Neben umfangreichem Fachwissen wird bei der Ausbildung großer Wert auf praxisnahes Arbeiten gelegt. © BFI Salzburg
Qualifiziertes Personal ist entscheidender Wettbewerbsfaktor!
Für Unternehmen spielen bestens ausgebildete und ambitionierte Mitarbeiter eine bedeutende Rolle. In der Seilbahnbranche gibt es durch das BFI Salzburg seit mehr als 15 Jahren die Möglichkeit, im zweiten Bildungsweg die Ausbildung zum Seilbahntechniker/zur Seilbahntechnikerin zu machen. Der MOUNTAIN MANAGER hat Ing. Erwin Stangassinger, der entscheidend zum Aufbau des Seilbahn-Kompetenzzentrums an der LBS Hallein beigetragen hat, zum Angebot befragt.

Ing. Erwin Stangassinger, Kursleitung Seilbahntechnik BFI Salzburg © lw
In der Seilbahnbranche sind in Österreich rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie sehen Sie die aktuelle Situation, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen?
Die Seilbahnbranche beschäftigt in Österreich rund 15.000 Mitarbeiter, dennoch spüren wir – wie viele andere technische Branchen – einen zunehmenden Engpass bei qualifizierten Fachkräften. Besonders gefragt sind gut ausgebildete Techniker mit hoher Praxiskompetenz und hohem Sicherheitsbewusstsein. Die Herausforderung liegt weniger im grundsätzlichen Interesse an der Branche, sondern eher darin, dass die spezifisch qualifizierten Arbeitskräfte, die den komplexen technischen und rechtlichen Anforderungen moderner Seilbahnanlagen gerecht werden, nicht immer in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Gleichzeitig verschärfen der demografische Wandel und der Wettbewerb um technische Fachkräfte die Situation. Die Seilbahnbranche kann aber mit attraktiven Arbeitsplätzen, hoher technischer Qualität und langfristigen Perspektiven punkten. Um diesen Vorteil zu nutzen, braucht es bei der Ausbildung auch insbesondere den zweiten Bildungsweg und Angebote in der Erwachsenenbildung. Diese ermöglichen es, Quereinsteiger und erfahrene Techniker z. B. im Elektrotechnikbereich rasch und qualitätsgesichert für den Seilbahnbetrieb zu qualifizieren – ein entscheidender Faktor, um den Personalbedarf auch künftig abzudecken. Die österreichische Seilbahnbranche hat im Vergleich zu den internationalen Mitbewerbern jedenfalls einen großen Standortvorteil bei der Suche nach qualifiziertem Personal: die zentral gelegene und einzige Berufsschule für Seilbahntechnik bzw. für die Doppellehre Seilbahntechnik/Elektrotechnik ist in Hallein. Da sind die Wege nicht weit zu den Salzburger Seilbahngesellschaften.
Welche Bedeutung hat es im Berufsbild, dass bei vielen Seilbahnunternehmen der Ganzjahresbetrieb immer wichtiger wird?
Der wachsende Ganzjahresbetrieb bedeutet für das Berufsbild Seilbahntechnik eine deutliche Erweiterung. Seilbahntechniker sind heute nicht mehr ausschließlich auf den Winterbetrieb fokussiert, sondern oft ganzjährig für Betriebssicherheit, Wartung und Verfügbarkeit der Anlagen verantwortlich. Mit dem Ganzjahresbetrieb steigen die Anforderungen an Flexibilität, technische Breite und Eigenverantwortung. Neben klassischen Aufgaben rücken Themen wie präventive Instandhaltung, höhere Anlagenverfügbarkeit, Besucherlenkung, Schnittstellenmanagement zu digitalen Systemen sowie die Integration neuer Angebotsformen stärker in den Vordergrund. Für die Mitarbeiter bedeutet das ein abwechslungsreicheres, stabileres Berufsbild mit längeren Beschäftigungszeiträumen und besseren Entwicklungsperspektiven. Und für die Unternehmen ist qualifiziertes, ganzjährig einsetzbares Personal ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, um alpine Destinationen ganzjährig, nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben.
Welche Karriereperspektiven gibt es in der Branche?
Die Karriereperspektiven in der Seilbahnbranche sind vielfältig und langfristig angelegt. Der Einstieg erfolgt häufig über eine technische Ausbildung als Seilbahntechniker oder im Rahmen der Doppellehre Seilbahntechnik/Elektrotechnik, eröffnet aber zahlreiche Entwicklungswege, sowohl fachlich als auch organisatorisch. Mit entsprechender Berufserfahrung und Zusatzqualifikationen sind Weiterentwicklungen etwa in Richtung Werkstätten- oder Betriebsleitung oder Sicherheits- und Qualitätsmanagement möglich. Auch Schnittstellenfunktionen zu Digitalisierung, Automatisierung oder Energiemanagement gewinnen zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus bietet die Seilbahnbranche auch Perspektiven außerhalb des reinen Anlagenbetriebs, etwa in Planung, Projektmanagement, behördlicher Abwicklung, Schulung oder bei Seilbahnherstellern. Als ausgebildeter Seilbahntechniker ist man aber auch sicherlich gut gerüstet, um bei entsprechender Zusatzqualifikation in anderen Funktionen im organisatorischen oder im kaufmännischen Bereich eines Seilbahnunternehmens Fuß fassen zu können. In Summe ist die Seilbahnbranche ein stabiles, technisch anspruchsvolles und zukunftsorientiertes Berufsfeld, das engagierten Fachkräften klare Aufstiegsmöglichkeiten, hohe Eigenverantwortung und langfristige Beschäftigungsperspektiven bietet, insbesondere vor dem Hintergrund von Ganzjahresbetrieb und steigenden technischen Anforderungen.

Seit 2010 haben 153 Teilnehmer den Lehrabschluss Seilbahntechniker/Seilbahntechnikerin im zweiten Bildungsweg absolviert. © BFI Salzburg
Wie sieht die Ausbildung aus, was wird angeboten – und wie hat sich das Angebot verändert?
Als Ausbildungsort ist die Landesberufsschule Hallein mit dem Seilbahntechnik-Kompetenzzentrum der zentrale Punkt für die duale Berufsausbildung in Österreich, wofür Österreich auch beneidet wird. Für Erwachsene, die bereits in der Seilbahnbranche tätig sind und einen Lehrabschluss als Seilbahntechniker machen wollen, bietet das Berufsförderungsinstitut (BFI) Salzburg einen Vorbereitungslehrgang für die außerordentliche Lehrabschlussprüfung auf dem zweiten Bildungsweg an. Der besondere Vorteil dieser Ausbildung liegt darin, dass die Kursdauer als auch die Kurszeiten auf eine für die Seilbahnbetriebe praktikable Umsetzung ausgerichtet sind. Die fachpraktische Ausbildung erfolgt im Seilbahn-Kompetenzzentrum in der Landesberufsschule Hallein. Dazu stehen die Labors, die verschiedenen Werkstätten und die Seilbahnhalle mit 1:1 Seilbahnanlagen und Schlepplift zur Verfügung:
- Elektrolabor,
- Pneumatiklabor,
- Hydrauliklabor,
- Automatisierungslabor,
- Dreherei/Fräserei/Schweißwerkstätte,
- Schleppliftrevisionswerkstätte,
- Klemmenwerkstätte,
- Kuppelbare Umlaufseilbahn Fabr. Doppelmayr,
- Kuppelbare Umlaufseilbahn Fabr. Leitner,
- Schleppliftanlage Fabr. Doppelmayr,
- Pendelbahn Stationsbühne Laufwerk mit Tragseilbremse,
- Standseilbahnwagen sowie eine Vielzahl an seilbahntechnischen Anlagenkomponenten für den praktischen Anschauungsunterricht.
Durch den hohen Praxisanteil des Lehrgangs haben die Teilnehmer die Möglichkeit, das vermittelte Wissen direkt in die Arbeit im eigenen Seilbahnunternehmen zu integrieren.
Die theoretischen Fachgebiete werden im BFI Pinzgau in Zell am See unterrichtet:
- Fachrechnen,
- Fach- und Werkstoffkunde,
- Seilbahnsysteme,
- Seilbahntechnik und Baugruppen,
- Seile,
- Elektrotechnik,
- Hydraulik,
- Recht und Arbeitssicherheit.
Die fachtechnische theoretische Ausbildung ist mit den praktischen Übungen in den Labors und für die praxisidenten Wartungsarbeiten an den Seilbahnanlagen bestens abgestimmt, wodurch ein besonderer Lernerfolg den Kursteilnehmern garantiert werden kann. Die Gruppe der Vortragenden setzt sich aus sehr qualifizierten Lehrkräften der Landesberufsschule Hallein und erfahrenen Seilbahntechnikern/Ingenieuren mit langjähriger Praxis zusammen.
Wann wurde hier mit dem Ausbildungsangebot gestartet, wie viele Personen wurden schon bisher ausgebildet?
Der Lehrberuf des Seilbahntechnikers/der Seilbahntechnikerin wurde von der Wirtschaftskammer – Fachverband der österreichischen Seilbahnen im Jahr 2008 beschlossen. Im Frühjahr 2009 startete die erste Premierenklasse „Seilbahnfachmann/-frau“ in der Landesberufsschule Hallein. Schnell hatte man erkannt, dass es zur Beschaffung von qualifiziert ausgebildeten „Seilbahnern“ auch eine Ausbildungsmöglichkeit für bereits im Seilbahnwesen tätige Erwachsene braucht. Zwei sehr verdiente Seilbahner, Walter Bacher von den Gletscherbahnen Kaprun und Ferdinand Eder von der Schmittenhöhe Bergbahnen AG, waren die Initiatoren für den Vorbereitungslehrgang zur LAP Seilbahntechnik auf dem zweiten Bildungsweg des BFI Salzburg, welcher 2011 erstmalig durchgeführt wurde.

Die Werkstätten in der Landesberufsschule Hallein sind modern ausgestattet. © BFI Salzburg
Wie kombiniert man Ausbildung und Praxis?
Der Vorbereitungslehrgang auf die außerordentliche LAP Seilbahntechnik des BFI Salzburg ist berufsbegleitend aufgebaut und findet über 2 Semester statt. Die Kurszeiten sind so abgestimmt, dass die Teilnehmer uneingeschränkt ihrer Arbeit im Seilbahnunternehmen nachkommen können. Die Besonderheit des Ausbildungsmodus beim BFI-Seilbahntechnikkurs liegt darin, dass über den Zeitraum von einem Kursjahr (Sept-Juli) das erlernte Wissen gleich bei der praktischen Arbeit im Betrieb umgesetzt werden kann und dadurch zugleich eine Vertiefung des Fachwissens erreicht wird.
Erhalten Sie von Ihren Schülern Rückmeldungen, wenn sie im Beruf stehen?
Die Seilbahnwelt ist groß und andererseits doch wieder klein, sodass man sich bei verschiedenen Veranstaltungen, Events oder Fachmessen oft über den Weg läuft. Fast einhelliger Tenor der Absolventen ist, dass am Kursanfang schon leichte Zweifel aufkamen, wie sich das alles wohl im Kopf abspeichern lässt. Wie so oft im Leben nach getaner Arbeit oder besser gesagt erreichtem Erfolg ist man stolz, ein Seilbahntechniker zu sein, der mit fundiertem Fachwissen ausgestattet ist. Man kann beruhigt an die tägliche Arbeit herangehen und mit Freude und Selbstsicherheit die Aufgaben erledigen.

Übersicht Lehrgänge Seilbahntechnik, Vorbereitungslehrgang auf die LAP im 2. Bildungsweg © cm
Wann starten bei Ihnen wieder Kurse?
Der nächste Vorbereitungslehrgang für die Lehrabschlussprüfung Seilbahntechnik am 2. Bildungsweg startet Mitte September 2026. Anmeldungen sind am BFI Pinzgau telefonisch oder per Mail jederzeit möglich.
Vielen Dank für das Gespräch! lw
