Franz Dengg, geschäftsführender Gesellschafter der Tiroler Zugspitzbahn GmbH © Tiroler Zugspitzbahn / Franz Oss
„Ein Drittel ist Fleiß, ein Drittel ist Können, ein Drittel ist Glück.“
Franz und sein Bruder Klaus Dengg stammen aus einer alteingesessenen Hintertuxer-Familie und sind seit Jahrzehnten erfolgreiche Tiroler Unternehmer. Inzwischen betreiben sie schon mit ihren Kindern in der vierten Generation Hotel- und Freizeitbetriebe sowie mehrere Seilbahnunternehmen. Anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums der Tiroler Zugspitzbahn am 5. Juli 2026 baten wir deren geschäftsführenden Gesellschafter, Franz Dengg, zum Gespräch.
Zur „Seilbahnfamilie“ der Gebrüder Dengg gehören die Tiroler Zugspitzbahn, die Ehrwalder Almbahn, die Rastkogel Bahnen, die Finkenberger Almbahnen, die Eggalm Bahnen und der Hintertuxer Gletscher. Diese Einzelfirmen sind unter dem Dach der Muttergesellschaft Zillertaler Gletscherbahn Hintertux vereint. Franz und Klaus Dengg sind geschäftsführende Gesellschafter.

Die Tiroler Zugspitzbahn feierte am 5. Juli 2026 ihr 100-Jahre-Jubliäum. © Tiroler Zugspitzbahn / Franz Oss
Seit der feierlichen Eröffnung am 5. Juli 1926 verbindet die Tiroler Zugspitzbahn, damals noch unter der Bezeichnung „Österreichische Zugspitzbahn“, den Tiroler Ort Ehrwald mit dem Westgipfel der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Die Pendelbahn war damals die erste Seilbahn Tirols und die zweite Österreichs und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Weshalb entschied sich die Familie Dengg 1988 dafür, die Tiroler Zugspitzbahn zu erwerben und dort eine neue Pendelbahn zu errichten?
1986 übergab meine kinderlose Urgroßtante Elfriede Jäger (geb. Dengg) das Hotel Post an meinen Großvater Franz Dengg sen. und meinen Vater Horst Dengg, und so bin ich mit meiner Familie ins Außerfern nach Lermoos gekommen. In der Folge wurde das Hotel Post von uns komplett umgebaut und modernisiert, und dann hörte meine Familie von der Möglichkeit des Kaufs der Tiroler Zugspitzbahn. Die damalige Seilbahngesellschaft war nach großzügigen Sanierungsmaßnahmen der bestehenden Pendelbahn und der Errichtung der Zugspitzgipfelbahn, die von der Kammstation hinauf zum Gipfel führte und am 15. Mai 1964 offiziell in Betrieb genommen wurde, in finanzielle Turbulenzen geraten. Aus diesem Grund ist dann das Land Tirol als Hauptgesellschafter eingestiegen. 1988 hat das Land Tirol die Anteile veräußert, unter der Bedingung, dass die Seilbahnanlage neu gebaut wird. Unter den verschiedenen Kaufangeboten erhielt die Zillertaler Gletscherbahn GmbH & Co. KG unter der Führung meines Großvaters und meines Vaters 1988 den Zuschlag. Noch im Herbst desselben Jahres begann meine Familie mit der Planung der neuen Zugspitzbahn als Direktverbindung von Ehrwald-Obermoos (Talstation: 1.225 m ü. M) zum Zugspitzgipfel (Bergstation: 2.950 m ü. M.). Im Juni 1989 starteten die Bauarbeiten für die neue Seilbahn auf die Zugspitze. Dabei setzten wir auf die Kompetenz von Waagner-Biro. Als Bauzeit war ein Jahr vorgesehen. Aber wegen der schwierigen Gründung von Stützenfundamenten und auch aufgrund von Mängeln bei den Seilzuggeräten verzögerte sich die Fertigstellung um 13 Monate. Am 10. Juli 1991 wurde die neue Tiroler Zugspitzbahn eröffnet. Sie wurde als Pendelbahn mit zwei Großraumkabinen (je 100 + 1 Personen) konzipiert und verlief nicht auf der alten Seilbahntrasse. Während man bislang zwischen Ehrwald-Obermoos und der Bergstation zweimal umsteigen musste, führte die Bahn mit einer Länge von 3,6 km jetzt direkt auf den Gipfel der Zugspitze. Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von 1.725 m. Die Förderleistung liegt bei bis zu 730 P/h & Richtung, bei einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 10 m/s. Die Fahrzeit beträgt 10 Minuten. Bis 2003 verlief die Entwicklung der Tiroler Zugspitzbahn sehr positiv.

Die am 5. Juli 1926 eröffnete Österreichische Zugspitzbahn war die erste Seilbahn Tirols und die zweite Österreichs. Sie galt damals als technische Meisterleistung. © Tiroler Zugspitzbahn
Welches Ereignis erschütterte im Jahr 2003 die Tiroler Zugspitzbahn?
Am 6. Februar 2003 wurde gegen 7 Uhr morgens während der Schneeräumungsarbeiten von zwei Mitarbeitern eine Rauchentwicklung in den Büro- und Kassaräumen der Talstation beobachtet. Beim Öffnen der Tür entfachte sich das Feuer explosionsartig. Es war ein Heizungsdefekt bei den Blockspeicheröfen. Die Talstation brannte ab. Darüber hinaus wurden bei dem Brand auch das Trag- und Zugseil zerstört. Unmittelbar nach den Aufräumungsarbeiten starteten wir mit dem Wiederaufbau der Pendelbahn durch die Doppelmayr-Gruppe. Denn die Bahn sollte unbedingt für den Sommertourismus wieder in Betrieb gehen können. Die Talstation wurde neu errichtet, teilweise wurden an den Stützen Veränderungen durchgeführt, und auch in der Bergstation wurden Kleinigkeiten gemacht. Nach nur sechs Monaten Bauzeit konnte die Tiroler Zugspitzbahn am 13. August 2003 wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das in dieser kurzen Zeit zu schaffen, war eine beachtliche Leistung der beteiligten Unternehmen.

Am 6. Februar 2003 brannte die Talstation der neuen Tiroler Zugspitzbahn wegen eines Heizungsdefekts ab. © Tiroler Zugspitzbahn
Abgesehen von dem Brand der Talstation, was war für Sie persönlich eine weitere sehr große Herausforderung?
Die nächstgrößte Herausforderung steht im Zusammenhang mit unserem Zugspitz Resort nahe der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn. Es wurde nach einem umfassenden Um- und Neubau im Dezember 2019 als 4-Sterne-Superior-Familien- & Erlebnisresort mit angegliedertem großem Deluxe-Campingplatz neu eröffnet. Dafür war eine sehr große Investition erforderlich. Aufgrund der behördlichen Maßnahmen in Bezug auf die Covid-19-Pandemie mussten wir am 15. März 2020 vorübergehend schließen. Auf einen Schlag war kein Mensch mehr vor Ort, und auf dem Parkplatz stand nur ein PKW, das war meiner. Weil ich durfte in mein Büro im Zugspitz Resort gehen. Diese Situation hat mich sehr belastet, und ich habe ungefähr zwei bis drei Wochen benötigt, bis ich mich selbst „beim Schopf“ gepackt habe, denn als Chef von 240 Mitarbeitern musste ich, zumindest für die ganzjährig Beschäftigten, unbedingt eine Arbeit finden. Schließlich ist mir eingefallen, dass wir hinten noch ein Grundstück haben, und ich habe mich dazu entschlossen, dort 43 neue Komfort-Campingplätze mit jeweils 120 m² von meinen Mitarbeitern errichten zu lassen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, denn, nach der Corona-Krise, war der Campingplatz sofort voll belegt.

Nach nur sechs Monaten Bauzeit beförderte die „Himmelsstürmerin“ am 13. August 2003 Fahrgäste wieder zum Zugspitzgipfel. © Tiroler Zugspitzbahn
Wenn Sie bislang auf Ihre Tätigkeit in der Seilbahnbranche und im Tourismus zurückschauen, was braucht es, um hier über viele Jahre erfolgreich zu sein?
Mein Großvater hat mehrmals zu mir gesagt: „Franz, Fleiß alleine ist zu wenig. Ein Drittel ist Können, ein Drittel ist Fleiß, aber ein Drittel ist Glück.“ Und ich muss sagen, er hatte recht. Ich habe meistens auch das Glück auf meiner Seite gehabt und, bis auf wenige Ausnahmen, immer einen Aufwärtstrend erlebt. Was sicherlich auch wichtig ist, ist, dass ich mein Leben lang nicht ein einziges Mal eine Entscheidung getroffen habe, um Geld zu verdienen. Ich wollte immer nur, dass es meinen Betrieben gut geht und die Gäste zufrieden sind. Das war das Hauptkriterium für jede Investition. Dann hat sich der Erfolg von selbst eingestellt.

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Was war seit Ihrer Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter bei der Tiroler Zugspitzbahn das schönste Erlebnis?
Da gibt es in meinen bislang 38 Jahren bei der Tiroler Zugspitzbahn viele schöne Momente. Was mich besonders freut ist, das sowohl bei meinem Bruder Klaus, als auch bei mir, in unseren Betrieben bereits mit unseren Kindern die nächste und damit vierte Generation fest im Sattel sitzt.
Herzlichen Dank für das Gespräch! cm
