Mag. Klaus Hofstätter, GF Hauser Kaibling Seilbahn- & Liftges.m.b.H. & Co KG. ©Hauser Kaibling

Klaus Hofstätter, GF Hauser Kaibling Seilbahn- & Liftges.m.b.H. & Co KG – „Wir werden alles tun, was möglich ist“

Die Wintersaison 2021/22 verspricht wieder eine besondere Herausforderung zu werden. Der MOUNTAIN MANAGER hat Mag. Klaus Hofstätter nach seinen Ambitionen und Zielen für die Seilbahngesellschaft befragt.

Sie sind seit 2019 GF der Hauser Kaibling Seilbahn- & Liftges.m.b.H. & CFo KG. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Bevor ich die Geschäftsführung der Hauser Kaibling Bergbahnen übernommen habe, war ich Mountain Manager bei der Koralpenschilifte GmbH und 8 Jahre Vorstand der Lienzer Bergbahnen AG. Es war für mich zu dieser Zeit wichtig, mich wieder einer neuen Herausforderung zu stellen. Gereizt haben mich die Aufgaben hier und das Entwicklungspotenzial, das ich für das Bergbahnunternehmen selbst und für die Region Schladming-Dachstein insgesamt gesehen habe.

Welchen Stellenwert hat das Unternehmen in der Region, wo sehen Sie im Moment die größten Herausforderungen?

Ein Seilbahnunternehmen hat in einer touristisch geprägten Umgebung einen sehr hohen Stellenwert. Es ist der Motor der Region und hat natürlich auch große Bedeutung als Arbeitgeber. Man darf nicht vergessen, dass der Wertschöpfungsfaktor eines Seilbahnunternehmens bei 6 liegt. Das heißt, dass etwa aus 1.000 Euro an Löhnen, die Seilbahnen zahlen, an die 6.000 Euro an weiteren Löhnen in der jeweiligen Region, also etwa bei Beherbergungsbetrieben, Freizeitanlagen etc. lukriert werden. Seilbahnunternehmen stehen für Innovationen und sind gemeinsam mit den Tourismusverbänden und den Gemeinden ein wesentlicher Faktor, wenn es um die touristische Entwicklung einer Region geht. Diese Aufgaben vor den aktuellen Problemen anzugehen und Akzente zu setzen, ist natürlich eine Herausforderung.

Winter am Hauser Kaibling. ©Josh Absenger

Winter am Hauser Kaibling. ©Josh Absenger

Immer wieder tauchen Spekulationen über eine Megafusion Hauser Kaibling/Planai-Hochwurzen auf, zuletzt durch die Ergebnisse einer Strategieprüfung durch den Landesrechnungshof. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Die Idee einer Megafusion war in den letzten Jahren immer wieder einmal Thema. Dafür lassen sich Pros und Contras anführen, die genau zu evaluieren sind. Grundsätzlich ist eine Fusion von den Eigentümern zu entscheiden. Da es bei den Hauser Kaibling Bergbahnen mehrere Eigentümer gibt, ist das von der gesellschaftsrechtlichen Seite gesehen sicher eine Herausforderung. In den letzten beiden Jahren haben wir unsere Zusammenarbeit in den Bereichen Marketing, Einkauf sowie Kommunikation intensiviert. Durch die 4-Berge Skischaukel sind wir eng miteinander verbunden, der Gast profitiert also bereits von einer guten Zusammenarbeit.

„Diese Wintersaison wird sicher wieder Herausforderung“

Welche Erwartungen haben Sie an die anstehende Wintersaison?

Aufgrund der aktuellen Situation haben wir die Erwartungen an Zutritten und Umsatz stark zurückgeschraubt. Da waren wir im Vorfeld sicher optimistischer. Diese Wintersaison wird sicher wieder eine Herausforderung, der wir uns aber mit Engagement stellen wollen. Wir haben ein gutes Team, eine gute Mannschaft – da werden wir alles tun, was möglich ist.

Mit dem Wollis Kids Park haben sie ein neues Angebot für den Winter 2021/22. Worum handelt es sich da?

Beim Wollis Kids Park handelt es sich um ein Anfängergelände, das sich direkt neben der Talstation unserer 8er-Kabinenbahn befindet. Hier gibt es ein adäquates Areal für Anfänger und Wiedereinsteiger, dazu einen Tellerlift und 3 Förderbänder. Zwei dieser Förderbänder sind rund 15 m lang, eines 90 m. Der ursprüngliche Arbeitstitel für dieses Projekt war „meet the snow“. Die Idee dahinter war, einfach allen die Möglichkeit zu geben, sich im Schnee zu bewegen, im Schnee aktiv zu sein – mit Ski oder Snowboard oder einfach mit dem Schlitten. Deshalb kann man die zwei 15 m langen Förderbänder auch gratis benutzen, für die beiden anderen gibt es sehr günstige Tarife. Mit dem Begriff „Wollis Kids Park“ beziehen wir uns auf eine unserer Attraktionen im Sommer, das Almlammprojekt. Deshalb haben wir das Schaf quasi als Maskottchen in den Winter gebracht.

NEU ab der Wintersaison 21/22 ist der WOLLIS KIDS PARK. ©Hauser Kaibling

NEU ab der Wintersaison 21/22 ist der WOLLIS KIDS PARK. ©Hauser Kaibling

Die Hauser Kaibling Bergbahnen engagieren sich schon seit einigen Jahren dafür, junge Leute zum Skifahren zu bringen. Was wird gemacht?

Neben dem neuen Wollis Kids Park gibt es schon seit einigen Jahren „Haus fährt Ski“. Dieses Projekt wurde 2015 ins Leben gerufen und ist eine gemeinsame Sache der Gemeinde, der Seilbahnen, des Tourismusverbandes und des Skiclubs. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen Spaß am Wintersport zu vermitteln und junge Talente zu fördern. Wir wollen den jungen Leuten die Möglichkeit bieten, den Wintersport zu genießen und zu trainieren, und das wird auch sehr gut angenommen. Dazu gibt es in ganz Ski Amadé dann natürlich auch die Junior Weekend Discounts. Da fahren Kinder und Jugendliche an jedem Wochenende, also Samstag und Sonntag, zum ermäßigten Preis.

„Wir haben einen Investitionsplan für die nächsten 7 bis 8 Jahre Jahre entwickelt“

Es gibt auf der Homepage eine 360° Virtual Tour. Wie wird das angenommen, gibt es Rückmeldungen?

Unsere Marketingabteilung hat mir versichert, dass die Virtual Tour sehr gut angenommen wird. Jeder kann sich hier die Pisten der 4-Berge-Skischaukel ansehen und einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten und Verhältnissen vor Ort gewinnen. Gerade vor den Wochenenden haben wir gemerkt, dass sich die Zugriffe erhöhen und man sich ansieht, was man machen kann oder will.

Welche Investitionen stehen für die nächsten Jahre an?

Wir haben in den letzten Monaten einen internen Investitionsplan entwickelt, der die nächsten 7 bis 8 Jahre umfasst. Für dieses Jahr wurden neben Wollis Kids Park noch Parkplätze gebaut und Pisten verbessert. Insgesamt war das ein Investitionsvolumen von rund 1,5 Mio. Euro. Weiters umfasst die Planung den Ersatz unserer Zubringer 8er-Kabinenbahn durch eine 10er-Kabinenbahn, wobei der Zeitplan natürlich durch die Entwicklung der nächsten Monate beeinflusst wird. Zwei Jahre danach soll es wieder größere Investitionen in die Beschneiung geben. In das Sommerangebot erfolgen jährliche Investitionen, weil der Sommer noch einiges an Potenzial bietet. Und dann haben wir noch den Bau einer 8er-Sesselbahn ins Auge gefasst, weil wir den Besucherkapazitäten Rechnung tragen wollen. Da wurde schon in der Vergangenheit sehr gute Arbeit geleistet, sodass wir uns über sehr viele Gäste und Zutritte freuen dürfen.

Jeden Sommer werden am Hauser Kaibling rund 800 Schaft auf die Alm getrieben und sind dort eine Attraktion für Groß und Klein. ©Rene Perhab

Jeden Sommer werden am Hauser Kaibling rund 800 Schaft auf die Alm getrieben und sind dort eine Attraktion für Groß und Klein. ©Rene Perhab

Wie ist der Sommer 2021 für die Hauser Kaibling Bergbahnen verlaufen?

Der Sommer 2021 ist für uns sehr gut verlaufen. Wir hatten uns nicht gedacht, dass es hier nach 2020 eine Steigerung geben könnte. Deshalb waren wird auch sehr positiv überrascht, dass die Nachfrage tatsächlich so hoch war. Wir haben 2019 viel in das Angebot im Sommer investiert. So gibt es nun neben Wanderwegen, Spielplätzen und einem Streichelzoo eine Downhill Disc Golf-Bahn, einen E-Trial Park, einen Themenweg zur Geschichte des Hauser Kaiblings und Water Zorbing am Speicherteich Kaiblingalm. Gerade das Zorbing hat im Sommer für große Begeisterung gesorgt und wurde von den Gästen sehr gut angenommen. Der Sommer wird bei uns in den nächsten Jahren sicher noch einiges an neuen Angeboten bringen.

„Für den Sommer gibt es noch großes Entwicklungspotenzial“

Die Hauser Kaibling Bergbahnen wurden 2020 mit dem Gütesiegel der „Besten Österr. Sommer-Bergbahnen“ ausgezeichnet. Für welche Kategorie haben Sie Ihr Angebot abgestimmt, wie sieht es aus?

Unser Angebot, für das wir das Gütesiegel bekommen haben, wurde auf Familien abgestimmt. Familie, Natur und Genuss wird deshalb auch die Schiene sein, die wir weiter ausbauen wollen. Deshalb haben wir mit externen Partnern auch einen Masterplan erarbeitet, der dann sukzessive umgesetzt werden soll.

Auf Familien ist etwa das Angebot rund um unsere Bergschafe abgestimmt. Jeden Sommer werden an die 800 Schafe auf die Alm getrieben, die hier eine ökologische Pistenpflege betreiben, für mich ergibt das den „green mountain“. Es gibt ein attraktives Wochenprogramm mit Bauernmarkt, ein Fitnessprogramm, Wandertouren und natürlich kann man auch Biken. Neben den ausgewiesenen E-Bike-Strecken haben wir am Hauser Kaibling einen eigenen E-Trial Park, der für Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren gedacht ist. Wir haben auch Pläne, dieses Angebot noch zu erweitern, der Fokus wird aber klar auf alles rund um die Familie gelegt.

Water Sorbing ist im Sommer 2021 von den Gästen sehr gut angenommen worden. ©Hauser Kaibling

Water Sorbing ist im Sommer 2021 von den Gästen sehr gut angenommen worden. ©Hauser Kaibling

Welchen Stellenwert hat der Sommer im Vergleich mit dem Winter, sehen Sie hier noch Entwicklungspotenzial?

Der Sommer ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, da gibt es sicher noch großes Entwicklungspotenzial. Hier wird sich die Klimaerwärmung positiv auswirken. Gäste, vor allem auch aus dem urbanen Bereich, wollen frische Luft und der Hitze entkommen. Da sind die Berge bestens geeignet. Wir haben etwa im Sommer rund 1,5 Mio. Nächtigungen in der Region zu verzeichnen, Tendenz steigend.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Bergbahnen nicht mehr nur für die Beförderung der Gäste Sorge tragen. Wir sind ein großer Freizeitbetrieb geworden, der ein entsprechendes Angebot hat. Dadurch können wir unseren Mitarbeitern auch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, die nicht nur auf eine Saison begrenzt sind. Sicher reicht der Umsatz im Sommer nicht an jenen im Winter heran, dennoch wird der Sommer immer wichtiger.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Die große Herausforderung wird es sein, mit dem Zahn der Zeit zu gehen. Der Mitbewerb ist aktiv, da müssen wir am Ball bleiben und in die Qualität investieren. Das bezieht sich nicht nur auf Anlagen, sondern auch auf die Dienstleistung für den Gast. Gleichzeitig müssen wir die gesamte Region in unser Wirtschaften miteinbeziehen, das „Kirchtumdenken“ ist überholt. Unsere 4-Berge-Skischaukel ist hier ein sehr gutes Beispiel. Mit diesem Berge übergreifenden Angebot können wir uns gut positionieren und international punkten.

lw

Ausgabe 7-8/2021

Ausgabe 7-8/2021

MAGAZIN

  • Editorial
  • Inhalt
  • Impressum

 TRENDS

  • Meinung: Mag. Dr. Oliver Fritz, Ökonom WIFO: „Wirtschaftsmotor Tourismus – der Weg zurück“
  •  „Bergdorf quo vadis“: TFA Nachbericht Teil 2
  • Vitalpin: 11 Best Practice Beispiele für Nachhaltigkeit
  • Premiere am Kitzsteinhorn: 2 G-Check von SKIDATA
  • Gasteiner Bergbahnen/SKIDATA: Besucherlenkung durch innovative Preisgestaltung
  • Melzer & Hopfner: „The Next Level“ bei Renderings und Animationen
  • IDEE GmbH: Authentische Themen leicht zugänglich machen
  • Area 47: Best Practice für den Sommertourismus

ÖKOLOGIE (2)

  • Interview Wolfgang Rapberger, General Manager BRP-Rotax: „Wettbewerb der Systeme fördert Innovation“
  • Klima-Energie-Modell: Zell am See/Kaprun als Vorzeigeregion
  • eFuels für Pistenfahrzeuge: ein Teil der Lösung
  • Kaunertal: Nachhaltiger Alpintourismus mit Vorbildwirkung
  • Gletscher schützen mit Vlies von Tencate

SKISERVICE & RENT

  • Montana: Robuste Systeme – elegant & einzigartig
  • Reichmann & Sohn/QBL-Systems: Neues Skidepot für das Hotel Edelweiss in Obergurgl

SCHNEESPORT(SCHULEN)

  • Book2Ski: Tourismuspartner vernetzen sich
  • Snowsports Academy: Österreichische Skifahrtechnik als Online Tool
  • “Dein Winter.Dein Sport.“: Verantwortung übernehmen – für Sport, Nachwuchs und Umwelt
  • Österreichische Skiindustrie kündigt Comeback an

NEUE BAHNEN

  • Pendelbahn Biel-Kinzig saniert
  • DOPPELMAYR/GARAVENTA: Neuer Glanz für Pendelbahn Meiringen-Hasliberg
  • DOPPELMAYR/GARAVENTA: Erfolge in Norwegen
  • LEITNER: ConnX: Der perfekte Mix für nachhaltige urbane Mobilität

MARKETING & MANAGEMENT

  • Kässbohrer: Vertrieb und Kundendienst unter neuer Leitung
  • Vorschau 31. TFA in Oberstdorf und Kleinwalsertal
  • Österreich Werbung führt App. Ski Game ein
  • Ski amadé glaubt an den Wintertourismus
  • 163. MM-Interview: Klaus Hofstätter,CEO Hauser Kaibling: „Wir werden alles tun, was möglich ist“
  • Österreichische Seilbahntagung: Bergauf mit neuen Perspektiven

TECHNIK & WIRTSCHAFT
PISTENMANAGEMENT

  • Garantie von DEMACLENKO
  • Kässbohrer: SNOWsat LiDAR überzeugt im Einsatz
  • TechnoAlpin präsentiert die neuen SnowFactory-Modelle
  • PistenBully ist mit HVO-Kraftstoff nachhaltig unterwegs
  • Prinoth: Für perfect pistes – Der neue Leitwolf
  • Bacher Harald GmbH.: Bestens gerüstet für alle Fälle

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