Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer Bergbahnen GesmbH & Co KG – „Die große Herausforderung liegt in der Kommunikation!“

Die Nauderer Bergbahnen haben in der letzten Saison durch gezielte Investitionen in die Sicherheit von Sesselliften und -bahnen auf sich aufmerksam gemacht. Wofür man sich sonst noch einsetzt und welche Ziele und Erwartungen man hat, zeigt Mag. Heinz Pfeifer für das Skigebiet am  Reschenpass.

Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer Bergbahnen. Fotos: Nauderer Bergbahnen

MM-Frage: „Wie charakterisieren Sie Ihr Skigebiet am Reschenpass?“Mag. Heinz Pfeifer: „Das Skigebiet Nauders am Reschenpass im 3-Ländereck Österreich/Italien/Schweiz ist mit seinen 13 Aufstiegsanlagen und 70 Pistenkilometern größenmäßig ein mittleres Skigebiet, das seit langem an sich selbst hohe Ansprüche hinsichtlich der Qualität stellt. Diese Qualitätsansprüche betreffen alle unsere Bereiche – Anlagen, Pisten und Gastronomie – sodass sich Nauders zu einem Geheimtipp für alle entwickelt hat, die das Skifahren so richtig genießen wollen. Besonders bekannt ist Nauders für seine den ganzen Winter über herrschenden guten Schneeverhältnisse – machbar durch eine Kombination aus leistungsfähiger Beschneiungsanlage und unserer Höhenlage zwischen 1 400 m im Tal und fast 3 000 m als höchster erreichbarer Punkt – und durch seine breiten und bestens gepflegten Pisten, auch hier machbar durch eine Kombination modernster Technik und ausgezeichneten Mitarbeitern. Und dieses hohe Qualitätsniveau muss sich für uns natürlich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des Unternehmens durchziehen, von den technischen Anlagen über das gastronomische Angebot bis zum Verhalten unserer Mitarbeiter dem Kunden gegenüber. In diesen Punkten ist Nauders erfolgreich seinen Weg gegangen.“MM-Frage: „Wie lange sind Sie Geschäftsführer der Bergbahnen Nauders und wie war Ihr Zugang zu dieser Branche?“Pfeifer: „Im heurigen Sommer werden es 14 Jahre, dass ich die Geschicke der Nauderer Bergbahnen gemeinsam mitgestalten kann. Wenn ich auch aus früheren Tätigkeiten auf eine gewisse touristische Erfahrung zurückgreifen konnte, war der Bergbahnbereich an sich mit seinen ganzen rechtlichen und technischen nicht ganz einfachen Rahmenbedingungen Neuland. Ich hatte jedoch das Glück, mich von Anfang an auf einen ausgezeichneten Mitarbeiterstock verlassen zu können und fand hier eine offene Aufnahme und viel Unterstützung, die mir einen raschen Zugang zur Branche wesentlich erleichterte.“MM-Frage: „Wie sind Sie mit der letzten Saison zufrieden?“Pfeifer: „Die vergangene Wintersaison 2010/11 war sicher eine der schwersten der Vergangenheit, nicht nur durch die schwierigen Schneeverhältnisse, sondern vor allem auch durch die Länge. Im Wesentlichen war es eine ständige Gratwanderung zwischen Kosten einsparen und beste Verhältnisse schaffen. Unter diesen Bedingungen bin ich mit der Saison – wir konnten mit einem leichten Plus abschließen – zufrieden.“

Die Nauderer Bergbahnen setzen auf höchstes Qualitätsniveau in allen Belangen.

„Viele positive Rückmeldungen zeigen, dass die Investition richtig war“MM-Frage: „Sie haben für den Winter 2010/11 in die Sicherheit Ihrer Sesselbahnen investiert. Was war dafür ausschlaggebend und wie sind Sie mit der Resonanz zufrieden?“Pfeifer: „Ausschlaggebend war der Wunsch, die Sicherheit vor allem für unsere kleinen Gäste und damit auch für die Eltern zu erhöhen. Wenn man als Skigebiet viele Familien mit Kindern als Gäste hat und Skischulen mit ganzen Gruppen von Knirpsen auf Skiern, muss man sich Gedanken machen, wie man für diese den Transport auf Sesselliften und -bahnen sicherer machen kann – das ist eine ganz normale Reaktion auch auf Meldungen über Unfälle mit Kindern am Lift. Und hier ist es uns gelungen mit den Durchrutschsicherungen auf allen Sesselliften und -bahnen eine essentielle Verbesserung der Sicherheit selbst, aber auch des Sicherheitsgefühls für Eltern und Verantwortliche zu erreichen. Viele positive Rückmeldungen unserer Gäste, aber auch unserer eigenen Mitarbeiter haben gezeigt, dass die Investition richtig war.“MM-Frage: „Welche Gästestruktur haben Sie im Winter?“Pfeifer: „Unser wesentliches Kundenpotential bisher sind die Urlaubsgäste aus Deutschland, Holland und Belgien, welche ihren Skiurlaub in Nauders und den umliegenden Gemeinden verbringen. Der Tagesgast spielte hier aufgrund unserer Lage am Reschenpass eher eine geringere Rolle. Hier wird es in der näheren Zukunft eine unserer vordringlichsten Aufgaben sein, Nauders als Qualitätsskigebiet bekannt zu machen und auch den Tagesgast und den lokalen Skifahrer in steigendem Umfang in unser Skigebiet zu bringen. Es muss uns gelingen, den Skifahrern zu erklären, dass sich für unsere hohe Qualität ein 5 Minuten längerer Anfahrtsweg lohnt.“MM-Frage: „Was bietet Nauders im Winter?“Pfeifer: „Kurz zusammen gefasst bietet Nauders die Möglichkeit für qualitativ hoch stehenden leistbaren Skitourismus. Wer lautes Après Ski und Trubel sucht, ist bei uns sicher falsch. Nauders selbst verfügt über eine ausgezeichnete Vermieterlandschaft von privaten, familiären Unterkünften bis zu ausgezeichneten ****Hotels. Daneben ist das Dorf selbst noch in vielen Bereichen in seiner urtümlichen Art erhalten und intakt. Wer Skiurlaub in seiner ursprünglichen Form erleben will, ist hier richtig.Das Skigebiet selbst wird, wie gesagt, sicherlich allen Ansprüchen gerecht und kann nicht nur mit seinen Hütten und Restaurants punkten, sondern auch mit seinen breiten und bestens gepflegten Pisten, aber auch mit 2 Funparks und einer Halfpipe.Natürlich bietet auch die Lage im Dreiländereck besondere Highlights im kulturellen Bereich und für manchen Genussmenschen auch gastronomisch. Wo sonst hat man die Möglichkeit in unmittelbarer Nähe zwischen Tiroler Knödel, Pizza und Raclette zu wählen.“

Nauders empfiehlt sich für alle, die Skifahren so richtig genießen wollen.

„Non-Skiing-Angebote werden immer wichtiger“MM-Frage: „Wie wichtig sind für Sie Non-Skiing-Angebote?“Pfeifer: „Immer wichtiger. Neben den Skifahrern ist unser Bergkastelrestaurant – sicherlich auch bedingt durch die gute Küche – auch im Winter ein beliebtes Ausflugsziel für Fußgänger oder auch für nicht Ski fahrende Angehörige. Und einen immer wichtigeren Stellenwert nehmen die Rodler ein. An manchen Tagen bevölkern mehrere Hundert Rodler unsere ca. 8 km lange Naturrodelbahn von der Bergstation der Bergkastelseilbahn bis zur Talstation. Diese Kundengruppe wird immer wichtiger. Natürlich müssen wir dieser durch optimale Infrastruktur wie Rodelverleih und einer täglich frisch präparierten Rodelbahn ein entsprechendes Angebot bieten.“MM-Frage: „Welchen Stellenwert haben Veranstaltungen, worauf legen Sie Wert?“Pfeifer: „Hinsichtlich der Veranstaltungen im Skigebiet wurde die Latte in der Vergangenheit durch andere potentere Skiareas sehr hoch gelegt. Natürlich ist jedes Skigebiet bestrebt, seinen Gästen auch abseits der Pisten Unterhaltung zu bieten. Aber dabei sollte man immer mit Augenmaß vorgehen und ein Konkurrenzkampf mit den großen Mitspielern ist schwierig. Es ist uns gelungen, die Veranstaltung ,Schlager im Schnee‘ im vergangenen Winter erstmalig nach Nauders zu bringen und werden diese auch in den kommenden Jahren – nächste Saison am 11. März 2012 mit Andreas Gabalier als Hauptakteur – als Highlight des Winters veranstalten. Daneben werden sicherlich auch kleinere Veranstaltungen stattfinden. Wichtig dabei ist es für mich ein Angebot zu finden, das nicht auf eine kleine Gruppe zugeschnitten ist, sondern für den Großteil unserer Gäste eine attraktive Bereicherung darstellt. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, aber notwendig.“MM-Frage: „Es gibt eine Kooperation mit Südtirol – Motto ,3 Skigebiete – 2 Nationen – 1 Skipass‘. Wie hat sich das entwickelt, wo liegen die Vorteile?“Pfeifer: „Die Kooperation mit den beiden benachbarten Skigebieten in Südtirol besteht seit 1999. Ziel war es, gemeinsam den Gästen ein größeres und abwechslungsreicheres Angebot bieten zu können. Gemeinsam können wir am Markt mit 30 Aufstiegsanlagen und 120 Pistenkilometern auftreten und werden damit in der Medienlandschaft und am Markt anders akzeptiert und wahrgenommen. Wesentlich bei derartigen Kartenverbünden ist auch, dass eine intensive Zusammenarbeit der Tourismusverbände nachfolgt, um die entsprechenden Potentiale am Markt auch zu nutzen.Die Möglichkeiten der Vielfalt und Größe – insbesondere wenn diese grenzüberschreitend sind – sind ganz andere. Aus diesem Grunde bin ich ein Anhänger von derartigen Kartenverbünden und so ist Nauders neben der Kooperation mit Südtiroler Skigebieten auch noch andere Kooperationen eingegangen. Neben der Snowcard-Gold gemeinsam mit Samnaun/Ischgl und dem Kaunertal und dem Ski6 Kartenverbund war uns auch die Schaffung der für ganz Tirol gültigen Tirol-Snow-Card ein Anliegen.“MM-Frage: „Welchen Stellenwert hat für Sie der Sommer?“Pfeifer: „Die wesentliche Frage ist nicht welchen Stellenwert der Sommer für die Bergbahnen hat, sondern welchen Stellenwert haben die Bergbahnen für den Sommertourismus. Wie bei vielen anderen Bergbahnen in Wintersportorten stellen die Sommerumsätze auch in Nauders keinen wesentlichen wirtschaftlichen Faktor für das Unternehmen dar. Es muss sich bereits eine Zufriedenheit einstellen, wenn die variablen Kosten des Sommerbetriebes gedeckt sind. Aber andererseits ist es schwer vorstellbar für einen touristisch orientierten Ort wie Nauders eine Bergbahn zu haben, welche im Sommer nicht in Betrieb ist. Eine Bergbahn zählt auch im Sommer zu den wichtigsten touristischen Infrastrukturen im Sommertourismus. Und wenn Betrieb, dann muss auch das Angebot stimmen mit attraktiven Angeboten und Veranstaltungen.“

Im Sommer werden die Wanderer angesprochen.

„Man ist von Anfang an mitten drin in der herrlichen Bergwelt“MM-Frage: „Welche Gäste sprechen Sie an, gibt es dabei Unterschiede zum Winter?“Pfeifer: „Im Sommer sprechen wir im Wesentlichen die Wanderer an. Selten hat man die Möglichkeit eine Wanderung auf 2 200 m Höhe zu beginnen und dabei alle Schwierigkeitsgrade zur Auswahl zu haben. Und vor allem ist man von Anfang an mitten drin in der herrlichen Bergwelt, direkt an der bei uns hoch gelegenen Waldgrenze. Auch hier gilt wie im Winter das Credo des umfassenden Angebotes. Nicht nur der Transport in die Höhe ist wichtig. Dort müssen auch ausgezeichnete Möglichkeiten zur Einkehr und Spielplätze für Kinder angeboten werden – das ist das Verbindende zum Winter. Der Unterschied ist die Menge. Im Sommer ist ein wesentliches Element die Ruhe der Bergwelt.Daneben spricht Nauders noch – trotz oder wegen seiner Höhenlage – die Radfahrer und Mountainbiker an. 700 km Mountainbikerouten und die Lage an der Via Claudia bieten hier herrliche Angebote.“MM-Frage: „Gibt es Neuigkeiten für den Sommer 2011?“Pfeifer: „Ja! Das eigentlich Neue ist das verbesserte Alte. In der Vergangenheit existierten in unserer Region mehrere Sommer-Vorteilskarten. Auf der einen Seite die Summercard Gold in Zusammenarbeit nach Norden, zum Tiroler Raum und die Reschen Tourist Card als Zusammenarbeit mit Südtiroler Partnern. Nun ist es gelungen diese beiden Vorteilskarten für unsere Gäste zu vereinen zur 3-Länder-Summercard. Diese Karte vereint für den Gast die Vorteile beider Regionen und bietet die Möglichkeit zur Nutzung der Infrastruktureinrichtungen sowohl auf Tiroler als auch auf Südtiroler Seite. Wesentliches Angebot dabei ist neben den Bergbahnen und anderen Einrichtungen auf Nord- und Südtiroler Seite auch die Mobilität durch die beinhaltete Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel von Landeck bis Meran und darüber hinaus.“MM-Frage: „Nauders ist auch über Google Earth erreichbar, welche Rolle spielen für Sie die so genannten ,neuen Medien'“?Pfeifer: „Alle modernen Medien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Nicht nur Google Earth, auch die verschiedenen Internet-Communitys und alle Internetseiten, auf welchen sich unsere Kunden informieren und miteinander kommunizieren, haben bereits rasant an Bedeutung gewonnen und sind für ein Seilbahnunternehmen unverzichtbar. Hier ist es eine große Herausforderung, den richtigen Zugang zu finden.“MM-Frage: „Wo sehen Sie die Herausforderungen für die nächsten Jahre?“Pfeifer: „Ich gehe davon aus, dass die Seilbahnbranche nicht leichter werden wird. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird vor allem in der Kommunikation liegen. Dabei gilt es mehrere Ziele zu erreichen. Einerseits den Schneesport an sich wieder attraktiver zu machen und neue Kundenkreise zu erschließen. Zum anderen gilt es, das Image der Bergbahnen an sich zu verbessern.Die zweite große Herausforderung wird sein, den Seiltanz zwischen steigendem Kostendruck – zum Beispiel durch steigende Energiepreise, Mitarbeiterkosten etc. – einerseits und dem Ziel Skifahren leistbar zu erhalten andererseits zu meistern.“

Ausgabe 3/2011

Editorial
Inhalt
MM MAGAZIN
TRENDS
• Meinung: Christoph Engl, Südtirol Marketing: Lieber begehrt als überall bekannt
• Studie Skidestination Schweiz
• SunKid: Spaß für Sommer und Winter
• KristallTurm auf Erfolgskurs
• Smart Solutions kann mehr
• Panorama-Inszenierungen von Pronatour
• Google ermöglicht virtuelle Abfahrten in Ischgl
• Sicherheitstag am Pitztaler Gletscher
NEUE BAHNEN
• SIGMA Diamond: Top-Klima am Berg und in der Stadt
• Doppelmayr: Kombibahn II für Nesselwang
• LEITNER: Qualitätsoffensive Lachtal
• Doppelmayr/Graventa: Familienfreundlicher 8er Sessel für Scheffau
• Interview Rico Wehrli, Verkaufsleiter CWA
MARKETING & MANAGEMENT

• 79. MM-Interview: Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer BB GesmbH
• Österreichische Seilbahntagung: zufrieden mit zweitbester Saison
• 43. Vorarlberger Seilbahntagung: Energie und neue Medien
• TFA-Nachbericht: Mit Musterbrechern auf zu neuen Horizonten
• Top-Sicherheit für Kinder in Nauders
TECHNIK & WIRTSCHAFT
FIRMEN NEWS
• Russland setzt auf Axess AG
• Heliswiss Interview
• Prinoth übernimmt Mehrheit von AHWI
• Wintersteiger: mit Rekordumsatz aus der Krise
• Aufgabengebiete des TÜV-Süd
BESCHNEIUNG
• WINTERTECHNIK beliefert St. Jakob im Defereggental
• TechnoAlpin: Bukovel – ein Wintermärchen
• SUFAG Peak und ARECO E-Line schneien energieeffizient
• Erfolgreiches Jahr für Klenkhart & Partner
• Ischgl forciert das ARENA PistenManagementSystem
• AEP Planung + Beratung GmbH: Schneeanlage Hochkrimml
MESSEN
• Erfolgreiches Saisonende auf der ProWinter
• Resumee 19. Interalpin
• Prinoth: The Sound of Evolution
• Kässbohrer auf der Interalpin: PistenBully-Welt als Maß der Dinge
• 50 Spots zur Interalpin 2011

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