Franz Dengg, geschäftsführender Gesellschafter der Tiroler Zugspitzbahn GmbH © Tiroler Zugspitzbahn / Franz Oss

„Ein Drittel ist Fleiß, ein Drittel ist Können, ein Drittel ist Glück.“

Franz und sein Bruder Klaus Dengg stammen aus einer alteingesessenen Hintertuxer-Familie und sind seit Jahrzehnten erfolgreiche Tiroler Unternehmer. Inzwischen betreiben sie schon mit ihren Kindern in der vierten Generation Hotel- und Freizeitbetriebe sowie mehrere Seilbahnunternehmen. Anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums der Tiroler Zugspitzbahn am 5. Juli 2026 baten wir deren geschäftsführenden Gesellschafter, Franz Dengg, zum Gespräch.

Zur „Seilbahnfamilie“ der Gebrüder Dengg gehören die Tiroler Zugspitzbahn, die Ehrwalder Almbahn, die Rastkogel Bahnen, die Finkenberger Almbahnen, die Eggalm Bahnen und der Hintertuxer Gletscher. Diese Einzelfirmen sind unter dem Dach der Muttergesellschaft Zillertaler Gletscherbahn Hintertux vereint. Franz und Klaus Dengg sind geschäftsführende Gesellschafter.

Pendelbahn im Sommer während der Fahrt

Die Tiroler Zugspitzbahn feierte am 5. Juli 2026 ihr 100-Jahre-Jubliäum. © Tiroler Zugspitzbahn / Franz Oss

Seit der feierlichen Eröffnung am 5. Juli 1926 verbindet die Tiroler Zugspitzbahn, damals noch unter der Bezeichnung „Österreichische Zugspitzbahn“, den Tiroler Ort Ehrwald mit dem Westgipfel der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Die Pendelbahn war damals die erste Seilbahn Tirols und die zweite Österreichs und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Weshalb entschied sich die Familie Dengg 1988 dafür, die Tiroler Zugspitzbahn zu erwerben und dort eine neue Pendelbahn zu errichten?

1986 übergab meine kinderlose Urgroßtante Elfriede Jäger (geb. Dengg) das Hotel Post an meinen Großvater Franz Dengg sen. und meinen Vater Horst Dengg, und so bin ich mit meiner Familie ins Außerfern nach Lermoos gekommen. In der Folge wurde das Hotel Post von uns komplett umgebaut und modernisiert, und dann hörte meine Familie von der Möglichkeit des Kaufs der Tiroler Zugspitzbahn. Die damalige Seilbahngesellschaft war nach großzügigen Sanierungsmaßnahmen der bestehenden Pendelbahn und der Errichtung der Zugspitzgipfelbahn, die von der Kammstation hinauf zum Gipfel führte und am 15. Mai 1964 offiziell in Betrieb genommen wurde, in finanzielle Turbulenzen geraten. Aus diesem Grund ist dann das Land Tirol als Hauptgesellschafter eingestiegen. 1988 hat das Land Tirol die Anteile veräußert, unter der Bedingung, dass die Seilbahnanlage neu gebaut wird. Unter den verschiedenen Kaufangeboten erhielt die Zillertaler Gletscherbahn GmbH & Co. KG unter der Führung meines Großvaters und meines Vaters 1988 den Zuschlag. Noch im Herbst desselben Jahres begann meine Familie mit der Planung der neuen Zugspitzbahn als Direktverbindung von Ehrwald-Obermoos (Talstation: 1.225 m ü. M) zum Zugspitzgipfel (Bergstation: 2.950 m ü. M.). Im Juni 1989 starteten die Bauarbeiten für die neue Seilbahn auf die Zugspitze. Dabei setzten wir auf die Kompetenz von Waagner-Biro. Als Bauzeit war ein Jahr vorgesehen. Aber wegen der schwierigen Gründung von Stützenfundamenten und auch aufgrund von Mängeln bei den Seilzuggeräten verzögerte sich die Fertigstellung um 13 Monate. Am 10. Juli 1991 wurde die neue Tiroler Zugspitzbahn eröffnet. Sie wurde als Pendelbahn mit zwei Großraumkabinen (je 100 + 1 Personen) konzipiert und verlief nicht auf der alten Seilbahntrasse. Während man bislang zwischen Ehrwald-Obermoos und der Bergstation zweimal umsteigen musste, führte die Bahn mit einer Länge von 3,6 km jetzt direkt auf den Gipfel der Zugspitze. Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von 1.725 m. Die Förderleistung liegt bei bis zu 730 P/h & Richtung, bei einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 10 m/s. Die Fahrzeit beträgt 10 Minuten. Bis 2003 verlief die Entwicklung der Tiroler Zugspitzbahn sehr positiv.

Pendelbahn während der Fahrt, Schwarzweißaufnahme

Die am 5. Juli 1926 eröffnete Österreichische Zugspitzbahn war die erste Seilbahn Tirols und die zweite Österreichs. Sie galt damals als technische Meisterleistung. © Tiroler Zugspitzbahn

Welches Ereignis erschütterte im Jahr 2003 die Tiroler Zugspitzbahn?

Am 6. Februar 2003 wurde gegen 7 Uhr morgens während der Schneeräumungsarbeiten von zwei Mitarbeitern eine Rauchentwicklung in den Büro- und Kassaräumen der Talstation beobachtet. Beim Öffnen der Tür entfachte sich das Feuer explosionsartig. Es war ein Heizungsdefekt bei den Blockspeicheröfen. Die Talstation brannte ab. Darüber hinaus wurden bei dem Brand auch das Trag- und Zugseil zerstört. Unmittelbar nach den Aufräumungsarbeiten starteten wir mit dem Wiederaufbau der Pendelbahn durch die Doppelmayr-Gruppe. Denn die Bahn sollte unbedingt für den Sommertourismus wieder in Betrieb gehen können. Die Talstation wurde neu errichtet, teilweise wurden an den Stützen Veränderungen durchgeführt, und auch in der Bergstation wurden Kleinigkeiten gemacht. Nach nur sechs Monaten Bauzeit konnte die Tiroler Zugspitzbahn am 13. August 2003 wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das in dieser kurzen Zeit zu schaffen, war eine beachtliche Leistung der beteiligten Unternehmen.

Nach Brand zerstörte Talstation der Tiroler Zugspitzbahn

Am 6. Februar 2003 brannte die Talstation der neuen Tiroler Zugspitzbahn wegen eines Heizungsdefekts ab. © Tiroler Zugspitzbahn

Abgesehen von dem Brand der Talstation, was war für Sie persönlich eine weitere sehr große Herausforderung?

Die nächstgrößte Herausforderung steht im Zusammenhang mit unserem Zugspitz Resort nahe der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn. Es wurde nach einem umfassenden Um- und Neubau im Dezember 2019 als 4-Sterne-Superior-Familien- & Erlebnisresort mit angegliedertem großem Deluxe-Campingplatz neu eröffnet. Dafür war eine sehr große Investition erforderlich. Aufgrund der behördlichen Maßnahmen in Bezug auf die Covid-19-Pandemie mussten wir am 15. März 2020 vorübergehend schließen. Auf einen Schlag war kein Mensch mehr vor Ort, und auf dem Parkplatz stand nur ein PKW, das war meiner. Weil ich durfte in mein Büro im Zugspitz Resort gehen. Diese Situation hat mich sehr belastet, und ich habe ungefähr zwei bis drei Wochen benötigt, bis ich mich selbst „beim Schopf“ gepackt habe, denn als Chef von 240 Mitarbeitern musste ich, zumindest für die ganzjährig Beschäftigten, unbedingt eine Arbeit finden. Schließlich ist mir eingefallen, dass wir hinten noch ein Grundstück haben, und ich habe mich dazu entschlossen, dort 43 neue Komfort-Campingplätze mit jeweils 120 m² von meinen Mitarbeitern errichten zu lassen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, denn, nach der Corona-Krise, war der Campingplatz sofort voll belegt.

Pendelbahn im Winter während der Fahrt

Nach nur sechs Monaten Bauzeit beförderte die „Himmelsstürmerin“ am 13. August 2003 Fahrgäste wieder zum Zugspitzgipfel. © Tiroler Zugspitzbahn

Wenn Sie bislang auf Ihre Tätigkeit in der Seilbahnbranche und im Tourismus zurückschauen, was braucht es, um hier über viele Jahre erfolgreich zu sein? 

Mein Großvater hat mehrmals zu mir gesagt: „Franz, Fleiß alleine ist zu wenig. Ein Drittel ist Können, ein Drittel ist Fleiß, aber ein Drittel ist Glück.“ Und ich muss sagen, er hatte recht. Ich habe meistens auch das Glück auf meiner Seite gehabt und, bis auf wenige Ausnahmen, immer einen Aufwärtstrend erlebt. Was sicherlich auch wichtig ist, ist, dass ich mein Leben lang nicht ein einziges Mal eine Entscheidung getroffen habe, um Geld zu verdienen. Ich wollte immer nur, dass es meinen Betrieben gut geht und die Gäste zufrieden sind. Das war das Hauptkriterium für jede Investition. Dann hat sich der Erfolg von selbst eingestellt.

Grafische Darstellung mit Meilensteinen der Tiroler Zugspitzbahn

© cm via Canva.com

Was war seit Ihrer Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter bei der Tiroler Zugspitzbahn das schönste Erlebnis?

Da gibt es in meinen bislang 38 Jahren bei der Tiroler Zugspitzbahn viele schöne Momente. Was mich besonders freut ist, das sowohl bei meinem Bruder Klaus, als auch bei mir, in unseren Betrieben bereits mit unseren Kindern die nächste und damit vierte Generation fest im Sattel sitzt.

Herzlichen Dank für das Gespräch!   cm

 

„RAXEN mit Freunden“ steht ab sofort als Synonym für gemeinsames Wandererlebnis.

RAXEN mit Freunden – ein Synonym für geselliges Wandern

Die Rax-Seilbahn in den Wiener Alpen feiert als erste Personen-Seilschwebebahn der Republik Österreich im Juni ihr 100-jähriges Bestehen. Die Hälfte der Zeit lenkte die Familie Scharfegger die Geschicke dieser Pionierleistung, die den Alpintourismus insgesamt nachhaltig veränderte. Bernd Scharfegger ist heute in zweiter Generation der zentrale Mountain Manager der Rax-Seilbahn sowie Leiter der „Scharfegger´s Raxalpen Resorts“.

Portrait eines Mannes

Bernd Scharfegger, GF und Inhaber Rax-Seilbahn © Rax-Seilbahn

Herr Scharfegger, welche Rolle spielt Ihre Familie bei der Entwicklung der Rax-Seilbahn seit 50 Jahren und wie war Ihr persönlicher Werdegang in die Seilbahnbranche? Haben Sie noch weitere Funktionen im touristischen Umfeld?

Mein Vater Friedrich war zunächst in den 70er Jahren Pächter des Raxalpe-Berggasthofs und zweiter Geschäftsführer der Rax-Seilbahn. Als der damalige Betrieb vor dem Bankrott und somit der Stilllegung stand, erwarb er erste Gesellschaftsanteile und wurde dann 1977 Hauptgeschäftsführer und schließlich ab 1989 alleiniger Eigentümer. Die Schulden wurden abgebaut und Investitionen getätigt, die Region gerettet und ein kulturelles Erbe für die Republik Österreich bewahrt! Später unterstützten meine beiden älteren Brüder und ich die Geschäftsleitung, vor allem im Marketing und der Gastronomie. Als 2016 die Konzessionsverlängerung anstand – mit den neuen gesetzlichen Auflagen seit 2003 – war bereits ab 2014 sehr viel Geschick in der Planung erforderlich sowie ein hohes Investitionsvolumen notwendig (3,2 Mio. Euro), sodass ich verstärkt Agenden und in Folge eben auch die Geschäftsführung übernahm. Nach Corona wurde ich außerdem Eigentümer aller 6 Betriebe (5 Gastronomie und die Seilbahn), die seit 2017 unter der Dachmarke ‚Scharfegger´s Raxalpen‘ Resort‘ gebündelt sind. Dass der Resortgedanke für das gesamte Bergerlebnis bedeutsam ist, haben wir früh erkannt. Es kann nur optimal funktionieren, wenn alles aus einer Hand kommt. Die berufliche Ausbildung habe ich in der Tourismusschule Semmering absolviert, war dann einige Jahre in den USA und Wien in der Hotellerie tätig, und 2009 in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt. Als Funktionär bin ich in der Fachgruppe Seilbahnen Niederösterreich im Ausschuss vertreten, geplant ist die Übernahme des Fachvertretungsvorsitzes von Michael Reichl im Herbst und somit dann auch eine Präsenz im Bundesausschuss.

Werbesujet eines 100 Jahres Jubiläums einer Seilbahn mit neuer und alter Seilbahnkabine

Sujet zum diesjährigen Jubiläum der Rax-Seilbahn am 9. Juni. © Rax-Seilbahn

Die Rax-Seilbahn feiert am 9. Juni ihr 100-jähriges Jubiläum. Wie kam es damals zu dieser Pionierleistung, wie hat sie den alpinen Tourismus verändert?

Ich habe diesbezüglich beim Historiker Dr. Günther Luxbacher von der TU Berlin ein Buch in Auftrag zur Geschichte der alpinen Luftseilbahn – mit Schwerpunkt Rax-Seilbahn – gegeben, das im Zuge des Festaktes erscheinen wird. Er beleuchtet dabei die Pionierarbeit des Bleichert-Zuegg-Systems, das den alpinen Tourismus revolutionierte, und ordnet die Raxbahn als historisch wegweisend für die Erste Republik ein. Luxbacher beschreibt diese 1926 eröffnete Bahn als technisches und alpines Meisterwerk, das nicht nur eine infrastrukturelle Leistung darstellte, sondern auch einen politischen und ökologischen Drahtseilakt. Als erste Personen-Seilschwebebahn der Republik Österreich – ganz knapp vor der Tiroler Zugspitzbahn – gilt die Rax-Seilbahn bis heute als Symbol für Pioniergeist, technische Meisterleistung und Naturverbundenheit. Die Anlage wurde als klassische Pendelbahn mit einem Trag-, einem Zug- und einem Hilfsseil pro Fahrbahn errichtet und danach mehrmals umgebaut bzw. modernisiert, zuletzt wurde sie von der Firma LEITNER 2015/16 auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Mit neuen Antriebssteuerungen, modernisierter Seilbahn- und Elektrotechnik sowie einer verlängerten Konzession für weitere 25 Jahre wurden höchste Sicherheitsstandards und ein reibungsloser Betrieb gewährleistet. Diese Investitionen stellen sicher, dass die Rax-Seilbahn weiterhin ein bedeutendes touristisches Aushängeschild Niederösterreichs bleibt. Die Rax-Seilbahn ist bis heute ein herausragendes Beispiel für die bedeutende Rolle, die Seilbahnen bei der touristischen Erschließung von Bergregionen spielen. Für uns ist sie nicht nur eine Seilbahn, sondern die treibende Kraft und das verbindende Element, das unsere Region lebendig hält. Sie fördert den Tourismus, schafft Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze – und macht uns jeden Tag aufs Neue stolz, Menschen aus aller Welt einzuladen, die Natur in ihrer ganzen Pracht zu erleben.

Welche wichtigen Eckdaten gibt es in der 100-jährigen Geschichte der Rax-Seilbahn? Und wie viele Beförderungen pro Jahr können inzwischen registriert werden?

+ 1944 wurden die Tragseile durch eine Fliegerbombe zerstört und neu eingezogen

+ 1947 Ersatz der alten Wagen durch neue Leichtmetallwagen

+ 1963 erfolgte ein Getriebetausch und 1968 ein Motorentausch

+ 1976 neue Kabinen zum 50-Jahre-Jubiläum

+ 1984 Tausch Zug- und Tragseile

+ 2002 Neue Wagen (30 +1) werden in Betrieb gestellt (Carvatech)

+ 2016 Neue Steuerung und Online-Ticket-System, Generalüberholung

+ 2026 100-Jahre-Jubiläum mit Festakt

Die Beförderungen liegen bei knapp über 200.000 Gästen jährlich, mit der Zielsetzung, die Frequenz kontinuierlich anzuheben. Das ist vor allem eine Wetterfrage. Grundsätzlich erfreuen wir uns aber seit ca. 3 Jahren eines starken Zuspruchs, die Liebe der Bevölkerung zum Berg nimmt zu! Wir sind nach wie vor zu 80 % sommerlastig, auch wenn die Frequenzen im Winter steigen. Wir streben mittelfristig ein Verhältnis von 70:30 an.

Neben der technischen Erneuerung setzt die Rax-Seilbahn auch auf innovative Besucherangebote. Können Sie diese näher beschreiben?

Grundsätzlich stellen wir uns möglichst breit auf und bieten unseren Gästen verschiedene Möglichkeiten an. Wir haben Wanderer, Ausflugsgäste, Panorama-Genießer – die Bergstation ist ja der Ausgangspunkt für ein 34 km² großes Wander-Plateau mit sehr vielfältiger Flora. Das wird inzwischen auch stark von internationalem Publikum genutzt, respektive sich auf den Spuren der großen Dichter und Denker zu bewegen, Stichwort „Sigmund Freud auf dem Otto-Haus“. Diesbezüglich bieten wir u. a. Produkte wie Kombitickets mit der Gastronomie zusammen oder auch Event-Tickets für Mondscheinfahrten oder Sonnenaufgangs-Frühstück bis zu den Bergadvent-Terminen. Dabei wollen wir aber auf jeden Fall vermeiden, Frequenz über Inszenierung zu schaffen, die mit dem Berg nichts zu tun hat. Vor einigen Jahren stellten wir Überlegungen an, wie wir für den Gast erlebbarer machen können, worum es überhaupt geht auf dem Berg. Das Resultat waren z. B. Tafeln in der Talstation auf der Willkommensterrasse zur Wissensvermittlung oder Inszenierung oben auf der Bergstation, wo wir das Thema mit der „ersten Bergrettung der Welt“ (gegründet in Reichenau) aufgenommen haben. Im Hintergrund steht das Pionier- und Freigeisterkonzept, welches ständig je nach finanziellen Möglichkeiten weiter um kleine Installationen wachsen soll. Prinzipiell sind wir ja weit mehr als nur ein Wirtschaftsunternehmen. Diese Seilbahn hat in 100 Jahren so viele Menschen und Emotionen bewegt, dass ich einen Auftrag darin sehe, dieses österreichische Kulturerbe als Rückzugsort vom Alltag (zeitgemäß) zu erhalten.

Sie spielen eine starke wirtschaftliche Rolle in der Region und bekennen sich zu einem zukunftsorientierten Tourismus. Welche Vision haben Sie da?

Ja, schon alleine durch die Frequenz ist eine markante Ausstrahlung vorhanden, es findet große Wertschöpfung in der Region statt. Dazu existiert sogar eine Studie. Daran knüpft sich natürlich eine große Verantwortung, die Bedeutung als nachhaltiges und zukunftsorientiertes Tourismusprojekt aufrecht zu erhalten. Umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten wie ÖBB-Pakete, das Sommerfrische-Kombiticket mit der Höllentalbahn, die 2026 ebenfalls 100 Jahre alt wird, sowie das Mobilitätsprojekt „RUFbus“ Semmering-Rax entlasten den Verkehr und fördern eine ressourcenschonende Regionalentwicklung. Man verpflichtet sich, immer am Ball zu bleiben, je nachdem, wie sich das gesellschaftliche Umfeld entwickelt. Auch wenn sich die Strukturen über die Jahrzehnte verändert haben, kann ich sagen, dass der Bergsport per se, respektive das Wandern, weiterhin bei allen Generationen attraktiv ist. Ja, wir haben unser Zielpublikum zuletzt sogar total verjüngt.

Drei Schneeschuhwanderer laufend im Hintergrund, im Vordergrund ist die Zahl 100 in den Schnee gemalt.

Das Rax-Plateau ist im Winter ein Paradies für Schneeschuh-Wandern und für viele Leute eine Alternative zum Skilauf. © Rax-Seilbahn

Welchen Aktivitäten kann man eigentlich im Winter nachgehen? Es findet ja kein klassischer Skibetrieb mehr statt!

Man kann sicherlich mit Skiern abfahren, wenn Schnee bis ins Tal liegt (528 m), allerdings ohne Pistenpräparierung. Oben auf dem Plateau wird hauptsächlich Schneeschuh-Wandern angeboten – mit Erfolg. Die Rax hat sich inzwischen sogar zum führenden Schneeschuh-Wanderberg im Osten Österreichs entwickelt. Vor allem in Wintern mit wenig Schnee rettet uns sozusagen das Schneeschuh-Wandern das Geschäft. Vor allem geführte Winter-Touren, die verborgene Einblicke in das Naturschutzgebiet Rax ermöglichen, sind ein Renner. Ein gut durchdachtes Farbleitsystem am Berg gibt beim Schneeschuh-Wandern die Richtung vor, wählbar sind mehrere Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Schneeschuhe und Stöcke sind in der Verleihstation des Raxalm-Berggasthofs erhältlich. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass wir durch das Schneeschuh-Wandern und den guten Zugang zum Berg vielen Menschen, die mit dem Skifahren aufgehört haben, wieder eine Berechtigung für sich geben, eine Aktivität im Schnee zu betreiben.

Neuerdings verwenden Sie den Claim „Raxen mit Freunden“. Was ist unter dem Begriff zu verstehen?

Zum 100-jährigen Jubiläum der Rax-Seilbahn steht das Gemeinschaftserlebnis im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang soll sich der Begriff „RAXEN“ künftig als Synonym für das gemeinsame Wandern auf der Rax etablieren und die Freude am gemeinsamen Naturerlebnis betonen. Entstanden ist der launige Begriff „Gemma Raxen“ schon vor einiger Zeit in der Bevölkerung und wir versuchen ihn nun im Marketing unterzubringen! Außerdem geht der Claim sehr gut zum Teilen in den Sozialen Medien. Die Kampagne #RAXENmitFREUNDEN vereint die Themen FREUNDE, FREUDE und FREUD, die alle im Kampagnennamen enthalten sind. Somit werden zusätzlich Unterkategorien geschaffen, in denen wir unsere Schwerpunkte ‚Wander- und Naturerlebnis‘, ‚Kulinarik am Berg & Auszeit vom Alltag‘ sowie ‚Geschichte & prägende Persönlichkeiten‘ optimal kommunizieren können.

Zum Schluss: Was sehen Sie als die größte Herausforderung für die Zukunft der Rax-Seilbahn, und wie will man ihr begegnen?

Die größte Herausforderung ist definitiv eine Balance zu finden in der Kostensituation. Denn einerseits sind die Kostensteigerungen in den letzten Jahren enorm, andererseits sind wir bei den Möglichkeiten der Frequenzsteigerung der limitiert. Da kommen nur noch wenige weitere Tage in Betracht, weil bei den Hochfrequenztagen sind wir ohnehin schon mit 3.000 Beförderungen pro Tag am Limit. Insofern wird es bei uns auch nie Overtourismus geben. Was uns helfen kann, ist die Ausdehnung der warmen Zeit auf die Nebensaisonen im Frühjahr und Herbst aufgrund der Klimaerwärmung. Das würde die Wander- und Ausflugssaison strecken. Nicht zu vergessen ist auch, dass man 1.000 Höhenmeter in acht Minuten mit der Seilbahn überwindet und in einer anderen Klimazone auf 1.546 m landet. Es ist 10° C kühler als im Tal – eine Wohltat in den immer heißer werdenden Sommern…

Danke für das Gespräch!  mak

 

Eröffneten feierlich das neugestaltete Museum auf der Zugspitze (v.li.n.re.): Franz Dengg (Geschäftsführer Tiroler Zugspitzbahn), Theo Zoller (Obmann Tiroler Zugspitz Arena), Mario Gerber (Landesrat für Wirtschaft, Tourismus und Digitalisierung) und Norbert Span (Glaziologe und Astrofotograf). © Tiroler Zugspitzbahn / Franz Oss

Eröffnung des neu gestalteten Erlebnismuseums „Faszination Zugspitze“

Die Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald feiert im Jahr 2026 ihr 100-Jahre-Jubiläum. Vor diesem Hintergrund wurde das an der Bergstation auf 2.962 m befindliche Erlebnismuseum vom Glaziologen und Astrofotografen Norbert Span neu gedacht und zeitgemäß inszeniert. Am 19. Mai 2026 fand die offizielle Eröffnung statt.

Im neu gestalteten Erlebnismuseum „Faszination Zugspitze“ wird die traditionsreiche Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn bis zur heutigen „Himmelsstürmerin“ mit modernster Medientechnik gewürdigt. Mithilfe interaktiver Stationen und digitaler Installationen wurde das 2005 erbaute Museum vom Glaziologen, Ausstellungsgestalter und Astrofotografen Norbert Span grundlegend überarbeitet.

Statement Museumskurator und Projektentwickler Norbert Span:

„Mit diesem Projekt wollen wir nicht nur die Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn erzählen, sondern auch junge Menschen inspirieren und das Bewusstsein für die Bedeutung von technischer Innovation und regionaler Identität stärken. Die Ausstellung soll Tradition, Innovation und Bildung mit Emotion verbinden – als ein starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit Tirols.“

Das Museum im Überblick

Gleich zu Beginn fällt der Blick auf die Geschichte und die Pioniere der Tiroler Zugspitzbahn. Großflächige Grafiken und modernste Displays machen die Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre sichtbar. In der originalen Kabine Nr. 5 von 1978 erfahren Besucher beispielsweise mittels Telefons mehr zum Ausstellungsstück, für Kinder wartet dort ein „Kabinenmemory“. Highlight der Ausstellung ist das begehbare Kaleidoskop: Dort spiegeln sich die Impressionen der Zugspitze in einer überdimensionierten Kugel. Ein weiteres zentrales Element im Museum ist ein dreidimensionales Modell der Region rund um die Zugspitze, das durch eine interaktive Reise zum Leben erweckt wird. Das digitale Head-Up-Display zeigt die damalige Fahrt der Kabine aus dem Jahr 1978 als Animation über der realen Landschaft.

Neben der Sonderausstellung „200 Jahre Erstbesteigung Zugspitze“ und dem museumseigenen Kino mit neuen Filmen zum Seilbahnbau gibt es weitere Anziehungspunkte: Eine interaktive Station offenbart mithilfe eines Zeitschiebers die unterschiedliche Trassenführung großflächig auf der Wand. Zugleich werden die fünf Kabinen der vergangenen 100 Jahre als Modelle ausgestellt. Im letzten Raum des neugestalteten Museums werden die Themen Wetter und Klima anschaulich präsentiert: An einem großen Relief der Ostalpen können Besucher auf Knöpfe drücken und sehen dadurch Wetterextremwerte der Zugspitze im Vergleich zu anderen Bergen. Eine Impressionswand mit Wetterereignissen auf der Zugspitze rundet die Ausstellung ab.

Statement Franz Dengg, Geschäftsführer der Tiroler Zugspitzbahn:

„Das neugestaltete Museum bietet den Gästen eine weitere Attraktion am Gipfel der Zugspitze mit beeindruckenden Bildern von Sonnenaufgängen und -untergängen bis zur Technik und der Geschichte der Zugspitze.“

Besucher erhalten nicht nur Einblicke in die Vergangenheit, sondern auch ein besseres Verständnis für die Veränderungen im alpinen Raum.

Pendelbahn-Kabinen erstrahlen im neuen Glanz

Parallel dazu investierte die Tiroler Zugspitzbahn auch in die Modernisierung ihrer bestehenden Infrastruktur. Im Rahmen einer umfassenden Kabinenrevision durch den Schweizer Hersteller CWA, einem Unternehmen der Doppelmayr-Gruppe, erhielten die beiden Panorama-Kabinen der Tiroler Zugspitzbahn ein technisches und optisches Upgrade. Die Außenflächen wurden in edlem Metallic-Blau lackiert und verleihen den Pendelbahn-Kabinen so einen modernen Auftritt. Auch im Innenraum wurde die Kabine mit einer neuen Lackierung in Weißaluminium, einem neuen Bodenbelag sowie erneuerten Scheiben optisch aufgefrischt. Darüber hinaus wurden Türmechanik und Unterboden sorgfältig überarbeitet, um die Betriebssicherheit langfristig sicherzustellen.

Über die Tiroler Zugspitzbahn

Die damalige „Österreichische Zugspitzbahn“ war bei ihrer Eröffnung vor hundert Jahren die erste Seilbahn Tirols und die zweite Österreichs. Im Laufe ihrer Geschichte setzte die Tiroler Zugspitzbahn zahlreiche Meilensteine: von den ersten Kabinen für 19 Personen im Jahr 1926 über die Erschließung des Gipfels mittels Gipfelbahn 1964 bis hin zur heutigen Direktverbindung auf die Zugspitze, die seit 1991 in Betrieb ist. Nach dem Talstationsbrand 2003 gelang ein Wiederaufbau der Pendelbahn in Rekordzeit. Auch danach entwickelte sich die Tiroler Zugspitzbahn konsequent weiter – mit neuen Erlebniswelten, innovativen Ausstellungen und modernen Infrastrukturen. Heute überwindet die Pendelbahn auf einer Länge von 3.600 m rund 1.725 Höhenmeter in nur zehn Minuten Fahrzeit. Zwei Panorama-Kabinen für je 100 Personen transportieren bis zu 730 Passagiere pro Stunde auf knapp 2.950 m Seehöhe. Die höchste Stütze misst 55 m, der größte Bodenabstand beträgt 160 m.

Weitere Informationen:

http://zugspitze.at

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