geniales System bereichert: den ZOOMROOM. Mit einem Handgriff lässt sich eine Terrasse in einen geschlossenen Wintergarten verwandeln – und das barrierefrei ohne Bodenschiene! Dieses praktische und auch formschöne Raum-Cabrio mit Sicherheitsglas ist ein Umsatzgarant im Aprés-Ski Bereich.

Erich Mayr, CEO RUNNERSFUN Consulting, Gmunden: Tourenskigehen: Bedarf sucht Angebot

Runnersfun aus Gmunden (OÖ) ist spezialisiert auf die Errichtung von Outdoor-Anlagen für Tourismus, Sport, Fitness und Gesundheit, die mit „Bewegungserlebnis“ zu tun haben. GF Erich Mayr kann bereits auf über 200 Projekte zurückblicken, wobei das Jüngste für Tourenskigeher konzipiert wurde. Für Mayr ist dieser boomende Trendsport eine Chance, wieder mehr Menschen für Fitness und den alpinen Wintersport zu begeistern – falls es gelingt, professionelle Strukturen für eine neue Wertschöpfungskette aufzubauen.

Paul Günther, Aufsichtsratsvorsitzender BB Pillersee: Unsere Tourenski World ist eine Win-Win-Situation für alle

Die Bergbahn Pillersee betreibt ein kleines aber sehr feines Familien-Skigebiet in den Kitzbüheler Alpen, dessen 22 km Pisten sich über die Orte St. Ulrich, St. Jakob und Hochfilzen erstrecken. Bei der Talstation der 4SB Buchensteinwand befindet sich sogar Tirols zweitgrößter BOBO-Kinderpark! Die Zukunft sieht man hier aber nicht nur beim Nachwuchs, sondern u. a. auch im zunehmenden Trend des Tourenskigehens. Wir sprachen mit Paul Günther über die Erfahrungen mit seiner neuen „Tourenski World Pillerseetal.“

Paul Günther, Aufsichtsratsvorsitzender BB Pillersee Foto: Runnersfun

MM: „Herr Günther, schildern Sie bitte zunächst Ihren Werdegang in die Seilbahnbranche und alle sonstigen Funktionen.“Günther: „Ich betreibe seit 40 Jahren das Intersport Fachgeschäft Günther in St. Ulrich, das bis heute ständig weiter entwickelt wurde. Von 1980 bis 1995 war ich auch Skischulleiter in unserer Region und wechselte 1996 zur Bergbahn Pillersee, wo ich schließlich im Jahr 2000 als Hauptverantwortlicher die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden übernommen habe (als GF agiert Manfred Bader). Außerdem war ich viele Jahre Gemeinderat und 6 Jahre Vizebürgermeister. Die Bergbahn mit ihren 8 Aufstiegsanlagen (2 Vierersessel und 6 Lifte) ist im Besitz von 44 Gesellschaftern, wobei ich mit 82 % der Mehrheitseigentümer bin.“MM: „Wie ist euer Skigebiet positioniert, welche Zielgruppen bedient ihr?Günther: „Wir sind ein Familienskigebiet mit einer Skischaukel zwischen den Orten St. Ulrich, St. Jakob und Hochfilzen. Man kann also bei uns von der Schattenseite auf die Sonnenseite fahren und retour. Im Tal unmittelbar neben dem Parkplatz befindet sich auf 20 000 m2 Fläche der zweitgrößte BOBO-Kinderpark Tirols sowie das Gasthaus Buchwandblick. Diese Platzierung sowie der gesamte Hochleiten-Hang ist also ideal für Anfänger und da auch das Restaurant auf der Bergstation zur Bergbahn gehört, ist bis zum Sportshop alles in einer Hand! Wir bieten aber auch rasante Abfahrten und eine permanente Rennstrecke. Weiters spielen bei uns die Sportarten Langlaufen (110 km regionales Loipennetz) und Tourenskigehen eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund gehen auch vom Parkplatz die Loipen weg sowie seit vorigen Winter die Aufstiegsstrecken für die Tourenskigeher.“

Ski Buchensteinwand: das klassische Familienskigebiit im Pillerseetal. Fotos: BB Pillersee (3)

MM: „Ihr habt ja letzten Winter sogar eine komplette ,Tourenski-World‘ installiert! Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschieden?“Günther: „Ich bin einerseits selbst ein begeisterter Tourengeher und andererseits durch meine Sportgeschäfte permanent mit der Thematik konfrontiert, dass viele Kunden Tourenausrüstung kaufen und dann natürlich auch z. B. auf die Buchensteinwand gehen wollen – Verbote wären hier kontraproduktiv. Aus dieser Problematik heraus machte ich mir Gedanken, wie ich dem Konflikt entgegenwirken könnte. Ich bin mehrmals selber aufgestiegen und habe mir dabei überlegt, wo man eine Aufstiegsspur anlegen könnte, die den Liftbetrieb nicht stört. Während dieses Prozesses wurde die Firma Runnersfun auf uns aufmerksam und hat die Problematik übernommen bzw. meine Vorschläge sehr professionell umgesetzt. Das war absolut notwendig, denn nur dadurch ist z. B. ein Folder entstanden und Sponsoren konnten gewonnen werden, was wiederum ein optimales Marketing ermöglichte. Wir sind also im Gegensatz zu anderen Gebieten den Weg der Problemlösung gegangen. Außerdem betreiben wir wie o. e. das Berggasthaus auf 1 556 m und erzielen dabei eine Umwegrentabilität mit den Tourenskigehern.Die Lösung sieht konkret so aus, dass die Leute täglich bis 16 Uhr während des Liftbetriebes aufsteigen und dann auf irgendeiner Abfahrt ins Tal fahren können – sei es auf der präparierten Piste oder im Freigelände. Zweimal pro Woche, Dienstag und Freitag, gibt es den Tourenabend, an dem die Berggastronomie bis 22 Uhr geöffnet ist und die Tourenskigeher mit Stirnlampen die im Plan ausgewiesenen bzw. markierten Routen auch nach 16 Uhr begehen können. Als Abfahrt steht allerdings nur die Piste Nr. 3 zur Verfügung. Dies wird extra offen gehalten und als letzte präpariert. Diese Taktik hat letzten Winter bereits super funktioniert!“MM: „Gibt es noch weitere Beweggründe als den Interessenkonflikt zu lösen?“Günther: „Es geht uns sehr wesentlich darum, keine Gruppe auszuschließen. Man hat ja diese Leute bereits im Gebiet oder im Sportgeschäft, dann soll man mit ihnen auch etwas Konstruktives anfangen. Die erste Werbung ist bereits, dass diese Kunden schon im Sportgeschäft erfahren: der steht hinter uns! In Folge konsumiert dieses Klientel auch gerne in unseren beiden Gaststätten – das ist allgemein ein ,Muss‘ bei jeder Skitour. Zusätzlich ist angedacht, eventuell eine Tourenkarte zum Preis von ca. 9,90 Euro/Tag aufzulegen. Diese beinhaltet die Benützung der Infrastruktur (Parkplatz, Toiletten etc.) sowie zwei Wiederholungsfahrten am Berg mit dem Gipfellift (4er Sessel) und ein Getränk im Berggasthof Buchensteinwand. Allerdings besteht keine Verpflichtung zum Kauf einer solchen Karte, die Sache beruht auf freiwilliger Basis. Wer nur einmal hinaufgehen will und z. B. keine Liftfahrten oben konsumieren will, um dadurch noch mehr Höhenmeter beim Aufstieg zusammen zu bringen, kann dies auch weiterhin kostenlos tun. Wir denken auch über eine Saisonkarte nach, allerdings besteht hier eine Problematik mit dem abzurechnenden Konsum im Gasthaus. Den Weg, eine bloße Parkplatzgebühr einzuheben, wollen wir aber keinesfalls einschlagen.“

BOBOS Kinderpark ist der zweitgrößte in Tirol.

MM: „Wie sieht das Angebot konkret aus?“Günther: „Am Parkplatz ist eine große Orientierungstafel mit den Strecken aufgestellt, daneben befindet sich die LVS-Kontrollstation. Es existieren 6 Varianten, jeweils drei auf unserer Seite und drei auf Hochfilzener Seite, unterteilt in Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Alles ist mit Streckentafeln super bestückt und wenn man zwischendurch oben einmal abfährt auf die Hochfilzener Seite, dann bringt man es auf 1200 Höhenmeter, was durchaus einer flotten Skitour entspricht. Beleuchtet sind die Strecken abends allerdings nicht.“MM: „Welche positiven Effekte verspricht man sich davon? Auch in punkto freundlicher Stimmung gegenüber ,untypischen Gästen‘?“Günther: „Letzten Winter war im Sportshop bereits eine Umsatzsteigerung im Tourenbereich und in der Gastronomie von fast 30 % zu verzeichnen. Es ist zu erwarten, dass sich die Erfolge im Laufe der Jahre potenzieren. Es stellt sich eine positive Mundpropaganda für unsere Region ein und wir verspüren diese Stimmung einerseits im Sportshop, andererseits sind die Tourengeher in der Regel auch Skifahrer. So gesehen spricht man als Pistenbetreiber teilweise auch Leute aus der ursprünglichen Zielgruppe an! Wenn wir also über diese Geschichte unseren Bekanntheitsgrad steigern können, ist dies ein willkommener Effekt.“

Paul Günther am Beginn der Aufstiegsstrecke für die Tourengeher, mit einer der professionellen Markierungstafeln in der Hand. Foto: mak

MM: „Warum klappt es bei euch und anderswo  noch nicht? Müssen alle grundsätzlich umdenken?“Günther: „Wir haben natürlich schon einen Vorteil. Wir sind ein relativ kleines Wintersportgebiet, bei dem durch meine Person vieles in einer Hand liegt. Ich habe über die Bergbahn auch mit den 42 Grundbesitzern ein gutes Einvernehmen. Bei uns müssen sich nicht mehrere Chefs aus verschiedenen Unternehmen zusammenraufen, sondern es besteht eine Personalunion. Daher ließ sich das Projekt so rasch umsetzen. Grundsätzlich muss es in einer Region Leute geben, die eine Lösung suchen wollen. Je mehr Spieler jedoch beteiligt sind, umso mehr Kommunikation muss stattfinden. Es ist langatmiger einen Konsens zu erzielen – und das tun sich viele nicht an.“MM: „Wenn aber bereits ein Vorbild wie z. B. das eure existiert, müsste das doch andere Gebiete auch animieren?“Günther: “ Ja, die Salzburger Region Saalfelden-Leogang ist so ein Fall. Die werden fast „zwangsverpflichtet“ durch unsere Situation. Hier hat sich der Tourismusverband das Ziel gesetzt, die Umsetzung innerhalb von 5 Jahren zu schaffen. Diese Zeit werden sie auch brauchen. Der Beginn ist am liftlosen Biberg (Terrain der längsten Winterrodelbahn Österreichs), erst dann wird Leogang mit seinen Pisten anpacken. Diese sind jedoch im Gegensatz zu uns aus dem Wald herausgeschlagen, so dass wenig Ausweichmöglichkeit besteht. Aber wenn man wirklich will, findet man überall eine passende Lösung – unter Umständen muss man die Aufstiegsstrecke(n) eben abzäunen. Alles beginnt bei der positiven Einstellung für diesen Sport. Die Lösung selbst wird aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten immer individuell ausfallen.“

Im Sommer ist die Gegend ein Wanderparadies. Auch ein „Blumenlehrpfad“ wurde angelegt.

MM: „Sollte sich jedes Skigebiet auch mit dem Tourenskisport beschäftigen, oder genügen einige wenige Zentren für diesen Boom?“Günther: „Nur eine Handvoll solcher Tourenski Competence Center würde nicht ausreichen – man braucht nur in den Raum Innsbruck schauen oder nach St. Johann, welcher enorme Bedarf nach einem echten Angebot hier gegeben ist. Ich bin auch fast überzeugt, dass in etwa 5 Jahren dieses Segment Tourenskigehen zum Standardangebot ganz selbstverständlich dazugehören wird, weil es sich letztlich keiner leisten kann, gegen einen Trend zu sein. Jedoch wird das Tourenskigehen weder die herkömmliche Skischule noch das alpine Skifahren ersetzen können. Eine gewisse Kenntnis vom Skifahren muss jeder Tourengeher sowieso haben, sonst könnte er ja nach dem Aufstieg gar nicht mehr abfahren. Ich glaube, dass durch das Pistengehen die Leute einige Stunden mehr auf den Skiern stehen und dadurch automatisch in ihrer Technik besser werden oder sogar sagen: ich gehe zwischendurch auch einmal alpin Skifahren, damit ich mir hinterher mit den Tourenskiern leichter tue. Es beherrscht ja auch nicht jeder Einheimische von sich aus das Tiefschneefahren. Daher kaufen sich viele eine Saisonkarte, um an schönen Tagen etliche Wiederholungsfahrten durchzuführen, weil sie z. B. das Tiefschneefahren üben wollen. Die Grenzen zwischen den Skifahrertypen sind jedenfalls nicht so starr, wie man meinen könnte.“MM: „Kann man also davon ausgehen, dass sich beim Verdienst mehr als nur die oft zitierte Umwegrentabilität einstellt?“Günther: „Es gibt ja Bestrebungen wie z. B. im Salzburger Land, die Möglichkeit für Tourenskigehen und das zur Verfügung-Stellen von Infrastrukturkeinesfalls kostenlos anzubieten. Bei uns wird das wie o. e. aufgrund der Präsenz von Gasthäusern im Gebiet anders geregelt (freiwillige Karte etc.).“MM: „Was halten Sie für die größte Herausforderung für die Zukunft?“Günther: „Für uns ist es der Erhalt unseres kleinen aber feinen Wintersportgebietes mitten im Großraum Kitzbühel. Aus dieser Perspektive betrachtet, können wir es uns sicher nicht leisten, eine Gruppe auszuschließen. Wenn alle die aufgestellten Regeln einhalten, ergibt sich letztlich eine Win-Win-Situation für alle. Die Qualität muss heute ohnehin top sein, auch bei den Kleinen, und das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen.“ mak

Ausgabe 7/2012

MM MAGAZIN
• Editorial
• Inhalt
TRENDS
• Meinung: Erich Mayr, CEO Runnersfun: Tourenskigehen: Bedarf sucht Angebot
• Vom Konflikt zum gemeinsamen Nutzen: 1. Tourenski-Congress
• A. Oberacher: Grenzen der Erlebnisse oder „Erlebnis ohne Grenzen“?
• pronatour: Neue Wege zum touristischen Erfolg
• Mission (Im)Possible von Liftpictures gelöst
• ZOOM ROOM – das innovative Raum-Cabrio
SKISERVICE & RENT
• Revolutionäre Technologie der Spühl AG/CSA
• CSA/Overlap AG: beste Funktionalität im modernen Design
NEUE BAHNEN
• Neue Wildspitzbahn am Pitztaler Gletscher – eine Glanzleistung
• Leitner: Top-Aufträge in Tschechien
• Leitner/BB Kitzbühel AG: Größtmöglicher Komfort für den Gast
• Bergbahnen AG Wagrain: G-LINK wird gebaut
• Doppelmayr: zwei Sesselbahnen am Stubaier Gletscher
• Salzmann Ingenieure ZT GmbH: Fundierte Planung von Anfang an

MARKETING & MANAGEMENT

• Achte Tiroler & Südtiroler Seilbahntagung: Sinfonie der Berge
• 91. MM-Interview: Paul Günther, Aufsichtsratsvorsitzender BB Pillersee
• Steirische Seilbahntagung in Langenwang
• 10. Schneiakademie: Ein Themenbuffet für jeden Geschmack

TECHNIK & WIRTSCHAFT

PISTENMANAGEMENT
• Prinoth: Frästechnologie für Weltmeister
• Kässbohrer: Energieversorgung nahe am Verbraucher
• ARENA WebGIS: Schneesicherheit und Pistenqualität auf einen Blick
• V. Meili AG: Schweizer Qualität im Aufwind
• Westa GmbH: Kompakte Abmessungen, volle Leistung
BESCHNEIUNG
• SUFAG: Hündlebahn setzt zum Quantensprung an
• Hydrosnow GmbH: Neuer Standort in Langenwang
• TechnoAlpin-Schnee für Weltmeister: Val di Fiemme 2013
FIRMEN NEWS
• Kriwan: Revision – der nächste Winter kommt bestimmt
• Sunshine Polishing: Hilfe auch bei tiefen Kratzern
• Elektrisierende Herausforderung: die CabriO-Steuerung von Frey

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