Vorstandsvorsitzender Mag. Anton Bodner und Vorstand Mag. Christian Wörister, Bergbahn AG Kitzbühel. © gb
„Diversifizierung wird essenziell!“
Top-moderne Seilbahn- und Beschneiungsanlagen, dazu ein durchdachtes Angebot für den Gast und neu eine Schneegarantie – KitzSki hat viel auf den Weg gebracht und noch viel vor. Der MOUNTAIN MANAGER hat bei Mag. Anton Bodner, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG Kitzbühel, und Vorstand Mag. Christian Wörister nachgefragt.
Du hast Deine Aufgaben als Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG Kitzbühel in einer schwierigen Zeit, zu Beginn der Corona-Pandemie übernommen und dabei gleich Krisen-Management praktiziert. Gibt es positive Erfahrungen, die Du aus dieser Zeit mitnimmst?
Anton Bodner: Die Coronazeit hat eine beispiellose Extremsituation gebracht, umso mehr als wir uns entschlossen hatten, das Skigebiet offen zu halten. Es war klar, dass keine Gäste aus anderen Ländern kommen würden und der Betrieb der Anlagen eine finanzielle Herausforderung ist, dennoch wollten wir den Skibetrieb für die Einheimischen möglich machen. Wir haben zu dieser Entscheidung dann auch sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Bestätigt wurde in dieser Zeit die Bedeutung einer klaren Kommunikation, eines starken Teams und kurzer Wege in der Entscheidung. Natürlich ging es auch darum, Prioritäten konsequent umzusetzen und flexibel auf Entwicklungen zu reagieren. Es wurden außerdem Strukturen geschaffen und umgesetzt, die auch jetzt noch Bedeutung haben, etwa Arbeit im Homeoffice oder Meetings per Teams.
Du bist im Herbst 2020 als Vorstand Marketing und Digitale Services ins Unternehmen gekommen. Wo hat man in der Erarbeitung der Marketingstrategie angesetzt, was steht im Fokus?
Christian Wörister: Ich war in der glücklichen Situation, in ein sehr kompetentes Team zu kommen, sowohl was Marketing, IT als auch Kundenservice betrifft. Wir haben dann begonnen, uns den Markt genau anzusehen und zu definieren, wo wir als Bergbahn aktiv sein wollen. Dabei haben wir schnell gesehen, dass wir den Markt der Tagesskifahrer, den wir mit Anfahrtsdistanzen bis zu 1,5 Stunden definieren, sehr gut selber bearbeiten können. Bei den übrigen Märkten wie DACH-Raum, die Schweiz, Benelux- und CEE-Länder kooperieren wir mit den Tourismusorganisationen. Hier haben wir Strategien entwickelt, was im klassischen Werbebereich und bei Veranstaltungen gemacht wird und wo die Digitalisierung hingehen soll, also Web-Shop, digitaler Verkauf, Ticketing oder Handy-Ticket, das wir gemeinsam mit SkiData auf den Weg gebracht haben. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter. So testen wir im Moment wieder gemeinsam mit SkiData, ob beim Eintritt das Gästebild auf dem Ticket mit dem realen übereinstimmt. Für die Zukunft wollen wir noch mehr auf Internationalisierung setzen. Ein Beispiel ist der Ikon Pass, ein weltweit agierender Skiverbund, in dem wir gemeinsam mit Ischgl als einzige österreichische Destination mit anderen Top-Gebieten wie etwa Dolomiti-Superski in Italien, dem Matterhorn in der Schweiz, Chamonix in Frankreich oder Aspen und DeerValley in den USA internationale Gäste ansprechen wollen.

Talstation CD6C Gauxjochbahn. © KitzSki / Bernhard Jellinger
KitzSki hat in den letzten Jahren nach hohen Investitionen in Seilbahnanlagen verstärkt in die Schneesicherheit investiert, was wurde gemacht?
Bodner: Investitionen in die Schneesicherheit waren in den letzten Jahren ein großes Thema, weil es natürlich wichtig ist, den Gästen gute Schneebedingungen anbieten zu können und für sie und die Tourismusbetriebe vor Ort ein verlässlicher Partner zu sein. Da wollten wir die Voraussetzungen optimieren. Um das bestmöglich umzusetzen, haben wir in den letzten Jahren deutlich mehr als 30 Mio. Euro investiert. Das umfasst Schneeerzeuger genauso wie Pumpen, Trafostationen, Leitungen und als wesentliches Element auch Kühltürme. Auf diese Weise können wir auch unter schwierigen Bedingungen jedes Zeitfenster zur Schneeerzeugung nutzen. Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt diese Wintersaison, in der es bis jetzt ausgesprochen wenig Naturschnee gibt.
Wörister: Das Interesse der Gäste am Skifahren und am Wintersport ist außerdem im Spätherbst und zu Winterbeginn höher als im Frühjahr. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, mit einer guten Schneegrundlage in den Winter starten zu können.
Für die Wintersaison 2025/26 wurde erstmals eine Schneegarantie auf den Weg gebracht. Wie hat man das ermöglicht?
Bodner: Die umfassenden Investitionen in die Beschneiung und sichere Pisten sind die Grundlage für die Schneegarantie, die wir diese Wintersaison anbieten können. Für Gäste sind zwei Kriterien entscheidend, wenn sie sich für einen Aufenthalt in einem bestimmen Skigebiet entschließen: die Größe der Destination und die Höhe, nach der man auf das Vorhandensein von Schnee schließt. Vor diesem Hintergrund war es uns wichtig zu erklären, dass wir in Kitzbühel zuverlässig Schnee zum Skifahren haben. Dafür möchten wir das Bewusstsein schaffen.
Wörister: Die Entscheidung für eine Schneegarantie wurde bei uns aufgrund einer fundierten Datenbasis getroffen. Wir haben uns die Werte der letzten Jahre genau angesehen und dann entschieden, dass wir tatsächlich in der Lage sind, eine Schneegarantie abzugeben.
Wo liegen die Schwerpunkte bei den Investitionen der nächsten Jahre?
Bodner: Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt noch bei einem neuen Speicherteich, den wir bauen. Dazu wollen wir im Sommer die Parkgarage bei der Talstation der Fleckalmbahn in Angriff nehmen und in sieben Monaten fertig stellen. Die Parkmöglichkeiten sind wichtig, damit wir unseren Gästen einen guten Zugang ins Skigebiet bieten können. Auf der Parkgarage soll in der Folge dann ein Hotel gebaut werden. KitzSki verfügt derzeit bereits über 10 Speicherteiche, nur bei zwei von ihnen gibt es allerdings Kühltürme. Auch hier wollen wir aktiv werden und zusätzliche Kühltürme errichten, um die Schneifenster effektiv nutzen zu können. Für die nahe Zukunft stehen dann auch wieder Investitionen in Seilbahnen am Plan. So wird etwa die Modernisierung der Pendelbahn auf das Kitzbüheler Horn Thema werden. Planungen werden auf den Weg gebracht, dazu erste Studien und Überlegungen zur Trassenführung. Auch im Bereich der Gastronomie wollen wir aktiv Verbesserungen und Neues in die Wege leiten. Aus Befragungen und Rückmeldungen der Gäste wissen wir, wie wichtig hier das richtige Angebot ist.
Wörister: Bei den Investitionen im Bereich der Speicherteiche ist es uns ein Anliegen, darauf zu achten, dass sie ganzjährig bespielbar sind und auch im Sommer für Gäste nutzbar. Dazu investieren wir weiter in unser Bikeangebot, für das wir in den letzten Jahren eine gute Grundlage geschaffen haben. Für den Sommer ist etwa geplant, den längsten Trail in Tirol zu eröffnen.
Im Talbereich von KitzSki stehen 10 Übungslifte kostenlos zur Benützung bereit, wie kommt das Angebot an – wie wird es genutzt?
Bodner: Das Angebot wird genutzt, soll aber noch deutlicher in den Fokus gestellt werden. Es geht uns einfach darum, Kindern und auch Erwachsenen eine Möglichkeit zu eröffnen, Skifahren einfach mal auszuprobieren, Erfahrungen möglich zu machen und die Lust auf Bewegung im Schnee zu wecken. In Kitzbühel haben Kinder ab 4 Jahren bis zum Ende der Volksschule außerdem die Möglichkeit, eine Woche im Jahr einen Gratis-Skikurs zu belegen, dazu gibt es gratis Ski, Ticket und Skilehrer sowie Mittagessen. So wollen wir auch den Einheimischen den Spaß am Skifahren von Anfang an vermitteln.
Kernpunkt im Winter ist das Skifahren, es gibt aber auch immer mehr zusätzliche Angebote – warum?
Wörister: Wir haben in den letzten Jahren verstärkt in ein umfangreiches Angebot investiert, um allen Wünschen der Gäste entgegenzukommen. So haben wir beste Bedingungen zum Winterwandern am Kitzbüheler Horn bzw. auf der Resterhöhe, dazu bieten wir Höhenloipen und Möglichkeiten zum Rodeln. Man hat diese Aktivitäten früher häufig im Tal genutzt, aufgrund der Witterungsbedingungen haben wir sie nach oben auf den Berg verlegt. Hier sehen wir eine Aufgabe, aber auch eine Chance, uns mit einem durchdachten Angebot entsprechend breit aufzustellen und schöne Momente im Schnee erlebbar zu machen.

Das Bikeangebot ist zu einem wesentlichen Faktor im Sommerangebot von KitzSki geworden. © KitzSki / Werlberger
Klimaveränderungen sind nicht nur fordernd für den Winter, sondern rücken verstärkt den Sommer ins Blickfeld – ist das eine Herausforderung oder eine Chance?
Bodner: Als Bergbahnunternehmen sehen wir darin durchaus eine Chance. Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, ist ein Aufenthalt in den Bergen sehr angenehm und eine gute Möglichkeit, der Hitze zu entkommen. Wandern ist nach wie vor gefragt, mit dem Bikeangebot ziehen wir auch jüngere Besucher an. Es gibt für den Sommer einen Masterplan, es gibt eine Bike-ARGE und eine ganze Reihe an Optionen, die wir nutzen können.
Wörister: Wenn wir uns das internationale Wettbewerbsumfeld ansehen, können wir hier sicher punkten. Bei uns hier ist es sauber, es ist sicher, die Umwelt ist intakt und die Temperaturen im Sommer sind angenehm. Die Grundvoraussetzungen sind sehr gut – es liegt an uns, ein gutes Angebot zu erarbeiten.
KitzSki ist Teil der Global Sustainability Ski Alliance. Was war dafür ausschlaggebend, welche Aufgaben resultieren daraus?
Bodner: Nachhaltigkeit ist für KitzSki schon lange ein wichtiges Thema. Dabei haben wir Nachhaltigkeit auch breit definiert, also sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen und sozialen Belange miteinbezogen. Wir sind in diesem Bereich schon lange aktiv und verfügen auch über entsprechendes Datenmaterial. Deshalb ist für uns die Teilnahme an der Global Sustainability Ski Alliance wichtig und folgerichtig. Die Ziele der Alliance stimmen mit unseren überein, der Erfahrungsaustausch mit anderen Destinationen wird uns in der Entwicklung voranbringen.
Wörister: Wir haben im Rahmen der Gespräche bereits begonnen, Geschäftsfelder zu definieren, die für nachhaltiges Wirtschaften von Bedeutung sind. Dazu zählen Innovationen gemeinsam mit der Industrie, Mobilität, Energie und Abfallwirtschaft. Diese Bereiche wollen wir im Rahmen der nächsten Workshops sukzessive abarbeiten, Erfahrungen austauschen und Prozesse in Gang bringen.
Wie schwer ist es, qualifizierte Mitarbeiter zu finden? Welche Rolle spielt hier das neue „KitzSki Living“?
Bodner: In Coronazeiten und kurz danach war es ausgesprochen schwierig, Mitarbeiter zu bekommen. Und auch jetzt ist es durchaus fordernd. In früheren Jahren war es häufig so, dass Bauern der Umgebung im Winter Arbeit gesucht und bei den Bergbahnen gefunden haben. Diese Vorstellung ist seit einigen Jahren überholt, das geht sich nicht mehr aus. Wir sind immer stärker auf Saisonarbeitskräfte angewiesen, die nicht aus der Region kommen. Dabei spielt dann natürlich die Unterkunft, und damit „KitzSKi Living“ eine große Rolle. Wir haben im letzten Jahr noch 57 Zimmer für Mitarbeiter angemietet, das war nicht einfach zu bewerkstelligen. Es ist uns daher immer deutlicher bewusst geworden, dass wir leistbaren Wohnraum für unsere Saisonkräfte brauchen, wenn wir wollen, dass sie wiederkommen. Wir sehen deshalb „KitzSki Living“ als eine wesentliche Investition in die Zukunft.

Symbolische Schlüsselübergabe „KitzSki Living“, v. l.: Prok. Florian Wörgetter, Vorstandsvorsitzender Mag. Anton Bodner, Stadtpfarrer Mag. Michael Struzynski, ARV Bgm. Dr. Klaus Winkler, BR Werner Gantschnigg, ZBRO Andreas Hochwimmer und Vorstand Mag. Christian Wörister. © Joachim Frenner
Warum hat man sich entschlossen, das Mitarbeiterhaus auch für touristische Zwecke zu nutzen?
Bodner: Im Sommer wird das Mitarbeiterhaus nicht von Saisonkräften bewohnt, deshalb war eine touristische Nutzung naheliegend, weil wir daraus einen Mehrwert generieren können. Vor diesem Hintergrund haben wir um eine entsprechende Umwidmung angesucht und eine solche dann auch bekommen. Wir denken, dass wir mit unserer Lage und der Ausstattung der Wohneinheiten Gäste von unserem Angebot überzeugen können.
Wörister: Starten wollen wir nach der Wintersaison. Im Moment sind wir mit Backoffice-Arbeiten beschäftigt, also Buchungstools zu erstellen, dazu eine Homepage, das Managementsystem auf den Weg zu bringen etc. Dann wollen wir den Verkauf starten, d. h. wir als Bergbahnunternehmen werden die damit verbunden Aufgaben selber übernehmen.
Wo sieht KitzSki die größten Herausforderungen für die nächsten Jahre?
Bodner: Fordernd sind und werden in Zukunft vermehrt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang wird etwa die Bettenauslastung Thema. Im Raum Kitzbühel gibt es derzeit 6.200 Betten, die Auslastung beträgt rund 35 Prozent. Hier gibt es Luft nach oben, da müssen wir ansetzen. Dazu braucht es zusätzliche Angebote und ein starkes Bergbahnunternehmen, weil wir als Motor der Region auch einiges in Bewegung bringen und bewirken können.
Wörister: Diversifizierung wird essenziell. Wir brauchen zusätzliche Beschäftigungsfelder im Unternehmen, in denen wir zusätzliche Wertschöpfung erzielen. Dazu müssen wir noch internationaler werden, der deutschsprachige Raum allein wird ein erfolgreiches Wirtschaften in Zukunft nicht garantieren können.
Danke für das Gespräch! LW
