Wie ist es der Lienzer Bergbahnen AG im Corona-Winter ergangen und welche Pläne hat man für die Zukunft? Der MOUNTAIN MANAGER hat nachgefragt.

Wie lange sind Sie Geschäftsführer bzw. Vorstand der Lienzer Bergbahnen AG, was reizt Sie an der Aufgabe und wie war Ihr Zugang zur Branche?

Ich bin seit September 2019 Vorstand der Lienzer Bergbahnen AG. Bereits vor und während meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften war ich im Tourismus und Handel tätig. Nach dem Studienabschluss in Innsbruck war ich zuerst für die Mayrhofner Bergbahnen AG als Projekt- und Eventmanager tätig. Hier liegt auch mein Zugang zur Bergbahnbranche. Ab da war für mich auch klar, dass Seilbahnen der Bereich sind, für den ich mich engagieren möchte, weil er mich einerseits fasziniert und andererseits immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Ich bin dann zum Tourismusverband Osttirol gewechselt und habe unter anderem gemeinsam mit den Lienzer Bergbahnen Projekte abgewickelt. Nachdem dann der ehemalige Vorstand das Unternehmen verlassen hat, wurde die Position ausgeschrieben und ich habe mich beworben. Zuerst war ich interimsmäßig für ein Jahr als Vorstand tätig, dann wurde der Vertrag auf die üblichen 5 Jahre verlängert.

Familienpark Zettersfeld. Foto: Profer & Partner.

Familienpark Zettersfeld. Foto: Profer & Partner.

Welchen Stellenwert hat das Bergbahnunternehmen im Tourismusangebot der Region?

Wie auch in anderen Regionen ist der Stellenwert der Bergbahn sehr hoch im Tourismus angesiedelt, wobei auch der Industrie und dem Handel im Bezirk ein immer höherer Stellenwert zuzuschreiben ist. Ich sehe die Bergbahn aber auch in Zukunft als Besuchermagnet und verlässliches Ausflugsziel. Der Unternehmenszweck wurde in den letzten Jahren von einem Beförderungsbetrieb dahingehend erweitert, dass man mehr denn je Attraktionen für den Gast bietet und somit gemeinsam mit der Hotellerie und der Gastronomie die Grundlage für die touristische Infrastruktur bereitet.

Durch die Coronakrise wurde die Bedeutung des Angebots meiner Meinung nach sehr stark auf die Natur und das Naturerlebnis gerichtet, also weg von der reinen Unterhaltung wie etwa „Après-Ski“, welche seit Pandemiebeginn leider etwas negativ behaftet ist. Diese Ausrichtung kommt der Lienzer Bergbahnen AG zugute, weil wir in diesem Segment schon immer stark aufgestellt waren und das Rad nun nicht neu erfinden müssen. Darin wird auch die Zukunft liegen, sodass wir hier unseren Weg fortsetzen können.

Flow Family Trail. Foto: Brunner

Flow Family Trail. Foto: Brunner

„Für unser Unternehmen ist es wichtig, Mitarbeiter zu haben, die sich gut im Unternehmen auskennen“

Wie viele Mitarbeiter gibt es im Winter/im Sommer, worauf legen Sie Wert in der Betriebsführung?

Wir haben im Sommer an die 40 Mitarbeiter, im Winter sind es über 60. In der Region sind wir als sicherer Arbeitgeber bekannt. Das konnten wir auch während der Pandemie beweisen. So haben wir nicht nur unsere Fix-Angestellten im Unternehmen halten können, wir konnten auch einige Saisonmitarbeiter einstellen. Für unser Unternehmen ist es grundsätzlich wichtig, Mitarbeiter zu haben, die sich gut im Unternehmen auskennen und den Weg mit uns gemeinsam gehen.

Für mich als Vorstand haben meine Mitarbeiter höchste Priorität, deshalb steht meine Türe für sie auch immer offen. Engagierte und zufriedene Mitarbeiter sind das Um und Auf eines erfolgreichen Unternehmens! Es geht auch darum, ein gutes Gesprächsklima mit allen involvierten Stellen zu haben und gut vernetzt zu sein. Dazu braucht man technisches Wissen und den Mut, Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Aufgrund der Anzahl unserer Anlagen haben wir 3 Betriebsleiter im Unternehmen, die alle aus dem Unternehmen selbst kommen und hier ausgebildet wurden. Jeder kennt also das Unternehmen genau und weiß, worauf es ankommt. Vor diesem Hintergrund kann man gut arbeiten.

Wie ist der letzte Winter für die Lienzer Bergbahnen gelaufen?

Das Wirtschaftsjahr 2019/20 war mit Abstand das bis dato erfolgreichste der Geschichte, der Lienzer Bergbahnen. Der Winter 2020/21 war coronabedingt eine wirtschaftliche Katastrophe, welche man trotzdem mit einem dunkelblauen Auge gemeistert hat. Wir hatten das Glück, dass wir durch die Nähe zum Ballungsraum Lienz ein großes Skifahrerpotenzial bei den Einheimischen hatten, welche unser Angebot auch gerne in Anspruch genommen haben. Dazu hatten wir dieses Jahr überdurchschnittlich viel Naturschnee, sodass sich die Ausgaben etwa für die Beschneiung in Grenzen gehalten haben.

In einem normalen Jahr haben wir rund 15 % Einheimische vor Ort und 85 % Urlauber – dieses Verhältnis hat sich dieses Jahr auch ganz deutlich gezeigt. Dementsprechend hat es dann natürlich auch Umsatzeinbußen gegeben.

Wie sieht das übliche Winterangebot aus, gab es Einschränkungen durch Corona?

Unser Angebot präsentieren wir üblicherweise auf zwei Bergen, dem Hochstein und dem Zettersfeld. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen haben wir uns im Winter 2020/21 dazu entschlossen, nur ein Gebiet zu öffnen. Es erschien uns wichtiger, ein Gebiet zu 100 % zugänglich zu machen als zwei Gebiete nur zum Teil. Der Gast konnte dann am Zettersfeld die Pisten genießen und alle Angebote in Anspruch nehmen. Wir haben den Skibereich Zettersfeld auch sofort aufgesperrt, als wir die Möglichkeit dazu hatten, und sind auch fast so lange in Betrieb gewesen wie in einem normalen Jahr. Die letzten Wochen mussten wir allerdings auf Wochenendbetrieb umstellen, da sich unter der Woche die Zutritte stark reduziert haben. Als Zusatzleistung und kleines Dankeschön an die Einheimischen haben wir am Hochstein in regelmäßigen Abständen Aufstiegsspuren für Tourengeher angelegt, welche gratis zu Verfügung standen. Das Feedback der Wintersportler war quer durch die Bank mehr als positiv!

Lienzer Bergbahnen-Osttirodler. Foto: Profer&Partner

Lienzer Bergbahnen-Osttirodler. Foto: Profer&Partner

Sie haben eine große Auswahl an Non-Skiing-Aktivitäten, was war der Grund dafür – wie wird das angenommen?

Leider lernen heutzutage immer weniger Kinder den Skisport kennen und lieben, was in meiner Kindheit noch als selbstverständlich galt. Durch Skischulwochen und Breitensportveranstaltungen versuchen wir dieser Entwicklung entgegenzuwirken und unserem Nachwuchs die Faszination Schnee näher zu bringen. Immer wieder muss ich feststellen, dass Smartphone, Tablet, Playstation usw. heutzutage einen höheren Stellenwert als Sport einnehmen. Und eines ist klar – wer als Kind nicht mit dem Wintersport beginnt, fängt nur noch sehr schwer damit an. Als zusätzlicher Kritikpunkt werden dann meistens die Kosten aufgezeigt, wobei ich mich wundern muss, dass tausend Euro für ein neues Smartphone kein Problem darstellen.

Da das aufgezeigte Phänomen nichts Neues ist, muss man sich dann natürlich für jene Gäste etwas einfallen lassen, die nicht mehr Ski fahren oder zusätzlich etwas tun wollen. Deshalb haben wir unser Angebot auf das Rodeln, Schneeschuhwandern, Skitourengehen, PistenBully Erlebnis, Tandemfliegen und Winterwandern ausgedehnt. Auf diese Weise kann man den Gästen den Berg und die Natur ebenso nahebringen und hat auch für alle Altersstrukturen Passendes im Programm.

Welche Investitionen wurden in den letzten Jahren getätigt?

Die größte Investition der letzten Jahre wurde in die Beschneiungsanlage gemacht. Hier haben wir alle Pumpen am Zettersfeld ausgetauscht und ergänzt, sowie Schneileitungen erweitert, sodass wir über mehr Schlagkraft verfügen. Wir können jetzt in rund 1 Woche das gesamte Gebiet einschneien. Investiert wurde auch in den Fuhrpark, also etwa in Maschinen, mit denen wir die Schneeerzeuger ausfahren, Pistengeräte und in die Schneehöhenmessung. Auch in den nächsten Jahren werden wir weiter in die Optimierung der Beschneiung investieren. Des Weiteren wurde und wird in den Ausbau unserer Parkplätze und die einhergehende Parkraumbewirtschaftung investiert.

Wie sieht das Sommerangebot aus?

Wir betreiben im Sommer 4 Anlagen auf zwei Bergen und dementsprechend muss auch das Angebot an Attraktionen dazu passen. So bieten wir etwa am Zettersfeld einen Familienpark mit 16 Abenteuer-Spielstationen bei denen man unter Mithilfe des Maskottchens „Steiner Mandl“ spielerisch viel über die Natur lernen kann. Im Bikepark Lienz am Hochstein gibt es rund 12 km Singletrails, den Weltcup-Pumptrack zum Verbessern oder Aufbau seiner Skills und ein Bike-Center an der Talstation.

Dazu finden Gäste auf beiden Bergen ein weitläufiges Wanderwegenetz und am Zettersfeld einen direkten Zugang zum Nationalpark Hohe Tauern, dessen Naturschönheit bei Rangerwanderungen erlebbar gemacht werden. Erwähnt werden muss natürlich auch noch der Streichelzoo, Kletterpark und der „Osttirodler“, unser Alpine Coaster am Hochstein. Eine Fahrt damit ist ein Erlebnis für Jung und Alt.

Winter am Zettersfeld. Foto: Peter Märkl

Winter am Zettersfeld. Foto: Peter Märkl

„Das Potenzial ist im Sommer sicher weitaus besser als im Winter“

Welchen Stellenwert hat der Sommer im Unternehmen und welche Erwartungen haben Sie an die diesjährige Saison?

Der Stellenwert wird immer höher. Das erschließt sich schon aus der Dauer der Saison von rund 6 Monaten. Außerdem halten sich die Ausgaben und Aufwendungen im Sommer, im Vergleich zur Wintersaison sehr in Grenzen.

Die Erwartungen an die diesjährige Sommersaison sind hoch. Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass viele Gäste gekommen sind, nachdem die Grenzen wieder passierbar waren. Neben den Urlaubern, die ans Meer wollen, denke ich schon, dass es auch dieses Jahr wieder viele Gäste in die Berge ziehen wird, wo auch die Sicherheitsstandards hinsichtlich Corona passen. Man hat im letzten Sommer gesehen, dass er besser geworden ist als erwartet, und ich hoffe, dass sich dieser Sommer gut entwickelt. Ich rechne mit einem leichten Plus im Vergleich zum Vorjahr. Da bin ich auch guter Dinge, dass wir das schaffen.

Sehen Sie noch Entwicklungspotenzial für den Sommer?

Das Potenzial ist im Sommer sicher weitaus besser als im Winter, wo schon Grenzen sichtbar werden. Außerdem ist es uns ein Anliegen, sozusagen, „Klasse statt Masse“ zu bieten. Auf den Winter bezogen bedeutet das, dass wir keine überfüllten Pisten wollen, sondern genug Platz für die Gäste. Im Sommer gibt es da mit Sicherheit noch mehr Spielraum.

Sind in nächster Zeit Investitionen geplant?

Investiert wurde vor kurzem in den Ankauf von Grundflächen im Bereich Hochstein. Damit ist die Grundlage zur Weiterentwicklung bereits erfolgt. Nun kann im Bereich der Talstation neuer Parkraum zur Verfügung gestellt werden. Außerdem haben wir damit genügend Grund, um für einen Investor Platz zum Bau eines Hotels bereitzustellen. Das Potential für weitere Hotelbetten im Talboden ist auf jeden Fall gegeben.

Investiert werden soll auch in die Infrastruktur am Hochstein, sodass Bike-Verleih im Sommer, Ski-Verleih im Winter und Gastronomie attraktiver präsentiert werden. Dazu gibt es Projekte im Seilbahnbereich, bei denen wir allerdings noch entscheiden wollen, welches der Projekte zuerst in Angriff genommen werden soll. Investieren werden wir weiter in den Bikepark, weil wir uns hier positive Impulse für den Sommer erhoffen. Angedacht ist außerdem der Bau eines neuen Familienerlebnisbereiches an der Bergstation Zettersfeld und auch in die Beschneiung soll weiter investiert werden.

Was sehen Sie als die großen Herausforderungen für den erfolgreichen Weiterbestand der Bergbahnen?

Eine der größten Herausforderungen werden die Mitarbeiter sein. Gute Mitarbeiter zu finden, war vor Corona nicht einfach – durch die Pandemie sind viele Beschäftigte aus dem Tourismus in andere Bereiche abgewandert. Dazu werden die Anforderungen an die Mitarbeiter immer höher, und das sowohl in technischen Belangen, der Dienstleistung als auch der Arbeitszeit.

Vor eine weitere Herausforderung werden uns die klimatischen Veränderungen stellen. Grundsätzlich wird es immer wichtiger, sich intensiv mit dem Lebensraum Berg auseinanderzusetzen. Es muss der Spagat gelingen, Attraktionen für die Besucher zu schaffen, aber gleichzeitig auch die Natur und die Schönheit des Berges und der Bergwelt zu erhalten.

lw