Für 2026 hat KR Dir. Georg Bliem seinen Rückzug als Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH angekündigt. Er übergibt ein erfolgreiches Unternehmen mit durchdachten Angeboten, einer modernen Infrastruktur und nachhaltigem Wirtschaftskurs.

Die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH gilt als touristischer Leitbetrieb. Wie haben sich die Herausforderungen in den letzten Jahren verändert, wo geht der Weg hin?

Die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH wird nicht nur als Motor der Region bezeichnet, sie ist es auch und trägt deshalb eine große Verantwortung. Diese Verantwortung haben wir auch immer wahrgenommen. So wurde in den Jahren meiner Geschäftsführung viel in die Infrastruktur investiert, wobei wir u. a. neun Seilbahnen gebaut haben. In den nächsten Jahren wird die Absicherung des Skibetriebs im Fokus stehen. Dafür haben wir schon 2025 eine große Investition in Pumpanlagen durchgeführt. Nächstes Jahr wird ein bestehender Speicherteich auf ein Fassungsvermögen von rund 200.000 m³ Wasser vergrößert. Auf diese Weise wollen wir sicherstellen, dass für den Skibetrieb immer genug Schnee vorhanden ist. Dazu wird auch großes Augenmerk auf das Angebot, auf Inszenierungen am Berg gelegt werden, damit der Gast seinen Aufenthalt genießen kann. Dabei geht es nicht mehr nur um Angebote für eine Saison, sondern um eine Ganzjahresnutzung. Ein Ziel, das ich von Anfang an verfolgt habe, war es, die Planai-Hochwurzen-Bahnen zu einer Ganzjahresdestination zu entwickeln. Da sind wir auch angekommen – immerhin gelingt es mit einem entsprechenden Angebot, von unseren 420 Mitarbeitern 325 ganzjährig zu beschäftigen.

Mountainbiker in den Bergen in Aktion Sommeraufnahme

Biken hat sich im Sommerangebot der Planai-Hochwurzen-Bahnen zur Erfolgsgeschichte entwickelt. © Harald Steiner

In der GmbH sind neben der Infrastruktur der Bergbahnen auch die Bereiche Gastronomie, Freizeitparks, Sportanlagen, der Autobusbetrieb „Planai Bus“ sowie ein Reisebüro vertreten. Welche Bedeutung haben Synergien im Unternehmen und darüber hinaus?

Es war von Anfang an geplant, die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH breiter aufzustellen, da sind Synergien essenziell. Das Bussegment „Planai Bus“ wurde in den letzten Jahren fast runderneuert, und das sowohl bei den Linienbussen als auch den Reisebussen. Wir bedienen mit den Linienbussen, die im Sommer und im Winter fahren, nicht nur Schladming, sondern auch 6 Hochtäler in den Schladminger Tauern. Dazu haben wir eine moderne Reisebusflotte im Einsatz, mit der wir Ziele in ganz Europa anfahren. Im Winter nutzen wir diese Flotte für Bustransfer-Fahrten vom Flughafen Salzburg nach Saalbach, Zell am See, Wagrain und natürlich Schladming. Im Bereich der Gastronomie haben wir 6 Standorte mit so herausragenden Betrieben wie etwa dem Gletscherrestaurant am Dachstein oder der Steinbockalm am Wilden Berg in Mautern. Am Wilden Berg in Mautern, den wir seit 10 Jahren im Rahmen eines Managementvertrages führen, konnten wir in dieser Saison 103.000 Besucher begrüßen. Der Tierpark mit 320 Tieren war für uns ein völlig neues Feld, in das wir uns erst einarbeiten mussten. Er hat sich aber sehr gut entwickelt. Weiters gehören zur Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH noch Beteiligungen. So betreiben wir mit Sport Bründl aus Kaprun in einer eigenen Gesellschaft die Sportgeschäfte vor Ort, dazu vermieten wir die von uns angemieteten Sporthausflächen an Geschäfte weiter, am Galsterberg etwa Sport Mandl oder an der Station Planai-West Sport Tritscher. Mit diesem breit gefächerten Aktionsradius haben wir ein gut funktionierendes Netzwerk, in dem eine gute Zusammenarbeit und Synergien natürlich sehr wichtig sind. Aber grundsätzlich muss sich jeder Bereich auch wirtschaftlich rechnen, jedes Segment wird als eigenständiges Profit-Center geführt. Wenn ich meine Agenden nächstes Jahr übergebe, kann ich Profit-Center übergeben, die alle profitabel wirtschaften.

Sie haben 2014 in einem Interview mit dem MOUNTAIN MANAGER gesagt, dass Nachhaltigkeit eine große Rolle im Unternehmen spielt. Was wurde auf den Weg gebracht?

Im Bereich der Nachhaltigkeit sind wir sehr ambitioniert. Unser Ziel ist es, zu den nachhaltigsten Unternehmen der Branche zu zählen. So sind die Planai-Hochwurzen-Bahnen nach ISO 9001 für Qualitätsmanagement und ISO 14001 für Umweltmanagement zertifiziert. Die Zertifizierungen wurden nach intensiven Vorbereitungen im Oktober 2023 verliehen. Grundsätzlich bekennen wir uns zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Soziales und Ökonomie. Um unsere Ambitionen vorzustellen, haben wir vor kurzem ein Magazin veröffentlicht, in dem viele unserer Projekte vorgestellt werden, etwa aus dem Bereich Energiemanagement. Wir haben im Skigebiet z. B. rund 230 Zählpunkte für den Energieverbrauch, dazu investieren wir umfassend in den Photovoltaikausbau. Ein absolutes Highlight war der Umbau der Dachstein Bergstation, die nun zu 80 % energieautark ist. Wir bauen jedes Jahr drei bis vier PV-Anlagen, 2025 u. a. auf der neuen Busgarage. Bis 2029 wollen wir so mindestens 16 % unseres Strombedarfs selbst erzeugen. Im Sommer haben wir außerdem eine „grüne Partie“ mit 12 Mitarbeitern im Einsatz, die sich nur mit der Landschaftspflege befasst. Das ist notwendig, weil bei uns auch der Sommertourismus sehr stark geworden ist. Da muss einfach alles passen. Die Planai-Hochwurzen-Bahnen waren eine der ersten Bergbahnen, die HVO eingesetzt haben, und das nicht nur bei unseren 25 Pistenfahrzeugen, sondern auch bei der Busflotte und den Firmen-PKW. Welche Ergebnisse der Einsatz von HVO bringt, haben wir getestet und die Tests wissenschaftlich durch die TU Graz sowie die Dr. Thomas Klein Consulting GmbH begleiten lassen. Dazu wurde in der Saison 2022/23 ein neues Prinoth Pistenfahrzeug wie üblich mit Diesel betankt, ein anderes mit HVO, sodass wir den direkten Vergleich hatten. Die Ergebnisse waren überzeugend: Es gab keinen Leistungsverlust durch die Betankung mit HVO, man braucht annähernd gleich viel Kraftstoff und es gab keine Auswirkungen auf die Maschinen, also etwa Abnützungserscheinungen.

Bergstation Dachstein wird eröffnet

Eröffnung Bergstation Dachstein 2024. © Michael Simonlehner

Wie hat sich die Stabstelle „Nachhaltigkeit“ bewährt, die 2021 ins Leben gerufen wurde?

Die Stabstelle „Nachhaltigkeit“ hat zwei Mitarbeiter. Mit ihnen gemeinsam haben wir begonnen, unsere Nachhaltigkeitsprojekte klar zu definieren, sukzessive auf den Weg zu bringen und zu überwachen. Die Arbeit der Stabstelle ist ein „living process“, der sich permanent fortsetzen wird. An Themen wird es dabei nicht mangeln, ob das jetzt Wärmerückgewinnung betrifft, Nachhaltigkeit bei Lieferanten und natürlich bei allen Bauarbeiten, wo Nachhaltigkeit heute von der Planung weg in allen Schritten zum Tragen kommt.

Im letzten Winter haben Sie mit SolOcean eine neue PV-Anlage am Wasser getestet, wie waren Sie zufrieden?

Die erste Testphase war sehr gut. Die entscheidende Frage dabei war, wie reagiert eine Solaranlage am Speicherteich bei Eis und unterschiedlichen Wasserständen. Da hat sich das System gut bewährt. Wir haben in der letzten Saison mit den Tests allerdings erst im März begonnen und wollen deshalb jetzt noch die ganze anstehende Wintersaison, also auch bei extremen Bedingungen, weitertesten. Wenn die Ergebnisse passen, könnte ich mir vorstellen, dass es Potenzial gibt.

Mit welchen Neuerungen geht man dieses Jahr in die Wintersaison?

Wir haben 2025 30 Mio. Euro investiert, für nächstes Jahr haben wir 22 Mio. Euro beschlossen. Das Herzstück war dieses Jahr die Erneuerung der Skischaukel Hauser Kaibling–Planai. Dafür wurde für Hauser Kaibling eine 10er-Kabinenbahn von Leitner gebaut, die Senderbahn. Wir haben uns für eine 8er-Sesselbahn von Doppelmayr entschieden, der man den Namen „Mitterhausalm I“ gegeben hat. Die Sesselbahn bietet besten Komfort und wird im Endausbau bis zu 3.000 Personen pro Stunde befördern können. Gemeinsam haben Hauser Kaibling und die Planai im Rahmen des Projekts außerdem eine große Lagerhalle mit eigener Tankstelle realisiert, weil man in diesem Areal auch eine entsprechende Infrastruktur braucht. Eine Herausforderung bei diesem Projekt war sicher die Logistik und das Nebeneinander der Bauarbeiten für zwei sehr große Projekte. Das hat letztendlich aber alles sehr gut funktioniert.

Was wurde in den Jahren Ihrer Geschäftsführung investiert, wie hat sich das Verhältnis Winter-/Sommerangebot entwickelt?

In meiner Geschäftsführung habe ich Investitionen über 210 Mio. Euro zu verantworten, gebaut wurde also viel und mit Begeisterung. Das waren nicht nur Seilbahnen, auch Schneeanlagen und vieles mehr. Das Unternehmen konnte in dieser Zeit seinen Umsatz und seinen Cashflow mehr als verdoppeln. Die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH ist also ein ausgesprochen gesundes Unternehmen und gut aufgestellt für die Zukunft. Der Großteil der Einnahmen kommt nach wie vor aus dem Winter, im Sommer erwirtschaften wir mittlerweile aber schon rund 20 % unseres Umsatzes. Ich gehe auch davon aus, dass der Sommer weiter zulegen wird. Für den Gast ist dabei nicht nur das Angebot am Berg ausschlaggebend, schon die Fahrt mit der Seilbahn wird zum Erlebnis. An guten Tagen bewegen wir im Sommer rund 15.000 Besucher. Die Zahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, jedes Jahr hat es mehr Gäste gegeben. Wenn man sich die Nächtigungen in der Region ansieht, so gibt es im Sommer mit 2 Mio. Nächtigungen gleich viele wie im Winter. Der Sommer in den Bergen hat also sicher noch Potenzial.

Blick von der Talstation auf die Kabinenbahn "Planaibahn"  im Winter

Die Planaibahn wurde 2019 modernisiert. © lw

Wenn Sie die Investitionen der letzten Jahre Revue passieren lassen, welche waren für Sie am beeindruckendsten?

Das erste Projekt, das ich realisieren durfte, war die Hochwurzen-Gipfelbahn. Dann folgten weitere Meilensteine wie etwa die Planai-Hauptseilbahn. Die Ski-WM 2013 war ein besonderes Projekt, das Hopsiland 2015 und auch die Konzerte der letzten Jahre mit Robbie Williams oder dieses Jahr mit den Backstreet Boys. Es gibt eine ganze Reihe an Highlights. Etwas ganz Besonderes war aber sicher der Umbau der Dachstein Bergstation, das würde ich als Lebenswerk bezeichnen. Die Vorlaufzeit hat sich über viele Jahre erstreckt. Man musste den Permafrost und die Stabilität des Untergrunds testen, passende Planer und Professionisten finden, die auf 3.000 m bauen können und wollen. Das Ergebnis kann sich jetzt aber auch sehen lassen. Und natürlich musste immer alles wirtschaftlich passen, da braucht es einen „strengen Rechenstift“.

 

Danke für das Gespräch! lw